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Verfahren der Gesprächsanalyse

  • Sonja Bredehöft
Chapter
Part of the DUV: Sprachwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wird die analytische Reichweite einer Reihe von erprobten Verfahren der Gesprächsanalyse für diese diskursanalytische Untersuchung ausgelotet. Diese Verfahren betrachten jeweils nur Einzelaspekte und haben zum Teil erkenntnistheoretische Implikationen, die hier nicht geteilt werden. Ein besonderes Problem wird die gleichzeitige Erfassung von Mustern, Normen und Strukturen und deren Handhabung, ihre Befolgung bzw. ihre Veränderung sein.

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Literatur

  1. 93.
    Die Auseinandersetzung mit der Konversationsanalyse wurde bereits an anderer Stelle geleistet; vgl. Sonja BREDEx6Fr: Diskursive Verfahren zur Aneignung von Arbeitslosigkeit, unveröff. Examensarbeit, Oldenburg 1987.Google Scholar
  2. 94.
    Jürgen STREECK: Konversationsanalyse. Ein Reparaturversuch, in: Zeitschrift für Sprachwissenschaft 2 (1983), S. 72–104. - Dabei soll nicht unterschlagen werden, daß es in der Konversationsanalyse durchaus - in STREECKS Terminologie - “weichere” Richtungen gibt, die sich mit der Bedeutung, die durch die Gesprächsorganisation von den Beteiligten hergestellt wird, befassen.Google Scholar
  3. 95.
    Bertolt BRECHT: Turandot oder der Kongreß der Weißwäscher. Gesammelte Werke Bd. 5, Stücke 5, Frankfurt/Main 1973, S. 2211: DER LEHRER Si Fu, nenne uns die Hauptfragen der Philosophie. Si Fu Sind die Dinge außer uns, für sich, auch ohne uns, oder sind die Dinge in uns, für uns, nicht ohne uns. DER LEHRER Welche Meinung ist die richtige? Si Fu Es ist keine Entscheidung gefallen. DER LEHRER Zu welcher Meinung neigte zuletzt die Mehrheit unserer Philosophen? SI Fu Die Dinge sind außer uns, für sich, auch ohne uns. DER LEHRER Warum blieb die Frage ungelöst? Si Fu Der Kongreß, der die Entscheidung bringen sollte, fand wie seit zweihundert Jahren im Kloster Mi Sang statt, welches am Ufer des Gelben Flusses liegt. Die Frage hieß: Ist der Gelbe Fluß wirklich, oder existiert er nur in den Köpfen? Während des Kongresses aber gab es eine Schneeschmelze im Gebirg und der Gelbe Fluß stieg über seine Ufer und schwemmte das Kloster Mi Sang mit allen Kongreßteilnehmern hinweg. So ist der Beweis, daß die Dinge außer uns, für sich, auch ohne uns sind, nicht erbracht worden.Google Scholar
  4. 96.
    Vgl. hierzu: Siegfried LAMNEK: Qualitative Sozialforschung. Bd. 1: MethodologieGoogle Scholar
  5. 97.
    München/Weinheim 1988, S. 76f. m Selbst ein bewußter Verstoß gegen Normen stellt eine Anerkennung der Norm als Norm dar, wenn auch ihre Gültigkeit für den Moment des Verstoßens außer Kraft gesetzt wird. Ich kann nicht gegen eine Nicht-Norm verstoßen.Google Scholar
  6. 98.
    Dieter WUNDERLICH: Studien zur Sprechakttheorie, Frankfurt/Main 1976, S. 295f.Google Scholar
  7. 99.
    Ebd., S. 297.Google Scholar
  8. 100.
    Vgl. Klaus GLOY: Unbehagen an der Linguistik, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 1984, H. 29, S. 97–117, hier S. 105.Google Scholar
  9. 101.
    Dafür spricht nicht nur die Rekonstruktion von konstitutiven Regeln aus konstruierten idealtypischen oder Einzelbeispielen, denen die Sprechenden angeblich folgen, sondern ebenfalls die von WUNDERLICH formulierte Zielsetzung der Vergleiche und der Suche nach generellen Prinzipien der Diskursorganisierung; Dieter WUNDERLICH: Studien zur Sprechakttheorie, Frankfurt/Main 1976, S. 299.Google Scholar
  10. 102.
    Dieter WUNDERLICH: Studien zur Sprechakttheorie, Frankfurt/Main, S. 300.Google Scholar
  11. 103.
    Ebd., S. 313.Google Scholar
  12. 104.
    Ebd., S. 324.Google Scholar
  13. 105.
    Ebd., S. 318.Google Scholar
  14. 106.
    Ebd., S. 351.Google Scholar
  15. 107.
    Ebd., S. 353.Google Scholar
  16. 108.
    Ebd., S. 363.Google Scholar
  17. 109.
    Ebd., S. 364.Google Scholar
  18. 110.
    Ulrich OEVERMANN/Tilman ALLERT/Elisabeth KONAU/Jürgen KRAMHECK: Die Methodologie einer “objektiven Hermeneutik” und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 352–433.Google Scholar
  19. 111.
