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Einleitung

  • Sonja Bredehöft
Chapter
Part of the DUV: Sprachwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

„Das kommt vom Ansehen, das der Arbeitslose hat. Es hängt mit seinem Selbstbewußtsein zusammen. Wer kämpfen kann, kämpft sowieso. Wers nicht kann, greift lieber zur Flasche, als daß er was tun wird. Diese Leute haben nicht die Möglichkeit, sich genügend zu verbalisieren; die lesen grade mal die BILD-Zeitung“

antwortete mir eine arbeitslose Interview-Partnerin auf die Frage, wieso sich aus den Reihen der immerhin zahlreichen Arbeitslosen so wenig Widerstand gegen ihre Situation regt.

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Literatur

  1. 1.
    Der Aneignungsbegriff bezeichnet in Abgrenzung zum Begriff der Anpassung die Tätigkeit der geistigen Auseinandersetzung eines Subjekts mit der es umgebenden sozialen Welt. Vgl. Alexej N. LEONTJEV: Tätigkeit, Bewußtsein, Persönlichkeit, Berlin 1979.Google Scholar
  2. 2.
    In Anlehnung an das Projekt Die Aneignung von Arbeitslosigkeit unter den Bedingungen des wissenschaftlichen Diskurses wird die dort vorgenommene Differenzierung zwischen dem “wissenschaftlichen” und dem “akademischen” Diskurs beibehalten: Unter dem “wissenschaftlichen Diskurs” hat man sich überwiegend die von der Institution Wissenschaft anerkannten Themen vorzustellen, unter dem “akademischen Diskurs” wird - unabhängig von Inhalten - die Art und Weise der an der Universität geltenden und habitualisierten Sprachpraxis verstanden, die allerdings auch außerhalb der Universität anzutreffen ist. Diese analytische Unterscheidung ist in der Praxis nicht ganz überschneidungsfrei: So mag ein Thema wie Arbeitslosigkeit sowohl als innerhalb wie außerhalb des wissenschaftlichen Diskurses stehend betrachtet werden, die Art und Weise seiner Behandlung (z. B. schlüssig oder subjektfern) dürfte in diesem Fall ausschlaggebend sein.Google Scholar
  3. 3.
    An dieser Aussage ändern prinzipiell weder konjunkturelle Schwankungen etwas noch solche gravierenden Ereignisse wie die Vereinigung der Bundesrepublik mit den fünf neuen Ländern. Sie haben allenfalls Einfluß auf die Höhe der Arbeitslosenzahlen (letzte Angaben der Bundesanstalt für Arbeit für den Monat Juli 1992: ca. 3 Millionen, mit steigender Tendenz). Vgl. DER SPIEGEL Nr. 33/1992, S. 19: Die Wirtschaft stagniert.Google Scholar
  4. 5.
    Vgl. hierzu: Randolph VOLLMER: Die Entmythologisierung der Berufsarbeit, Opladen 1986.Google Scholar
  5. 6.
    Auch wenn gegenwärtige Prognosen davon ausgehen, daß der Bedarf an Akademikern in Zukunft das Angebot übersteigen wird, auch wenn jetzt schon die Arbeitslosenquote unter Akademikern zu sinken beginnt (4,1% gegenüber dem Durchschnitt von 6,3%), so studieren dennoch Absolventen bestimmter Fachbereiche wie Geisteswissenschaftler, Mediziner usw. zunächst direkt in die Arbeitslosigkeit hinein. Vgl. DER SPIEGEL Nr. 23/1992: In der Masse erstickt, S. 58.Google Scholar
  6. 8.
    Befragungen von Studienanfängern des Fachs Germanistik und eines Abiturjahrgangs im Rahmen des Projekts Die Aneignung von Arbeitslosigkeit haben die Tendenz gezeigt, daß Studienmotivation nicht in erster Linie von Berufswünschen geleitet ist, sondern vom Wunsch, die eigenen Kompetenzen zu entwickeln und irgend wann einmal etwas Nützliches mit den erworbenen Kenntnissen zu tun. Auch Hans-Joachim WENZEL macht in seiner Untersuchung über regionales Studierverhalten darauf aufmerksam, daß Entscheidungen über Studium, Universität, Studienort und Beruf in steigendem Maße soziale, emotionale und umweltbezogene Gesichtspunkte einschließen. Es werden von Studierenden nicht nur Anforderungen von Pflichtveranstaltungen und Wissenschaft gesehen, vielmehr spielen soziale Zusammenhänge und Interessenlagen eine immer größere Rolle (Hans-Joachim WENZEL: Verbleib von Abiturienten, Studienanfängern und Hochschulabsolventen im Ausbildungs-und Beschäftigungssystem - und das Beispiel des westlichen und nordwestlichen Niedersachsens. Oldenburg 1988, S. 130.Google Scholar
