Advertisement

Historische und technische Voraussetzungen

  • Detlev Zimmermann
Chapter
Part of the Studien zur Kognitionswissenschaft book series (SZKW)

Zusammenfassung

Eine Arbeit, die sich im Spannungsfeld von Ästhetik, Kultur und Tradition einerseits sowie Elektronik, Automatisierung und Fortschritt andererseits bewegt, kommt nicht ohne eine Einordnung ihrer Voraussetzungen und Ziele bezüglich relevanter Fachgebiete aus. Daher sollen in diesem Kapitel die historischen und technischen Gegebenheiten beleuchtet werden, welche die Entwicklung eines Systems zur automatischen Musikkomposition motivieren und ermöglichen. Dabei wird auf die Vorgeschichte und Grundlagen der folgenden Themenbereiche eingegangen: rechnerungebundene Kompositionsmodelle (2.1), elektronische Klangerzeugung (2.2), Computermusik (2.3), Musikpsychologie (2.4) und Künstliche Intelligenz (2.5).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Sowohl Band III der Becceschen Kinothek als auch die Ketèlbeyschen Filmmusikbände können in gewissem Sinne als Zyklen von Charakterstücken ähnlich z.B. den Kinderszenen,den Davidsbündlertiinzen oder der Kreisleriana von Robert Schumann aufgefaßt werden, da die einzelnen Stücke zusätzlich mit charakterisierenden Überschriften wie `Seltsame Ahnung’, `Im Zaubergarten’ oder `Die Sehnsucht spricht’ (Becce) bzw. `Treue Liebe’, `Wanderers Heimkehr’ oder `Danse diabolique’ (Ketèlbey) versehen sind. der Klangfarben sowie die extreme und kontinuierliche Variabilität von Tondauern und Lautstärken. Die Weiterentwicklung der elektronischen Simulation mechanischer Instrumente wird aufgrund ihres großen kommerziellen Nutzens bis heute sehr stark vorangetrieben.Google Scholar
  2. 2.
    Der Einsatz elektronischer Klangmittel im Hörspiel reicht bis hin zum abstrakten akustischen Ereignis, z.B. durch elektronische Effekte vom Begrifflichen gelöste Sprache (Jürgen Becker, Peter Handke, Ludwig Harig, Helmut Heißenbüttel, Mauricio Kagel, Franz Mon u.a.).Google Scholar
  3. 3.
    Als umfassender Überblick über die Techniken und die Geschichte elektronischer Musik sei (Ungeheuer und Supper 1995) genannt.Google Scholar
  4. 4.
    Ein stromdurchflossener aufgewickelter Draht wird auch als Spule bezeichnet.Google Scholar
  5. 5.
    Insgesamt haben über 50 Komponisten für Ondes Martenot geschrieben. Dazu zählen Jacques Charpentier (Concerto alla francese für Ondes Martenot, Schlagzeug und Streicher (1960)); Joseph Conteloube (Oper Vercingétorix (1930–32)); Jean Claude Eloy; Jacques Ibert; André Jolivet (Konzert für Ondes und Orchester (1947)); Charles Koechlin (Second Album de Lilian (1935), Vers le soleil (1939)); Marcel Landowski (Oper Le Fou (1949–54)); Dimitrios Levidis (Poème symphonique pour solo d’ondes musicales et orchestre (1926), De Profundis für 2 Ondes Martenot (1929)); Darius Milhaud (Oper L’Annonce faite à Marie (1942)); Maurice Ravel; Henri Tomasi (Oper L’Atlandide (1952)); Edgard Varèse (Ecuatorial für 2 Ondes Martenot, Bläser, Orgel, Klavier, Baß und Schlagzeug (Version von 1934)) und Ivan Alexandrowitsch Wyschnegradsky (Transparences I (1953) u. II (1963) für Ondes Martenot und 2 Klaviere, Quatrième fragment symphonique (1956)).Google Scholar
  6. 6.
