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Ausgabenstruktur und Leistungsbilanz

  • Klaus Doch
Chapter
Part of the DUV: Wirtschaftswissenschaft book series (DUVWW)

Zusammenfassung

Die bis zu diesem Zeitpunkt angestellten Überlegungen gingen durchweg von der Annahme aus, daß sich die staatlichen Ausgaben einzig auf solche Güter richten, die grenzüberschreitend gehandelt werden. Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, eine Ausdehnung der öffentlichen Ansprüche an die Summe der im Inland verfügbaren Handelsgüter mit einer Vergrößerung der Nettoeinfuhr in Verbindung zu bringen, wobei allerdings die Richtung und der Umfang der sich im Endeffekt ergebenden Reaktion der Leistungsbilanz von einer Anzahl von bereits geschilderten Faktoren mitbestimmt werden. In der Realität ist hingegen zu beachten, daß ein Gutteil der öffentlichen Realausgaben für solche Güter getätigt werden, die aufgrund ihrer Natur bzw. aufgrund prohibitiv wirkender Transportkosten nicht grenzüberschreitend gehandelt werden.157 In dieser Hinsicht ist es nun nicht unmittelbar einsehbar, auf welchen Wegen die defizitäre Ausdehnung der staatlichen Güterkäufe von nichtgehandelten Gütern von außenwirtschaftlicher Bedeutung sein kann. Im folgenden Abschnitt soll deswegen das Augenmerk auf die Bedeutung der Staatsausgabenstruktur in dem Sinne gerichtet werden, daß die jeweiligen Leistungsbilanzreaktionen für unterschiedliche Anteile gehandelter bzw. nichtgehandelter Güter an den öffentlichen Realausgaben abgeleitet werden sollen.158 Um die Vergleichbarkeit mit den bisherigen Ergebnissen zu gewährleisten, soll dazu der bereits erläuterte Modellrahmen so weit wie möglich übernommen werden.