  7. 9.
    Vgl. hierzu H.-G. OTTERSBACH: Geburtswehen einer neuen Profession? Entwicklungen auf dem Psychotherapiemarkt, in: Margret BULOW (Hg.): Akademikertätigkeit im Wandel. Auf dem Weg zum akademischen Facharbeiter, Frankfurt/Main/New York 1984, S. 126–163. OTTERSBACH berichtet u. a. von einem Psychologen, der halbtags als Schulpsychologe arbeitet, um in der übrigen Zeit Therapieangebote machen zu können.Google Scholar
  8. 10.
    Traditionelle Form des Verteilungskampfes und Sicherns eigener Zugangsmöglichkeiten und Selbstrekrutierung ist die Professionalisierung. Andere gegenwärtig zu beobachtende Möglichkeiten sind etwa die Eingliederung akademischer Intelligenz in die ‘freie Wirtschaft’ in Form des akademischen Facharbeiters vor allem bei Absolventen der Betriebswirtschaften oder der Informatik, also der Verzicht auf traditionell akademi-Google Scholar
  9. 11.
    Vgl. Rainer BOLLING: Lehrerarbeitslosigkeit in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, in: Archiv für Sozialgeschichte 27 (1987), S. 229–258; DERS.: Lehrerarbeitslosigkeit in historischer Perspektive, in: Recht der Jugend und des Bildungswesens 34 (1986), S. 198–212; Hartmut TITTE: Die zyklische Überproduktion von Akademikern im 19. und 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 10 (1984), S. 92–121; DERS.: Überfüllungskrisen in akademischen Karrieren. Eine Zyklustheorie, in: Zeitschrift für Pädagogik 27 (1981), S. 187–224.Google Scholar
  10. 12.
    Eckehard SEEBER: Jahresbericht der Volkshochschule Oldenburg 1991, Oldenburg 1992, S. 2f.Google Scholar
  11. 13.
    Hierzu ein Überblick bei Reinhard FIEHLER/Wolfgang SUCHAROWSK J (Hg.): Kommunikationsberatung und Kommunikationstraining. Anwendungsfelder der Diskursforschung, Opladen 1992.Google Scholar
  12. 14.
    Karl MARx/Friedrich ENGELS: Die deutsche Ideologie, Berlin 1969 (Karl MARx/Friedrich ENGELS: Werke. Bd. 3, S. 30).Google Scholar
  13. 15.
    Dabei soll keineswegs unterschlagen werden, daß dies immer wieder versucht wird: Durch Machtmißbrauch, Zensur, Indoktrination usw. Es gelingt jedoch nicht restlos, da sich gerade unter solchen Bedingungen auch Dissens - wie versteckt oder subtil auch immer - artikuliert.Google Scholar
  14. 16.
    Franz JANUSCHEK: Zum Selbstverständnis politischer Sprachwissenschaft, in: DERS. (Hg.): Politische Sprachwissenschaft. Zur Analyse von Sprache als kultureller Praxis, Opladen 1985, S. 1–20.Google Scholar
  15. 17.
    Vgl. Franz JANUSCHEK: Arbeit an sprachlichen Handlungsmustern, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 1980, H. 16, S. 163–191, ebenso das Re-Definitionskonzept von Klaus J. MATTHEIER: Allgemeine Aspekte einer Theorie des Sprachwandels, in: BESCH/REICHMANN/SONDEREGGER (Hg.): Sprachgeschichte. Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Bd. 1. Berlin/New York 1984/1985, S. 720–730. - Natürlich sollen damit Phänomene wie Sprachplanung und Sprachpolitik nicht geleugnet werden.Google Scholar
  16. 18.
    Franz JANUSCHEK: Arbeit an Sprache. Konzept für die Empirie einer politischen Sprachwissenschaft, Opladen 1986.Google Scholar
  17. 19.
    Der theoretische Beitrag: Utz MAAS: Konnotation, in: Franz JANUSCHEK (Hg.): Politische Sprachwissenschaft, Opladen 1985, S. 71–96. Eine praktische Durchführung der Konnotationsanalyse: Utz MAAS: Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand. Sprache im Nationalsozialismus. Versuch einer historischen Argumentationsanalyse, Opladen 1984.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Sonja Bredehöft

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