Advertisement

Zusammenfassung

Kein anderes Gebiet im Reiche der Naturwissenschaften läßt den großen und bedeutungsvollen Unterschied zwischen der Forschungsweise und den Zielen des Strebens unseres Zeitalters und denjenigen der hinter uns liegenden Jahrhunderte in höherem Maße erkennen und ist von ihm stärker beeinflußt als das Gebiet der Fragen, die sich beziehen auf unseren Standpunkt im unermeßlichen All und auf das Bild, das wir uns in unserem Geiste von diesem All machen. Die weit überwiegende Mehrzahl derjenigen Tatsachen, die hier zur Wahrheit zu leiten vermögen, bleibt bei den für unser Begriffsvermögen ganz unfaßbaren Dimensionen des Raumes, den wir unserer Forschung unterwerfen müssen, um zum Ziele gelangen zu können, dem unbewaffneten Auge verhüllt. So lange daher das Auge dem forschenden Geiste das alleinige Hilfsmittel war, um in die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen einzudringen, war der Blick in so enge Grenzen gebannt, daß der grübelnde Verstand nur auf dem Wege der Spekulation versuchen konnte, in die Geheimnisse einzudringen und die Gesetze zu ergründen, die sich am gestirnten Himmel in ewig unveränderlicher, das menschliche Gemüt mit Staunen und Bewunderung erfüllender Weise offenbaren. So sehen wir denn in der Tat, daß bis auf die Zeiten des Kopernikus unsere Forschung diesen Weg wandelte, um eine Brücke zu suchen über die unergründliche Kluft, die das der direkten sinnlichen Wahrnehmung zugängliche Gebiet trennt vom Unendlichen, die vom Chaos der Erscheinungen hinüberführt zu der erhabenen Gesetzmäßigkeit, die wir ahnend auch in den entferntesten Tiefen dieses unendlichen Raumes voraussetzen. Aber die Zahl der Anhaltspunkte war eine zu geringe, die Fäden, an die die Forschung sich halten sollte, waren zu locker und zu kurz, es blieb ein weiter freier Spielraum, in dem die Phantasie in fast unumschränkter Weise schweifen konnte.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1905

Authors and Affiliations

  • Hermann Kobold

There are no affiliations available

Personalised recommendations