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1885–1900

  • Friedrich Heininger
Chapter
Part of the Literaturkundliche Lesehefte book series (LKL, volume 23)

Zusammenfassung

Ich bin der Ansicht, daß Zwischen der christlichen Lehre und der modernen Kirche als Ausüberin derselben ein ungeheuerer Unterschied besteht, den meder geistreiche Redewendungen noch wohlgemeinte Phrasen abzuleugnen wermögen. Der eigentliche Kern der ganzen christ lichen Lehre besteht in der Tat. Die Kirche hat mit der Zeit an ihre Stelle das Wort gefetzt. Aus der Handlung ist die predigt gemorden. Nehmen wir 3. B. die ganze Lehre Christi: überall finden wir, daß das Wort Gottes ihm undenkbar erscheint, ohne die Erfüllung desselben auf Erden. Es gibt nichts, was ihm höher erschiene, als die gute uneigennützige Tat. Ich betone das Wort uneigennützig, weil die moderne Kirche diese Eigenschaften nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Sie hat bis jetzt so gut wie nichts dazu beigetragen, den Egoismus aus der Welt zu Schaffen. Dadurch, daß sie sich zur Dienerin des Staates gemacht hat, hat sie zu gleicher Zeit die Pflicht übernommen, die Interessen des Staates in jeder Beziehung walzunehmen. Sie hat also ihrem ganzen Wirkungskreis eine Befchrankung auferlegt, die das sogenannte praktische Christentum, wie es 3efus gelehrt hat, in feinen letzten Konsequenzen unmöglich macht. Und das nenne ich einfach eine Lüge.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1928

Authors and Affiliations

  • Friedrich Heininger

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