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Äquifinalität

  • Ludwig von Bertalanffy
Part of the Sammlung Vieweg book series (SV)

Zusammenfassung

Eine weitere wichtige Konsequenz aus dem Begriff der offenen Systeme ist die Äquifinalität, welche einen sehr tiefgehenden Unterschied zwischen unbelebten und lebenden Systemen darstellt. In physikalischen Systemen ist der Endzustand im allgemeinen durch die Anfangsbedingungen determiniert. Man nehme als Beispiel die Bewegungen in einem Planetensystem, in dem die Planetenorte zu einer beliebigen Zeit t durch diejenigen zu einer Zeit t 0 determiniert sind, oder ein chemisches Gleichgewicht, wo die Endkonzentrationen eindeutig von den Anfangskonzentrationen abhängen. Falls die Anfangsbedingungen oder der Verlauf des Prozesses geändert werden, so wird damit auch der Endzustand geändert. Bei lebenden Systemen dagegen kann der gleiche Endzustand von verschiedenen Anfangsbedingungen aus und auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Ein solches Verhalten heißt äquifinal. Ein berühmtes Beispiel ist die embryonale Regulation: Das gleiche Endprodukt, eine typische Larve, kann entstehen aus einem vollständigen normalen Keim — etwa eines Seeigels — oder aus der Hälfte eines experimentell halbierten Keims oder aus zwei verschmolzenen Keimen. Es ist wohlbekannt, daß Driesch in diesem Verhalten einen Widerspruch mit den physikalischen Gesetzen sah und sie als den ersten und wichtigsten „Beweis des Vitalismus“ betrachtete — indem nämlich ein solches Verhalten nur auf Grund eines Eingreifens einer seelenartigen Entelechie erklärbar sei.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1953

Authors and Affiliations

  • Ludwig von Bertalanffy
    • 1
  1. 1.University of OttawaCanada

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