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Einleitung

  • Erwin Koschmieder
Chapter
Part of the Wissenschaftliche Grundfragen book series (WG)

Zusammenfassung

Zwei Arten von Faktoren hat uns die vergleichende Sprachwissenschaft für die Sprachbetrachtung als ausschlaggebend für die sprachliche Ausdrucksform ansehen gelehrt, physiologische und psychologische. Daß Momente dieser Art in hohem Maße auch für die sprachlichen Ausdrücke bestimmend sind, die zeitliche Beziehungen zum Ausdruck bringen, steht außer allem Zweifel und ist in weitgehendem Umfange schon bei der wissenschaftlichen Betrachtung solcher Ausdrücke berücksichtigt worden. Bei der Darstellung von zeitlichen Beziehungen steht nun naturgemäß als sprachliches Ausdrucksmittel das Verbum im Vordergrunde, und während die formelle Seite des Zeitwortes in hohem Maße von sprachgeschichtlichen Vorgängen der differenzierenden lautlichen Entwicklung und von der nivellierenden Analogie beherrscht wird, spielen denkpsychologische Vorgänge bei der rein gedanklichen Struktur eine beherrschende Rolle. Denn für sie ist ja der Zeitbegriff der Baugrund, und der Zeitbegriff ist aufs engste verknüpft mit dem Vorgang des Denkens selbst. Die vergleichende Sprachwissenschaft, die gerade die sprachgeschichtlichen Vorgänge in unablässiger Arbeit klarzulegen sich bemüht hat, hat sich auch schon oft der Betrachtung der gedanklichen Struktur zeitbezogener Ausdrücke zugewandt. Sie wird an den rein denkpsychologischen Vorgängen nicht vorübergehen können, sofern sie das Wesen des Verbalgebrauchs zu verstehen trachtet.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1929

Authors and Affiliations

  • Erwin Koschmieder
    • 1
  1. 1.Slavische PhilologieUniversität BreslauPolen

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