    Darunter die Glockengeräusche bei der Aufführung der Oper Parsifal sowie Geräuschsynthesen wie Donnern, Rauschen und Einsturzgeräusche für die Aufführung des Opernzyklus Der Ring des Nibelungen (Bayreuther Wagnerfestspiele 1931) und Musik für eine Faust-Inszenierung von Gustav Hartung (Darmstadt 1932), s. Eimert und Humpert 1973, S. 246.Google Scholar
  7. 7.
    U.a. von Jürg Baur (Concerto für Mixturtrautonium und Streichquartett (1955)); Paul Dessau (Oper Die Verurteilung des Lukullus (1949)); Harald Genzmer (Konzert für Trautonium und Blasorchester (1936), Konzert für Trautonium und Orchester (1939), Konzert für Mixturtrautonium und Orchester (1952), Divertimento di danza (1952), Cantate pour soprano et sons éléctroniques); Paul Hindemith (4 Triostücke für drei Trautonien — `Des kleinen Elektromusikers Lieblinge’ (1930), Konzertstück für Trautonium und Streichorchester (1931), Langsames Stück und Rondo für Trautonium (1935)); Paul Höffer (Kleine Kammermusik (1933)); Carl Orff (Entrata für Orchester zu 5 Gruppen (1928–41)); Oskar Sala (Concertino für elektronisches Orchester (1953), Konzertante Variationen (1953), Elektronische Tanz-suite (1955), Konzert für Mixturtrautonium und elektronisches Schlagzeug (1954), Musik für elektrisches Orchester (1954), Ballett Paean (1960), unter Mitwirkung von Remi Gassmann) und Julius Weisemann (Variationen und Fuge mit Orchester (1943)).Google Scholar
  8. 8.
    U.a. Aluminium, Portrait eines Metalls (Deutschland 1958), Stahl, Thema mit Variationen (Deutschland 1962), Der Fächer (Deutschland 1962), A fleur d’eau (Frankreich 1963).Google Scholar
  9. 9.
    Eine Schwingung kann auch mittels Rückkopplung durch sich selbst moduliert werden.Google Scholar
  10. 10.
    Ein erstes Serieninstrument dieser Art war das Moog von Robert A. Moog 1964. Viele der bis dahin erfundenen elektronischen Instrumente mitsamt ihrer (vornehmlich Rundfunk-) Technik standen bei dessen Entwicklung Pate.Google Scholar
  11. 11.
    Seit einer Geschlechtsumwandlung Anfang der 70er Jahre Wendy Carlos.Google Scholar
  12. 12.
    Dieses Verfahren ist an die nach Jean Baptiste Joseph Fourier (1768–1830) benannte Fourier-Analyse (s. Gertsen et al. 1986, S. 136ff) angelehnt.Google Scholar
  13. 13.
    D.h. mit nach Obertönen differenzierten Hüllkurven und allen Nebengeräuschen, Resonanzen etc.Google Scholar
  14. 14.
    Von derartigen Musikautomaten der frühen Zeit ging eine starke Faszination aus, so daß man sie zu Missionierungszwecken in den Kolonien einsetzte, was die sehr frühe Förderung solcher Entwicklungen erklärt (s. Ruschkowski 1990, S. 117). Tatsächlich scheint diese Faszination auch bei heutigen Maschinen ungebrochen, und viele Entwicklungen auf diesem Gebiet, insbesondere mechanische Musikwerke, zielen auf eine pure schaustellerische Wirkung ab.Google Scholar
  15. 15.
    Von Herbert Brün stammt auch die klassische Computerkomposition Infraudibles aus dem Jahre 1967.Google Scholar
  16. 16.
    Abhandlungen über die Wirkung der Musik auf den Menschen besitzen eine lange Tradition. Als Stationen können altertümliche Mythen (z.B. die Orpheussage), die antike Philosophie (z.B. Platon 1958), die barocke Affektenlehre (z.B. Kircher 1650), die Medizin zur Zeit der Aufklärung (z.B. Bachmann 1792) und die naturwissenschaftlich-positivistisch geprägte Tonpsychologie (Helmholtz 1863) genannt werden.Google Scholar
  17. 17.
