Advertisement

Die institutionelle Dimension des Wohlfahrtsstaates

  • Elmar Rieger

Zusammenfassung

Unter dem Eindruck der politischen Erfolge und der raschen Ausdehnung der modernen wohlfahrtsstaatlichen Institutionen standen lange Zeit die Gemeinsamkeiten ihrer Struktur und Entwicklung im Mittelpunkt der sozialwissenschaftlichen Forschung. Die quantitativen Indikatoren der Nachkriegsentwicklung der westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten zeigen das Bild einer beeindruckenden Entfaltung. Die Ausdehnung der sozialen Sicherungs- und Dienstleistungseinrichtungen wurde in einem bis dahin unbekannten Tempo vorangetrieben. Die Bildungssysteme wurden geöffnet und der Staat entwickelte sich zum größten Arbeitgeber. Neue Bevölkerungsgruppen wurden erstmals von den sozialen Sicherungseinrichtungen erfaßt und stärker in den Staat integriert. Der Aufgabenkatalog des Wohlfahrtsstaates wurde erweitert. Die Mittelklassen wurden neben den unteren Schichten der abhängig Beschäftigten zu seinen wichtigsten Klienten.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Vgl. zum Beispiel Theda Skocpol, What is Happening to Western Welfare States? (Review Essay), in: Contemporary Sociology 14 (1984), S. 307–308.Google Scholar
  2. 2.
    Eine kurze Zusammenfassung des Vortrages von Reinhard Kosellek findet sich in: H.Bollinger und M.G. Rerrich, Im Westen nichts Neues. Eindrücke vom 22. Deutschen Soziologentag in Dortmund, 7.-12. Oktober 1984, in: Soziale Welt 36 (1984), S. 128–137, besonders S. 132.Google Scholar
  3. 3.
    Einen Überblick über die Möglichkeiten einer historisch orientierten Soziologie gibt Heinrich Best, Historische Sozialforschung als Erweiterung der Soziologie. Die Konvergenz sozialwissenschaftlicher und historischer Erkenntniskonzepte, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 40 (1988), S. 1–14.Google Scholar
  4. 4.
    Als Beispiel richtungsweisend: Birgitta Nedelmann, Handlungsraum politischer Organisationen. Entwurf eines theoretischen Bezugsrahmens zur Analyse von Parteientstehung, in: Sozialwissenschaftliches Jahrbuch für Politik 4 (1975), S. 9–118, besonders S. 13f.Google Scholar
  5. 5.
    Die methodische Vorgehensweise ist stark an Max Weber orientiert; vgl. dazu etwa: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen: Mohr, 1980, S. 122ff. (Typen der Herrschaft) und S. 541 ff. (Soziologie der Herrschaft).Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. dazu Mary Douglas, How Institutions Think, Syracuse, New York: Syracuse University Press, 1986, besonders S. 111 ff.Google Scholar
  7. 7.
    So zum Beispiel in Wirtschaft und Gesellschaft, S. 578.Google Scholar
  8. 8.
    Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, S. 30.Google Scholar
  9. 9.
    Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, S. 30.Google Scholar
  10. 10.
    Emile Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, Darmstadt und Neuwied: Luchterhand, 1976 (frz. Erstausg. 1895), S. 181.Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
    Vgl. dazu Dietrich Rüschenmeyer, der diesen Gedanken im Zusammenhang mit der Modernisierungsforschung weiterentwickelt hat: Partielle Modernisierung, in: Wolfgang Zapf (Hg.), Theorien des sozialen Wandels, Königstein, Taunus: Verlagsgruppe Athenäum, Hain, Skriptor, Hanstein, 1979, S. 382–396.Google Scholar
  13. 13.
    Jacob Burckhard, Über das Studium der Geschichte (“Weltgeschichtliche Betrachtungen”), München: Beck, 1982, S. 256.Google Scholar
  14. 14.
    Die Arbeiten Talcott Parsons’ und Robert Nisbets’ kann man als die beiden Pole der verschiedenen Möglichkeiten der Analyse des sozialen Wandels sehen; vgl. z.B. Talcott Parsons, Gesellschaften. Evolutionäre und komparative Perspektiven, Frankfurt: Suhrkamp, 1975 (amerik. Erstausgabe 1966), und Robert Nisbet, Social Change and History, New York: Oxford University Press, 1969.Google Scholar
  15. 15.
