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Staats-Kunde pp 223-257 | Cite as

Geschichte der Staatstheorien

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Zusammenfassung

Das speculative Denken über den Staat dreht sich von altersher um gewisse Grundprobleme, in deren Mittelpunkt das Verhältnis zwischen Staat und Individuum steht. Schon da klafft ein scharfer Gegensatz zwischen der kollektivistischen (universalistischen) und der individualistischen (egoistischen) Grundanschauung, zwischen denen es an Vermittlungsversuchen nicht gefehlt hat. Je nach dem einen oder dem anderen Standpunkt wird auch die in allen Staatstheorien wiederkehrende Idee der Gerechtigkeit, so wie die mit ihr in engster Verbindung stehenden Ideen der Freiheit und Gleichheit verschieden gefaßt und darnach die Postulate gegenüber dem Staate formuliert. Aber nicht nur die von politischen Strebungen erfüllte, sondern auch die rein theoretische Betrachtungsweise, die die Lösung der Grundprobleme aus der Erkenntnis des Wesens des Staates selbst erstrebt, hat schon deshalb zu sehr verschiedenen Resultaten geführt, weil diese Erkenntnis selbst ein zwar viel erörtertes, aber nicht eindeutig gelöstes Problem darstellt. Auch die damit nahe zusammenhängenden Fragen nach der Entstehung des Staates, nach den Zwecken sowie nach den Staatsformen, insbesondere im Sinne der „besten“ Staatsform, haben höchst verschiedenartige Theorien gezeitigt.

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Literatur

  1. A.
    Allgemeines. Ein den gesamten Staat umfassendes und allseitig befriedigendes Werk existiert nicht. Von den Gesamtdarstellungen, die sich auf alle Zeiten oder größere Epochen erstrecken, sind hervorzuheben. R. v. Mohl, Die Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften. 3 Bd., Erlangen 185–1858; wegen der Überfülle des Stoffes — es behandelt nicht nur die Literatur des Staatsrechtes, sondern auch des Völkerrechtes, der politischen Ökonomie, der Bevölkerungslehre und Statistik — nicht leicht zu gebrauchen; J. C. Bluntschli, Geschichte des Staatrechtes und der Politik seit dem Jahrh. bis zur Gegenwart. München 1864; geschmackvolle, leicht lesbare Darstellung für die Zeit nach Hugo Grotius; Sir Frederick Pollock, Kurze Geschichte der Staatslehre, deutsche Übersetzung von Scott und Boenigk, Leipzig, Reclams Univ.-Bibl. 1893, gut aber kurz und hauptsächlich England beaücksichtigend; H. Rehm, Gschichte der Staatswissenschaft (Handbuch des öffentlichen Rechtes), 1896, eingehend, in den einzelnen Abschnitten etwas ungleichmäßig. vorwiegend juristische Darstellung; L. Gumplowics Geschichte der Staatstheorien, Innsbruck 1905; eines der übersichtlichsten Werke, aber einseitig vorzugsweise auf die soziologische Betrachtungsweise eingestellt, Sam.Max Mélamed, Die Staatslehre im Wandel der Jahrtausende, Studien zur Geschichte des Staatsgedankens, Stuttgart 1910; stark tendenziös, daher mit Vorsicht zu gebrauchen. Vorzügliche Einzeldarstellungen der Lehren deutscher Autoren finden sich in dem großen Werke von R. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft, fortgesetzt von E. Landsberg, 3 Bd., 1880–1898, doch sind der Anlage des Werkes entsprechend einerseits nur deutsche Schriftsteller, anderseits aber nicht blotz. Theoretiker der Staatslehre, sondern der ganzen Rechtswissenschaft behandelt. — Vieles findet sich ferner in den Werken über die allgemeine Staatslehre von Richard Schmidt, 1901–1903, und Georg Jellinek, 3. Aufl. 1914, herausgegeben von Walther Jellinek, desgleichen in den Darstellungen der Geschichte der Philosophie von A. Schwegler, Fr. Überweg-Heinze, Windelband, Wundt u. a., sowie in dem Band „Geschichte der Philosophie“ der Kultur der Gegenwart, herausgegeben von Hinneberg, 1909.Google Scholar
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    Zu den einzelnen Abschnitten im Text kommen außer den sub A genannten allgemeinen Werken aus der schier unübersehbaren Literatur allenfalls in Betracht:.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1926

Authors and Affiliations

  • Max Layer
    • 1
  1. 1.GrazÖsterreich

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