    Ironischerweise ist es die Naturwissenschaft Elektrotechnik mit ihrer handfesten ingenieurischen Disziplin der Nachrichtengerätetechnik, die im Bereich der Musik mit einer künstlerisch-intuitiven Komponente in Symbiose gehen konnte, welche die elektronische Musik hervorbrachte. Damit konnte — sogar ohne Verneinung moderner Technik — zur Re-Ästhetisierung (und damit Re-Humanisierung) einer durch Technik der Entmenschlichung preisgegebenen Welt beigetragen werden.Google Scholar
  18. 18.
    Dieses Verfahren wurde vom Großvater der Künstlichen Intelligenz, Alan Turing, erdacht. Es besagt, daß ein Programm, das menschliche Fähigkeiten beherrschen soll, dann als adäquate Imitation des menschlichen Handlungsapparates gilt, wenn eine menschliche Person den Unterschied zwischen Mensch und Maschine durch abwechslendes Ansprechen von Mensch und Maschine nicht aus den reinen Kornmunikationsvorgängen der Maschine bzw. des Handelns des menschlichen Kommunikationspartners herausfinden kann. Es gilt in letzter Zeit als umstritten (s. z.B. Hayes und Ford 1995 ).Google Scholar
  19. 19.
    Hinter der kognitiven Modellierung verbergen sich aus Sicht der Kognitionspsychologie selbstverständlich auch erkenntnistheoretische Motive, deren Berechtigung an dieser Stelle noch nicht Gegenstand der Diskussion sein soll.Google Scholar
  20. 20.
    Im Zusammenhang mit der KI werden auch oft die neuronalen Netze genannt; diese Repräsentationsmechanismen entfernen sich jedoch aufgrund der Bevorzugung statistischer Methoden von der Idee der deskripitiv adäquaten Modellierung. Neuronale Netze bilden im wesentlichen physiologische bzw. neurobiologische Gegebenheiten von Nervensystemen, einschließlich des Gehirns, nach. In Anlehnung an den Begriff der kognitiven Modellierung könnte man also hier von physiologischer Modellierung sprechen. Eine Einführung in die neuronalen Netze bieten Brause (1991) und Ritter et al. (1991).Google Scholar
  21. 21.
    Damit wird also nicht behauptet, daß diese Tonfolge in praktischen Zusammenhängen tatsächlich als gültige Tonfolge angesehen werden kann. Dementsprechend kann es rein intern völlig korrekt sein, in einem Logikprogramm Sätze wie `Die Erde ist ein Scheibe’ oder `Wenn Katzen Flügel haben, dann können Frösche maunzen’ als Fakten zu repräsentieren. Man vereinbart also, daß alles, was mit solch einem Programm bewiesen wird, auch nur in dieser durch das Programm abgeschlossenen Welt gilt. Diese Vereinbarung wird in der Literatur auch Closed World Assumption genannt (s. z. B. Schefe 1986, S. 105f ).Google Scholar
  22. 22.
    Da dies bei einem Umfang von z.B. 60 Tönen sehr viele Kombinationen sind, könnte das als offensichtlicher Nachteil des Programms aufgefaßt werden; es handelt sich hierbei aber nur um ein Beispiel. Eintrag Große-Bewegung(tl,t2) in der Datenbasis.Google Scholar
  23. 23.
    Die Regeln für unser Beispiel könnten nun folgendermaßen aussehen: “Diese Hilfsvariablen haben dieselbe lokale Funktion wie im Beispiel in 2.5.1.Google Scholar
  24. 24.
    Aufgrund welcher Sachverhalte eine bestimmte Regel zur Ersetzung von Tonfolge gewählt wird, hängt von einem gesondert definierten Mechanismus ab. Dies könnte z.B. ein Zufallsmechanismus sein. Es soll aber im Moment nicht näher darauf eingegangen werden.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Detlev Zimmermann

There are no affiliations available

Personalised recommendations