    Ebd., S. 367.Google Scholar
  20. 112.
    Ebd., S. 360f.Google Scholar
  21. 113.
    Ebd., S. 381; Hervorhebungen im Original.Google Scholar
  22. 114.
    Ebd., S. 383.Google Scholar
  23. 115.
    Vgl. hierzu: Thomas HEINZE: Qualitative Sozialforschung. Erfahrungen, Probleme, Perspektiven, Opladen 1987, S. 80–96 und: Siegfried LAMNEK: Qualitative Sozialforschung. Bd. 1: Methodologie, München/Weinheim 1988, S. 35–38.Google Scholar
  24. 116.
    Ulrich OEVERMANN/Tilmann ALLERT/Elisabeth KONAU/Jürgen KRAMBECK: Die Methodologie einer “objektiven Hermeneutik” und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 386.Google Scholar
  25. 117.
    Ebd., S. 393.Google Scholar
  26. 118.
    Ebd., S. 398.Google Scholar
  27. 119.
    H. G. SoEFFNER: Überlegungen zur sozialwissenschaftlichen Hermeneutik am Beispiel der Interpretation eines Textausschnittes aus einem “freien” Interview, in: Th. HEINZE/H. W. KLUSEMANN/H. G. SOEFFNER (Hg.): Interpretation einer Bildungsgeschichte. Überlegungen zur sozialwissenschaftlichen Hermeneutik, Bensheim 1980, S. 75, zit. nach Thomas HEINZE: Qualitative Sozialforschung. Erfahrungen, Probleme, Perspektiven, Opladen 1987, S. 60.Google Scholar
  28. 122.
    Dennoch muß die Befürchtung, Wissenschaft dominiere bzw. bevormunde ihre untersuchte Lebenspraxis, ernstgenommen werden, auch wenn der Grund hierfür nicht in der wissenschaftlichen Tätigkeit des Untersuchens selbst liegt. Der Grund scheint mir eher darin zu liegen, daß man zu Forschungszwecken den Untersuchten etwas abnimmt, etwas für sich selbst Nützliches und Interessantes daraus macht, es ihnen aber nicht zurückgibt.Google Scholar
  29. 123.
    Ulrich OEVERMANN/Tilmann ALLERT/Elisabeth KONAU/Jürgen KRAMBECK: Die Methodologie einer “objektiven Hermeneutik” und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 380.Google Scholar
  30. 124.
    Konrad EHLICH/Jochen REHBEIN: Sprachliche Handlungsmuster, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 243–274.Google Scholar
  31. 125.
    Ebd., S. 244.Google Scholar
  32. 126.
    Ebd., S. 247.Google Scholar
  33. 127.
    Ebd., S. 250; Hervorhebungen im Original.Google Scholar
  34. 128.
    Ebd., S. 251.Google Scholar
  35. 129.
    Ebd., S. 264. 10 Ebd., S. 268.Google Scholar
  36. 131.
    Der postulierte Bezug auf den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang fehlt zudem völlig.Google Scholar
  37. 132.
    Angelika REDDER: Kommunikation in der Schule. Zum Forschungsstand seit Mitte der siebziger Jahre, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 1983, H. 24, S. 118–144.Google Scholar
  38. 133.
    Wolfgang BOEITCHER/Albert BREMERICH-VoS: Pädagogische Beratung. Zur Unterrichtsnachbesprechung in der 2. Phase der Lehrerausbildung, in: Werner KALLMEYER (Hg.): Kommunikationstypologie. Handlungsmuster, Textsorten, Situationstypen, Düsseldorf 1986, S. 245–279.Google Scholar
  39. 134.
    Unerklärlich ist daher, daß VoGT für eine Konnotationsanalyse subkultureller Schreibweise den Musterbegriff EHLICH/REHBEINS zugrundelegt für die Textsorte Leserbrief. Noch unerklärlicher ist seine Begründung dafür, daß er den Begriff des “Handlungsmusters” dem der “Textsorte” vorzieht: Mit ihm sollen - im Gegensatz zur Textsorte - auch die Potentiale der Veränderung erfaßt werden können. Wie das deduktiv gehen soll, ist mir weder logisch noch in der Arbeit von VOGT deutlich geworden. (Rüdiger VOGT: Gegenkulturelle Schreibweisen über Sexualität. Untersuchungen zum Zusammenhang von Textstrukturen und sozialer Praxis in Leserbriefen, Diss. Oldenburg 1988, bes. S. 20–26.)Google Scholar
  40. 15.
    Konrad EHLICH/Jochen REHBEIN: Sprachliche Handlungsmuster, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 245.Google Scholar
  41. 136.
