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Die Spätgotik

  • Ernst Cohn-Wiener
Chapter
Part of the Aus Natur und Geisteswelt book series (NAG)

Zusammenfassung

Die hochgotische Lockerung der Formen wird durch die fpäte Gotik, das 15. Iahrhundert, deren Zentren Zumächst Burgund, dann Deutschland und die Niederlande sind, bis zur Zerrissenheit gesteigert. Aus der ziellosen Bewegung wird die richtungslose, und auf das Ausschalten des Zweckgefühls folgt die Eyrannis des Grnaments. Man hat in Frankreich geradezu von einem „Style flamboyant“, einem züngelnden Stil, gesprochen. Was früher frei ftand, wird jetzt als Rahmenwerk benutzt, und was früher als Stütze diente, hängt, hängt, jetzt herab. Menn schon an den gotischen Strebepfeilern die Fialen der dekorativen Verkleidung tektonischer Notwendigkeiten dienten, warden jetzt auch Fenstermaßwerkund Wimperg, profilierte Rippen und Pseilergliederungen derselben Absicht dienstbar gemacht, alles aus seinem Zusammenhang gerissen und an beliebigen Stellen rein als Schmuck angesetzt, gedreht und gebogen, ausgezacktund umrankt. Naturalistische Motive warden mit Architektur- und Bandformen vermengt, und eine durch keine Hemmung mehr gezügelte Phantasie gibt jeder Einzelform überraschende Reize. Der Reichtum an Schmuckwerk wird die Schönheit an sich; eine unwerzierte, standfete Wand würde man als uninteressant empfunden haben(Abb. 65).

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Ernst Cohn-Wiener
    • 1
  1. 1.Freie VolkshochschuleHumboldt-HochschuleGroß-BerlinDeutschland

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