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Literatur

  1. 157.
    Zur Bedeutung von Transportkosten für die Handelbarkeit von Gütern vgl. DORNBUSCH, R., Open Economy Macroeconomics. New York 1980, S. 94ff.Google Scholar
  2. 158.
    Die wesentlichsten Beiträge stammen von SALTER, W.E.G., Internal and External Balance: The Role of Price and Expenditure Effects. The Economic Record, Bd.35 (1959), S.226ff. SWAN, T.W., Economic Control in a Dependent Economy. The Economic Record, Bd.36 (1960), S.51ff. CORDEN, M.W., The Geometric Representation of Policies to Attain Internal and External Balance. Review of Economic Studies, Bd.28 (1960), S.lff. Vgl. auch DORNBUSCH, R., Real and Monetary Aspects of Exchange Rate Changes. In: ALIBER, R.Z. (Hrsg.), National Monetary Policies and the International Financial System. Chicago 1974. Zu einer Behandlung nichtgehandelter Güter im Rahmen der intertemporalen Leistungsbilanztheorie vgl. RAZIN,A., Capital Movements, Intersectoral Ressource Shifts and the Trade Balance. European Economic Review, Bd.26 (1984), S.135ff., FRENKEL, J.A./RAZIN, A., Fiscal Policies and the World Economy. An Intertemporal Approach. Cambridge, Mass. 1987, S.251ff. und RUBEL, G., Staatsausgabenstrukturänderung, internationale Faktormobilität und Leistungsbilanzsaldo. Institut für Volkswirtschaftslehre und Statistik der Universität Mannheim, Discussion Paper 381/88, Mannheim 1988. Die folgenden Ausführungen aus dem Bereich der monetären Theorie basieren auf BOYER, R.S., Financial Policies in an Open Economy. Economica, Bd.45 (1978), S.39ff. BOYER, R.S., Commodity markets and bond markets in a small fixed—exchange—rate economy. Canadian Journal of Economics, Bd.8 (1975), S.lff.Google Scholar
  3. 159.
    Dieses Preisverhältnis ist nichts anderes als der Kehrwert des realen Wechselkurses (e/Pnt), wenn der Preis des Handelsgutes mit eins normiert wird.Google Scholar
  4. 160.
    Die Tatsache, daß in der Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt das Einkommen nicht als Argument auftaucht, bedarf der Erläuterung. Die gewählte Formulierung erscheint als Vereinfachung der Analyse sinnvoll, da anderenfalls jeweils unterschieden werden müßte, ob eine Erhöhung des Volkseinkommens durch eine Mehrproduktion im Bereich der nichtgehandelten oder der gehandelten Güter zustande kommt, was jeweils den entgegengesetzten Einfluß auf die Nettonachfrage nach gehandelten bzw. nichtgehandelten Gütern hat. Umgekehrt ändert diese Vereinfachung die relevanten Funktionszusammenhänge qualitativ nicht: Eine isolierte Erhöhung von Pnt und die damit verbundene Ausdehnung der NT—Produktion vergrößert für sich genommen das Volkseinkommen; ein einkommensinduzierter Nachfrageanstieg in beiden Gütergruppen — die Aufteilung würde durch die Preisrelation entschieden — würde nichts daran ändern, daß sich per saldo ein Angebotsüberhang im NT—Bereich einstellen wird.Google Scholar
  5. 161.
    Vgl. DORNBUSCH, R., a.a.O., S. 102.Google Scholar
  6. 162.
    Zusätzlich muß angenommen werden, daß der positive Vermögenseffekt, der aus der Höherbewertung des nun positiv angenommenen Auslandsvermögens resultiert, sich weniger stark auf die T—Güternachfrage (und damit auf die Leistungsbilanz) auswirkt als der Umbewertungseffekt, der über die Dienstleistungsbilanz wirkt.Google Scholar
  7. 163.
    Die Tatsache, daß in der Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt das Einkommen nicht als Argument auftaucht, bedarf der Erläuterung. Die gewählte Formulierung erscheint als Vereinfachung der Analyse sinnvoll, da anderenfalls jeweils unterschieden werden müßte, ob eine Erhöhung des Volkseinkommens durch eine Mehrproduktion im Bereich der nichtgehandelten oder der gehandelten Güter zustande kommt, was jeweils den entgegengesetzten Einfluß auf die Nettonachfrage nach gehandelten bzw. nichtgehandelten Gütern hat. Umgekehrt ändert diese Vereinfachung die relevanten Funktionszusammenhänge qualitativ nicht: Eine isolierte Erhöhung von Pnt und die damit verbundene Ausdehnung der NT—Produktion vergrößert für sich genommen das Volkseinkommen; ein einkommensinduzierter Nachfrageanstieg in beiden Gütergruppen — die Aufteilung würde durch die Preisrelation entschieden — würde nichts daran ändern, daß sich per saldo ein Angebotsüberhang im NT—Bereich einstellen wird.Google Scholar
  8. 164.
    Die Lage dieses Gleichgewichtspunktes geht bereits aus den vorgestellten Ausrechnungen hervor, da das Gleichungssystem die Bestimmungsgleichung für das Sozialprodukt enthält und die Einkommensreaktion gewissermaßen “mitbestimmt” wird. Die im Text als “endgültig” bezeichnete Ruhelage verdient diese Bezeichung natürlich nur für die in diesem Abschnitt ausschließlich betrachtete kurze Frist; mittelfristig zwangsläufige Anderungen in den finanziellen Bestandsgrößen berühren auch diese Gleichgewichtslage, was aber hier nicht weiter verfolgt werden soll.Google Scholar
  9. 165.
    Dieser hier nicht weiter definierte Anteil der Handelsgüterproduktion an der gesamten Produktion ist streng zu trennen von dem Gewicht (1–0), den die gehandelten Güter am privaten Verbrauch haben.Google Scholar
  10. 166.
    Da die Systemdeterminante zwar von der geänderten Lohnhypothese ebenfalls betroffen ist, aber in beide Ausdrücke gleichermaßen eingeht, kann sie bei diesen Überlegungen unberücksichtigt bleiben.Google Scholar
  11. 167.
