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Von der Technik des Dichters

  • Ernst Weber
Chapter

Zusammenfassung

Der schaffende Dichter darf demnach — nach dem Urteil des größten deutschen Dichters — nicht über die Art und Weise seiner Technik nachdenken, wenn er etwas Rechtes leisten will. „Man würde verrückt!“ — Der schaffende Dichter im Moment des Schaffens! — Für den Ästhetiker gilt diese Forderung nicht. Und in der Tat: über nichts wurde auf dem Gebiete literarischer Forschung wohl mehr gedacht und geschrieben als gerade über die poetische Technik. Was ist seit Opitzens Büchlein von der deutschen Poeterei nicht an poetischen Gesetzen und Systemen konstruiert worden! Was wurde nicht alles von vorhandenen Dichtungen abstrahiert, und was wurde nicht alles mit überkommenen Abstraktionen gemessen und abgeurteilt, bis wieder ein Neuer, ein Starker kam, der die Kraft der alten Gesetze durch die Gewalt einer großen Tat brach, damit jedoch zugleich ein frisches Schulbeispiel für neue Normenabstraktion der ästhetischen Forschung schenkte! Die Ästhetiker fanden ihre Lebensaufgabe in dieser systematischen Durchforschung, in der logischen Durchdringung aller Fragen nach dem „Warum? Wozu? Wieso?“ Nichts schien und scheint ja auch leichter „erklärlich“ zu sein als die Frage nach der dichterischen Technik, nach Rhythmus, Reim, Vers- und Strophenbau. Mit mathematischer Genauigkeit beweist die wissenschaftliche Poetik, daß die Dichtung monopodischen oder dipodischen Tharakter trägt, daß sie sich aus r oder y Jamben oder Trochäen, Daktylen oder Anapästen zusammensetzt, daß an der oder jener Stelle ein Spondeus, ein Amphibrachys oder ein

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Ernst Weber
    • 1
  1. 1.BambergDeutschland

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