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Beziehungen zwischen Äußerungen

  • Sonja Bredehöft
Chapter
Part of the DUV: Sprachwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

In diesem Kapitel sollen Ansätze diskutiert werden, die sich mit den Beziehungen zwischen Äußerungen bzw. zwischen Texten befassen. Es geht ja in der Analyse der Rückkoppelungsgespräche darum, sowohl die Beziehung zwischen dem herrschenden Diskurs über Arbeitslosigkeit und den konkreten Äußerungen der Untersuchten, als auch das Verhältnis, das die Befragten zu ihren eigenen früher gemachten Äußerungen zeigen, auf den Begriff zu bringen, um feststellen zu können, in welcher Weise eine diskursive Veränderung durch die Reflexion und die Auseinandersetzung mit den Äußerungen eingetreten ist. Zunächst soll die in den Literaturwissenschaften geführte Diskussion um die Dialogizität von literarischen Texten behandelt werden. Sodann wird der Untersuchungsgegenstand mit der Forschungsrichtung Intertextualität auf nichtliterarische Gegenstände ausgeweitet. Schließlich soll mit der Entfaltung des Diskursbegriffs auch die mündliche Rede als Gegenstand erfaßt werden können. Dabei wird die Frage aufgeworfen, wieweit die Anwendung der literaturwissenschaftlichen Begrifflichkeit auf Diskurse möglich ist.