    Vgl. hierzu Utz MAAs: Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand. Sprache im Nationalsozialismus, Opladen 1984, S. 229f: “die Formen der sprachlichen Artikulation sind sozial, der individuellen Praxis vorgängig, sie sind gelernt. Dadurch folgt die Sprachpraxis nicht nur den Beschränkungen des Gedächtnisses und anderen anthropologischen Randbedingungen, sondern sie stellt insbesondere eine Homologie zwischen den gelebten Situationen her: Gleich artikulierte Situationen können als die gleichen angeeignet werden, das Leben fällt nicht in ein Kaleidoskop von verschiedenartigen Erfahrungen auseinander, sondern es gibt Verbindungslinien, die von einer Erfahrung zur nächsten führen - und diejenigen, die ihre wechselseitigen Situationen gleich artikulieren, können sich als ‘verwandt’, als dem gleichen Lager zugehörig erfahren.… Die Herstellung von Homologien (Familienähnlichkeiten) in den vielfältigen Erfahrungen sichert dem Individuum seine lebensgeschichtliche Identität - auch wenn es u. U. nur eine geliehene ist.” (Hervorhebungen im Original)Google Scholar
  42. 137.
    Selbstverständlich gibt es das auch, nämlich in Form von Ritualen und institutionellen Verfahren, die als solche bekannt sind, insbesondere gilt dies für Normen.Google Scholar
  43. 138.
    Das gilt nicht nur für Bedeutungskonstitution, sondern auch für sogenannte “harte” grammatische Regeln. Vgl. z. B. den “regelwidrigen” Gebrauch von weil und obwohl als koordinierende Konjunktionen, der mittlerweile auch in den Fernsehnachrichten vorkommt. Hierzu: Peter EISENBERG: Grundriß der deutschen Grammatik, Stuttgart 1986, S. 310ff.Google Scholar
  44. 139.
    BRECHTS Abwandlung des Spruches “Der Mensch denkt, Gott lenkt” aus Mutter Courage.Google Scholar
  45. 140.
    Vgl. Wolfgang BoETrcHER/Albert BREMERICH-VOS: Pädagogische Beratung in der 2. Phase der Lehrerausbildung, in: Werner KALLMEYER (Hg.): Kommunikationstypologie. Handlungsmuster, Textsorten, Situationstypen, Düsseldorf 1986, S. 245–279.Google Scholar
  46. 141.
    Sonja BREDEHOFT/Markus SINGMANN: Analyse zur Studentensprache des 19. Jahrhunderts, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 1989, H. 41, S. 97–124.Google Scholar
  47. 142.
    Utz Maas: Konnotation, in: Franz JANUSCHEK (Hg.): Politische Sprachwissenschaft, Opladen 1985, S. 71–96.Google Scholar
  48. 143.
    Franz JANUSCHEK: Arbeit an Sprache. Konzept für die Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986.Google Scholar
  49. 144.
    Vgl. hierzu Jacqueline AUTHIER: “In Gänsefüßchen reden” oder Nähe und Distanz des Subjekts zu seinem Diskurs, in: Argument. Sonderband 98 (1983): Das Subjekt des Diskurses, S. 59–75.Google Scholar
  50. 145.
    Näher zu den verschiedenen Dimensionen von Anspielungen siehe bei Franz JANUSCHEK: Arbeit an Sprache. Konzept für die Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986, S. 170ff.Google Scholar
  51. 146.
    Dieses Verfahren zur Bestimmung des Bedeutungsgehalts von Abtönungspartikeln findet sich übrigens auch in: Harald WEYDT: Abtönungspartikel. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen, Bad Homburg/Berlin/Zürich 1969, S. 24.Google Scholar
  52. 147.
    Dieses Verfahren findet sich in einer knapperen Form in Franz JANUSCHEK: Arbeit an Sprache. Konzept für die Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986, S. 16ff.Google Scholar
  53. 148.
    Ulrich OEVERMANN/Tilmann ALLERT/Elisabeth KONAU/Jürgen KRAMBECK: Die Methodologie einer “objektiven Hermeneutik” und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften, in: Hans-Georg SOEFFNER (Hg.): Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 393. - OEVERMANN rechnet für eine Aktionsdauer von 2–4 Minuten mit einer Analysezeit von 10–15 Stunden für eine Gruppe von 3–7 Mitgliedern. Wir gehen nach unseren bisherigen Interpretationserfahrungen von einem Verhältnis 1:220 aus, das heißt 220 Stunden Analysezeit für 1 Stunde Interaktion. Das ergibt umgerechnet für 1 Minute Gespräch eine Analysedauer von etwa 3 1/2 Stunden.Google Scholar
  54. 149.
    Vgl. dagegen die Analyse aus der konversationsanalytischen Richtung von Hans-Ulrich BIELEFELD: Erzählung und Identitätsdarstellung, in: Gerda TSCHANDER/Edda WEIGAND: Perspektive Textextern. Bd. 2. Akten des 14. Linguistischen Kolloquiums, Bochum 1979, S. 3–13. - Bei BIELEFELD steht der Erzähler im Interview, ein Arbeitsloser, schon vor der Analyse als diskreditiert fest, und er rekonstruiert nur noch die Prozeduren, mittels derer der Erzähler seine Identitätsansprüche geltend macht, um zur Darstellung eines “sozialgerechten Selbst” zu gelangen.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Sonja Bredehöft

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