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Die Welt der epischen Formen

  • Ernst Weber
Chapter

Zusammenfassung

Über die epischen Stoffe schrieb ich bereits. Sie erfordern die ihnen naturgemäße Form, die epische Behandlung. Goethe sah in der epischen Poesie die „klar erzählende“ im Gegensatz zur „enthusiastisch“ oder Iyrischen und zur „persöhlende handelnden“ oder dramatischen. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß ich den Unterschied zwischen Epik und Lyrik weniger in der Form als vielmehr im Stoff erblicke. Auch die Epik kann „enthusiastisch aufgeregt“ und „persönlich handelnd“ erzählen; aber ihre Stoffe sind andrer Art. Der Gegensatz zwischen Epik und Dramatik liegt dagegen mehr im Formellen, obgleich hier die Grenzen sich zuweilen verwischen. Freilich die Behandlung ist vom Stoff abhängig. Stoff und Form sind eigentlich nur die verschiednen Seiten ein und derselben Sache, wie die Spinozistischen Modi Denken und Ausdehnung nur verschieden Äußerungsweisen der einen zugrunde liegenden Substanz darstellen. Es gibt keinen Stoff ohne Form und keine Form ohne Stoff. Der Stoff gebiert die Form. In diesem Sinne kann man auch auf einen grundlegenden Unterschied zwischen epischen und Iyrischen Formen hinweisen; aber dieser Unterschied ist mehr ein äußerlicher, ein Unterschied der Wirkungen; der inner Unterschied der Ursachen ist in der Verschiedenheit der Stoffe zu suchen.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Ernst Weber
    • 1
  1. 1.BambergDeutschland

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