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Die frühchristliche Kunst

  • Ernst Cohn-Wiener
Chapter
Part of the Aus Natur und Geisteswelt book series (NAG)

Zusammenfassung

Diese letzten Jahrhunderte antiker Kultur sind zugleich die ersten des Christentums. Noch immer herrscht die Meinung, als hätte es in seinem Entstehen einen ganz neuen Stil, den altchristlichen, hervorgebracht. Allein eine neue Weltanschauung tann der Kunst wohl neue Stoffe, neue Gedankeninhalte geben, aber nicht neue Vorstellungen. Die entstehen aus den Bildern, die sich dem Auge bieten, aus dem umgebenden Leben, und sind mithin völlig antik. Datz die Kunst mit einem Schlage in neuen Stilformen hätte sehen können, ist so unmöglich, wie für die Evangelien die Schaffung einer neuen Sprache. Und selbst Die neuen Stoffe kommen spät genug. Denn nur sehr allmählich haben die ersten christlichen Gemeinden, die in jüdisch-hellenistischen und römisch-hellenistischen Traditionen grotz wurden, ihre Religion so scharf ausgeprägt, um für sie neue formvorstellungen auch nur zu suchen. In den Wandmalereien der Katakomben und den Mosaiken der Kirchen kommen dieselben weinkelternden Genien und impressionistischen Porträts vor, wie in pompejanischen fresken, und sogar Darstellungen von ausgesprochen heidnischer Gesinnung, nackte Najaden und Götter, konnten sich unter die altchristlichen und byzantinischen Kunstformen mischen. Ohne daß selbst spätere Zeiten sie anstößig fanden; an der Kanzel von Nachen haben sie sich bis heute erhalten. Die Meinung, es hätte das Christentum aus dem Nichts heraus eine neue Kunst schaffen können, sit uns heutigen, die wir entwicklungsgeschichtlich denken, völlig absurd.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Ernst Cohn-Wiener
    • 1
  1. 1.Freie VolkshochschuleHumboldt-HochschuleGroß-BerlinDeutschland

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