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Literatur

  1. 150.
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    Vgl. Rolf Kloepfer: Grundlagen des d „dialogischen Prinzipsd “ in der Literatur, in: Renate Lachmann (Hg.): Dialogizität, München 1982, S. 88; Fritz Nies: Frage und Antwort als dialogische Struktur im Verhältnis von Autor und Werk, in: Ebd., S. 189.Google Scholar
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    Rolf Kloepfer: Grundlagen des d „dialogischen Prinzipsd “ in der Literatur, in: Renate Lachmann (Hg.): Dialogizität, München 1982, S. 88.Google Scholar
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    Vgl. Franz Januschek: Sprache als Objekt. d „Sprechhandlungend “ in Werbung, Kunst und Linguistik, Kronberg 1976, der allerdings Literatur und Werbung nicht unter derselben Untersuchungsperspektive betrachtet wie sprachliche Handlungen; Sonja BredehÖFr: Diskursive Verfahren der Aneignung von Arbeitslosigkeit, unveröff. Examensarbeit, Oldenburg 1987, die sich mit der Metamorphose sprachlicher Handlungen zu Objekten als Ergebnis sprachwissenschaftlicher Betrachtungsweise befaßt.Google Scholar
  7. 156.
    Als Beispiel sei hier genannt: Theodor Verweyen/Gunther WrIting: Parodie, Palinodie, Kontradiktio, Kontrafaktur, in: Renate Lachmann (Hg.): Dialogizität, München 1982, S. 202–236, die verschiedene literarische Bearbeitungen des Rheinwein-Liedes von Mathias Claudius in Beziehung setzen zu den jeweils herrschenden politischen Verhältnissen, dies aber nicht durchgängig für alle von ihnen behandelten Bearbeitungen tun.Google Scholar
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    Für die germanistische Sprachwissenschaft: Manfred Geier: Die Schrift und die Tradition. Studien zur Intertextualität, München 1985; in der Anglistik: Ulrich Broich/Manfred Pfister (Hg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen 1985.Google Scholar
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    Sehr aufschlußreich über die vielfältigen Möglichkeiten von Markierungen: Ulrich Broich: Formen der Markierung von Intertextualität, in: Ulrich Broich/Manfred Pfister: Intertextualität. Formen. Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen 1985, S. 31–47.Google Scholar
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    Vgl. hierzu die Studie von Geier zum Cento-Stil Johann Georg Hamanns, der sich mit dem Christentum und der Aufklärung auseinandersetzt und dessen kryptische Zitate so ziemlich auf alles verweisen, was dem philosophierenden Autor bekannt gewesen sein mag, in: Manfred Geier: Die Schrift und die Tradition. Studien zur Intertextualität, München 1985, S. 56–89.Google Scholar
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    Auch Rundfunk und Fernsehen arbeiten überwiegend auf der Basis von Texten.Google Scholar
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    Vgl. Manfred Geier: Die Schrift und die Tradition. Studien zur Intertextualität, München 1985, S. 45 die tabellarische Gegenüberstellung vom Text eines Psychiatrie-Patienten und dem seines Arztes.Google Scholar
  17. 167.
    Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem Diskurs stellt eine Form der Teilnahme an ihm dar. Diskursanalyse ist mehr als nur eine Diskursbeschreibung, sie umfaßt Position-beziehen ebenso wie auf die Praxis gerichtete Zielsetzung, woraus sich die Wahl des Aktionsforschungsansatzes erklärt.Google Scholar
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    Utz Maas: Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand. Sprache im Nationalsozialismus, Opladen 1984.Google Scholar
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    Über allen Gipfeln ist Ruh. Über allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch. Die Vögel schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch.Google Scholar
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    Wolfram Wttss: Anspielungen. Zur Manifestation von Kreativität und Routine in der Sprachverwendung, Tübingen 1989, S. 48.Google Scholar
  25. 175.
    Daß diese Bestimmung unzureichend ist, sieht man auch daran, daß Wnss auch Phraseologismen und sonstige syntaktisch einigermaßen stabile Anspielungen als Anspielung bezeichnet, obwohl sie als Vergleich gebraucht werden: d „13a) Es stellt sich die Frage, ob die Briten, Ironie der Geschichte, nicht einen Premierminister an die Spitze des Landes gesetzt haben, der davon träumt, so etwas wie eine Jungfrau von Orleans des grünen Europa zu sein. (aus einem Faz-Artikel über einen britischen Ministerpräsidenten 1979)Google Scholar
  26. 176.
    Die Jungfrau von Orleans (Stück von Schiller)d „ (Ebd., S. 50).Google Scholar
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    Franz Januschek: Arbeit an Sprache. Konzept für die Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986, S. 145.Google Scholar
  28. 178.
    So scheint mir etwa der Gebrauch der Partikel d „wohld “ für den Oldenburger Raum sehr spezifisch zu sein. In einer Äußerung wie d „Das glaub’ ich wohld “ übernimmt die Partikel eher eine bekräftigende Funktion, während sie etwa in Hamburg vermutlich eher als Einschränkung verstanden wird. Der Gebrauch des d „Moind “ zu jeder Tageszeit dürfte für Nicht-Oldenburger, die dieses d „Moind “ als d „Guten Morgend “ verstehen, verwunderlich, wenn nicht gar vollkommen irritierend sein.Google Scholar
  29. 179.
    Auch die Intonation sollte hier in ihrer vereindeutigenden Funktion nicht überschätzt werden: Gerade wenn man eine neue Klasse übernimmt, ist man oftmals gezwungen, Schülern zu demonstrieren, wie ernst eine solche Formulierung zu nehmen ist. Das bedeutet, daß eine solche Äußerung zu einer der angegebenen Lesweisen letztlich durch eine von Schülern provozierte (auch außersprachliche) Konsequenz konstituiert und somit erst vereindeutigt wird.Google Scholar
  30. 180.
    Utz Maas: Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand. Sprache im Nationalsozialismus, Opladen 1984.Google Scholar
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    Zum Aspekt der vortextuellen Vielstimmigkeit: Valentin N. Volosinov: Marxismus und Sprachphilosophie. Grundlegende Probleme der soziologischen Methode in der Sprachwissenschaft, Frankfurt/Main 1975 (russ. 1929 ).Google Scholar
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    Stern Nr. 27/1990, S. 163: Immerrot im Bunkertempel.Google Scholar
  33. 183.
    Man kann die Analyse natürlich noch weiter treiben, indem man auch das ungewöhnliche Kompositum d „Bunkertempeld “ untersucht: Die Verständlichkeit des Ausdrucks wird innerhalb des Gesamttextes dadurch sichergestellt, daß der Autor zuvor schrieb, die Steinbruchhöhle als Ort der Aufführung wirke je nach Beleuchtung mal als Luftschutzbunker, mal als Pharaonentempel. Die Anspielung auf kapitalistische (d „Tempeld “ als Inszenierung der Warenwelt) und faschistisch-militärische Praxis (Luftschutzbunker) in einer Wortzusammenstellung kann durchaus so verstanden werden, als gäbe es zwischen beiden einen Zusammenhang, etwa in dem Sinne, daß, wer vom Faschismus spricht, vom Kapitalismus nicht schweigen dürfe. Aber das gehört sicher schon zu den partikularen Lesweisen, die weniger Allgemeinheit für sich beanspruchen dürfen.Google Scholar
  34. 184.
    Utz Maas: Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand. Sprache im Nationalsozialismus, Opladen 1984, S. 11; Hervorhebung im Original.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Sonja Bredehöft

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