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Staats-Kunde pp 269-273 | Cite as

Gesellschaft und Staat

  • Hermann Heller
Chapter

Zusammenfassung

Der Mensch, der religiös- metaphysischen Lebensform entrungen, scheidet sein inneres allerpersönlichstes Erlebnis der Religion von jedem äußderen Geschehen, macht jenes von diesem völlig unabhängig. Umgekehrt verzichtet er aber auch bei der Deutung der ihn außen umgebenden Natur und der Kultur, in der er selbst befangen ist, auf die Heranziehung religiös-metaphysischer Kräfte. Er will dieses Reich der Kultur als seine eigene Schöpfung begreifen, sucht nach einem Schäfer, einem Zusammenhange. einer gemeinsamen Grundlage, als deren Erzeugnisse Staat und Wirtfchaft, Kirche und Kunst, Sprache und Wissenschaft, Moral und Recht begriffen werden können; diese vorgestellte allgemeine Grundlage aller Kulturerscheinungen nennen wir Gesellschaft. Solche mit der Gesamtentwicklung des Menschengeschlechts zusammenfallende Gesellschaft bietet jedoch einer kritischen Wissenschaft wenig fruchtbare Erkenntnismöglichkeiten; nur ein Gott könnte diese Gesamtentwicklung in ihrem Verlaufe, ihren Bedingungen und Aufgaben objektiv übersehen. Die Gesellschaft in diesem Sinne ist ein wertvoller wissenschaftlicher Gesichtspunkt, eine löchst fruchtbare Betrachtungsweise der Wissenschaft, einen realen Erkenntnisgegenstand der Wissenschaft bildet sie nicht. Einen solchen findet die wissenschaftliche Betrachtung erst in einer der konkreten (Gesellschaften, die sie nun als Soziologie (Gesellschaftswissenschaft) zu untersuchen hat. So verstanden umfaßt der (Gesellschaftsbegriff jede durch irgendwelche bewutzte oder unbewußte, organisierte oder nichtorganisierte, dauernde oder flüchtige Interesseneinheit zusammengefaßte Personenvielheit.

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Literatur

  1. Diese notwendig höchst unzulänglichen Ausführungen sind unbedingt durch die Literatur zu vertiefen: Spann, Gesellschaftslehre 1914. Vierkandt, Gesellschaftlehre 1923. Defs. Staat und Gesellschaft in der Gegenwart (Wissenschaft und Bildung). Sehr Wertvolles zur Einführung in der „Erinnerungsgabe für Max Weber“ 1923.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1926

Authors and Affiliations

  • Hermann Heller
    • 1
  1. 1.LeipzigDeutschland

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