    Ein wichtiger Vertreter dieser Position ist Morris Janowitz. Vgl. dazu Gerald D. Suttles, A Tribute to Morris Janowitz, in: Gerald D. Suttles and Mayer N. Zald (Hg.), The Challenge of Social Control: Citizenship and Institution Building in Modern Society. Essays in Honour of Morris Janowitz, Norwood, N.J.: Ablex, 1985, S. 3–12.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. dazu Charles Tilly, Big Structures, Large Processes, Huge Comparisons, New York: Russell Sage, 1984, besonders S. 33ff.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. dazu Geoffrey C. Alexander, The New Theoretical Movement, in: Neil J. Smelser (Hg.), The Handbook of Sociology, Newbury Park, Cal.: Sage, 1988, S. 77101, besonders S. 92; und S.N. Eisenstadt, Macro-Sociology and Sociological Theory: Some New Directions (Review Essay), in: Contemporary Sociology 16 (1987), S. 602610.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. dazu Julien Freund, Die Rationalisierung des Rechts nach Max Weber, in: Manfred Rehbinder und Klaus-Peter Tieck (Hg.), Max Weber als Rechtssoziologe, Berlin: Dunker und Humblot, 1987, S. 9–35, besonders S. 11 und S. 13.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. dazu Rüschemeyer, Partielle Modernisierung, S. 389, wo er die Bedeutung der unterschiedlichen ‘Gesetzlichkeiten’ der funktionalen Subsysteme einer Gesellschaft betont.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. zum folgenden Charles C. Ragin, The Comparative Method. Moving Beyond Qualitative and Quantitative Strategies, Berkeley: University of California Press, 1987, v.a. S. 34–84.Google Scholar
  21. 21.
    Beispiele für diesen Ansatz sind Hugh Heclo, Modern Social Policies in Britain and Sweden. From Relief to Income Maintenance, New Haven, London: Yale University Press, 1974, und Gaston V. Rimlinger, Welfare Policy and Industrialization in Europe, America and Russia, New York: Wiley, 1971.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. dazu auch Lean McLemore, Max Webers Defense of Historical Inquiry, in: History and Theory 23 (1984), S. 277–295, Peter Knapp, Can Social Theory Escape History? Views of History in Social Science, in: History and Theory 23 (1984), S. 34–52, C. Wright Mills, The Sociological Imagination, Harmondsworth: Penguin, 1970, S. 159–182 (“Uses of History”).Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. die Diskussion und Zusammenstellung dieser Art vergleichender Untersuchungen bei Jens Alber, Vom Armenhaus zum Wohlfahrtsstaat. Analysen zur Entwicklung der Sozialversicherung in Westeuropa, Frankfurt: Campus, 1982. Die Unterscheidung zwischen einem Variablen-orientierten und einem Fall-orientierten Ansatz deckt sich nicht mit der Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen. Das wichtigste Beispiel für die Verbindung qualitativer Daten mit einem variablenorientierten Ansatz sind die Arbeiten Stein Rokkans, und, in seiner Nachfolge, Peter Floras. Vgl. zu Stein Rokkan den Überblicksartikel von Peter Flora: Stein Rokkans Makro-Modell der politischen Entwicklung Europas: Ein Rekonstruktionsversuch, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 33 (1981), S. 397436; und speziell für die Analyse der historischen Entwicklung der westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten ist in diesem Zusammenhang wichtig: Peter Flora, Jens Alber, Jürgen Kohl, Zur Entwicklung der westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten, in: Politische Vierteljahresschrift 18 (1977), S. 707–772.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. dazu Stanley Lieberson, Making it Count. The Improvement of Social Researach and Theory, Berkeley: University of California Press, 1985.Google Scholar
  25. 25.
    Ein Beispiel für diese Methode ist die Untersuchung von John D. Stephens, The Transition from Capitalism to Socialism, London: Macmillan, 1979. Stephens verknüpft eine Fallstudie (Schweden), mit einem detaillierten Vergleich von vier Staaten (Schweden, Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten) und einer Variablen-orientierten Analyse von 16 entwickelten Industrienationen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1992

Authors and Affiliations

  • Elmar Rieger

There are no affiliations available

Personalised recommendations