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Über das künstlerische Erfassen der epischen Dichtung

  • Ernst Weber
Chapter

Zusammenfassung

Die Wirkung der Poesie hat etwas Wunderbares an sich. Eine Reihe von Wörtern, von Begriffen — den unsre Sprache seßt sich aus Begriffen zusammen — läßt Bilder schauen, und zwar ganz individueller Art, weckt eingenartige Gefühle und führt zu neuen Erlebnissen. Schon Hebbel hat auf diese geheimnisvolle Wirkung der Begriffesprache hingewiesen. Der Begriff lost „in unendlicher Ausweitung“ alles Besondere ins Allgemeine auf; die dichterische Anschauung jedoch sucht das Allgemeine „in ebenso unendlicher Dertiefung“ im Besondern. Wie ist dies durch den sprzchlichen Ausdruck zu erzielen? Ist das Medium, dessen sich die Dichtung besient, ist das Wort, ist der Begriff nicht direct poesiefeindlich? Der Begriff ist kein Individuum; er ist Art- und Gattungsname. Die Dichtung jedoch will individuelles Leben gestalten. Daß zweischen Wort und Sache keine „materielle Ähnilichkeit“, keine Jdentität besteht, macht nach Hebbels Meiung wenig aus; den zwischen dme Material der Statue und dem dargestellten Menschen besteht auch keine Jdentität. Aber auch due bloße „formale Ähnichkeit,“ die Nachahmung der Sache durch das Wort, stößt auf Schwierigkeiten. Mit wenig Ausnahmen sind die sprzchlichen Bezeichnungen einer Sache durch Zufall gebildet worden. Auch dieser Umstand würde nach Hebbels Anschauung nicht schwer ins Gewicht fallen, wenn es nur Wörter oder Wortsäße, die uns „den individuellsten Charakter“ der Sachen, „ihre individuellsten Derhältnisse“, kurzum das lebendige Individuum, nicht die Cattung, bezeichnen könnten.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Ernst Weber
    • 1
  1. 1.BambergDeutschland

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