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Staats-kunde pp 229-247 | Cite as

Staat und Kirche

Vom protestantischen Standpunkt aus
  • O. Baumgarten
  • J. B. Sägmüller
Chapter

Zusammenfassung

Eine protestantische Lehre über das Verhältnis von Staat und Kirche kann es schon deshalb nicht geben, weil die gesamten Reformatoren die göttliche Stiftung der verfaßten Kirche bestreiten, ihre Ausgestaltung und damit auch die Regelung ihrer Beziehungen zum Staat der Vernunft der Dinge überlassen. Da die verfaßte Kirche nicht nach göttlichem, nur nach menschlichem Recht besteht und sich entwickelt, steht sie in keiner Weise über dem Staat, der nach gemeinsamer protestantischer Überzeugung eine gottgewollte Ordnung der Christenheit nach ihren weltlichen und rechtlichen Beziehungen ist. Allen protestantischen Bekenntnissen gemeinsam ist der von Luther besonders scharf ausgesprochene Grundsatz von der Scheidung des geistlichen und des weltlichen Schwerts, der kirchlichen und der staatlichen Ordnung. Daraus folgte nun aber weder die Trennung von Kirche und Staat noch die Gleichberechtigung der verschiedenen Kirchen und Bekenntnisse. Die beiden Schwerter oder Holheitsgebiete gehören für Luther und Kalvin demselben großen Körper der einen Thristenheit an, und der Staat, insbesondere der Fürst als Obrigkeit ist der Christenheit zu Dienst verpflichtet. So sind die Reformatoren einerseits an einer reinlichen Scheidung der beiden Gebiete interessiert: keine irdische Gewalt soll sich anmaßen, der Seele Gesetze zu geben und sich einzudrängen zwischen sie und ihren Herrn, gar die Wirksamkeit des Evangeliums hindern; andererseits wollen sie doch die Zusammengehörigkeit von Staat und Kirche als Formen derselben Christenheit festhalten, woraus die Verpflichtung der staatlichen Obrigkeit zur Aufrechterhaltung christlicher Ordnung und zur Unterdrückung der sie gefährdenden öffentlichen Irrlehre folgt.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1927

Authors and Affiliations

  • O. Baumgarten
  • J. B. Sägmüller

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