    Diese Aussage wird verständlich, wenn man sich den folgenden Zusammenhang erneut vor Augen führt: Eine gegebene Aufwertung der Inlandswährung und die hieraus resultierende (absolute oder relative) Senkung des Preisniveaus wird zu einer ebensolchen Senkung des Nominallohns führen, die, zusammen mit der primären Wechselkursveränderung, den Produzentenreallohn im T—Güterbereich steigen läßt und im Bereich der nichtgehandelten Güter den Produzentenreallohn reduziert. Unter der Annahme einer “relativ geschlossenen” Volkswirtschaft wird diese Reallohnvariation insgesamt zu einem (absoluten oder relativen) Anstieg des Sozialproduktes führen, was wiederum Zinssteigerungen und erneute, sekundäre Aufwertungen hervorrufen wird. Gleichzeitig wird die Senkung des Produzentenreallohns in der NT—Branche einen Mehranstieg der Produktion nichtgehandelter Güter und aufgrund der sekundär induzierten Zins— und Wechselkursreaktionen ein verstärktes Crowding—Out privater Nachfrage nach diesen Gütern bewirken, so daß dem Anstieg von Pnt entgegengewirkt wird. Ist nun der Importanteil im Preisniveau (1 —)3) groß, so wird eine gegebene, nominale Aufwertung auf dem beschriebenen Weg zu besonders großen Pnt—Senkungen bzw. besonders geringen Pnt—Erhöhungen führen, so daß das Vorliegen der Reallohnstarrheit für sich genommen auf eine reale Abwertung hinwirkt.Google Scholar
  12. 168.
    Vgl. SALTER, W. E. G., a.a.O., S. 227. Die mit dem Verlauf der Transformationskurve ausgedrückten steigenden Grenzkosten sollen hier bei identischen sektoralen Faktoreinsatzverhältnissen und konstanten Niveaugrenzprodukten durch die Annahme sektorspezifisch gebundenen Kapitals erklärt werden; eine Ausdehnung der sektoralen Ausbringung ist nur durch einen Mehreinsatz an Arbeit, allerdings zu sinkenden Grenzerträgen möglich. Da die Beschaffung dieses Produktionsfaktors aber — bei identischen sektoralen Faktorintensitäten — unveränderte Faktorentgelte erfordert, ist die Ausdehnung der Produktion in einem Sektor nur bei einem kompensierenden Anstieg des relativen Preises dieser Gütergruppe möglich. Vgl. JONES, R. W., A three—factor model in theory, trade, and history. In: BHAGWATI, J.N./ JONES, R.W. et al. (Hrsg.), Trade, Balance of Payments, and Growth. Amsterdam 1971, S. 10. Zu einer vergleichbaren Argumentation im Rahmen der monetären Theorie vgl. DORNBUSCH, R., a.a.O., S. 97ff.Google Scholar
  13. 169.
    Die Verlagerung des Indifferenzkurvensystems ergibt sich unmittelbar, wenn man bedenkt, daß auch nach der fiskalischen Maßnahme die Privaten bei einem gegebenen Preisverhältnis eine unveränderte Güterkombination nachfragen, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach gehandelten Gütern aber im Umfang der zusätzlichen Staatsausgaben ansteigt.Google Scholar
  14. Zu einem derartigen Ansatz im Rahmen der reinen Außenwirtschaftstheorie und für die Annahme intersektoraler Kapitalmobilität vgl. BRECHER, R. A., Minimum Wage Rates and the Pure Theory of International Trade. Quarterly Journal of Economics, Bd. 88 (1974), S. 98ff. Vgl. hier auch den Überblick über die einschlägige Literatur. Ähnliche Annahmen wie in diesem Abschnitt trifft HELPMAN, E., Nontraded Goods and Macroeconomic Policy under a Fixed Exchange Rate. Quarterly Journal of Economics, Bd. 91 (1977), S. 469ff.Google Scholar
  15. 171.
    Vgl. dazu S. 154f. dieser Arbeit.Google Scholar
  16. 172.
    Vgl. JONES, R. W./ CORDEN, W. M., Devaluation, non—flexible prices, and the trade balance for a small country. The Canadian Journal of Economics, Bd.9 (1976), S. 150ff sowie JONES, R. W., a.a.O., S. 4ff.Google Scholar
  17. 173.
    Man mag zunächst einwenden, daß auch der Kapitalkoeffizient bei veränderten Faktorpreisrelationen nicht konstant ist, sondern sich kompensierend verändern wird. So wird bei steigendem Realkapitalzins der Kapitalkoeffizient abnehmen, d.h. die Durchschnittsproduktivität des sektoralen Kapitalstocks zunehmen. Es läßt sich aber leicht zeigen, daß bei Vorliegen einer Produktionsfunktion vom COBB—DOUGLAS—Typ die Variation der sektoralen Kapitalintensität das Grenzprodukt des Kapitals (also den Realkapitalzins) in relativ dem gleichen Maß wie die Durchschnittsproduktivität (und damit den Kapitalkoeffizienten) verändert, so daß das Produkt kiri konstant bleibt; kiri entspricht der partiellen Produktionselastizität Ki/Qi•(8Qi/6Ki), die bekanntermaßen bei CD—Produktionsfunktionen konstant ist. Die Variation der sektoralen Kapitalintensität vermag also von dieser Seite aus nichts an der Gewinnsituation in der betreffenden Branche zu ändern.Google Scholar
  18. 174.
    Vgl. die Argumentation in CAVES, W.M./JONES, R. W., World Trade and Payments. An Introduction. Boston 1973, S. 158f.Google Scholar
  19. 175.
    Zu einem derartigen Ansatz im Rahmen der reinen Außenwirtschaftstheorie und für die Annahme intersektoraler Kapitalmobilität vgl. BRECHER, R. A., Minimum Wage Rates and the Pure Theory of International Trade. Quarterly Journal of Economics, Bd. 88 (1974), S. 98ff. Vgl. hier auch den Überblick über die einschlägige Literatur. Ähnliche Annahmen wie in diesem Abschnitt trifft HELPMAN, E., Nontraded Goods and Macroeconomic Policy under a Fixed Exchange Rate. Quarterly Journal of Economics, Bd. 91 (1977), S. 469ff.Google Scholar
  20. 176.
    Dieser Anstieg des Preisniveaus wird sich ergeben, wenn der Anteil der nichtgehandelten Güter an den Ausgaben der Privaten den der gehandelten Güter übersteigt.Google Scholar
  21. 177.
    D.h., aufgrund der Verschiebung der Faktorpreisrelationen ist in beiden Branchen der gewünschte Arbeitskoeffizient größer als der tatsächliche.Google Scholar
  22. 178.
    Dies impliziert, daß die Nachfrage beider Güter Einkommenselastizitäten von eins aufweist oder, was dasselbe bedeutet, daß das Indifferenzkurvensystem linear homogen in bezug auf das Einkommen ist.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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  • Klaus Doch

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