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Zünftige Lederherstellung

  • Klaus Schlottau
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Zusammenfassung

In den germanischen Sprachen gab es keinen Ausdruck für den Vorgang des Gerbens: garawen, gariwen oder gerwen stand allgemein für „etwas herrichten, zurechtmachen“, so daß damit auch das Herstellen von Eisen und das Schmieden bezeichnet wurden. Die Berufsbezeichnung „Gerwer“ wurde abgeleitet von dem Verb „gerwen“, damit wurde die Tätigkeit des Zurechtmachens einer Haut einem spezialisierten Handwerker zugewiesen.1 Erste Belege für die technische Berufsbezeichnung „Gerewere“ stammen aus Köln 1139/52 und Hamburg, wo für 1258 ein „Gerwer“ belegt ist. Eine zweite Wurzel der Berufsbezeichnung beruht auf dem meist angewandten Gerbmittel, der Lohe. So entstand „Löer“, Lübeck 1243, aus der sich die Berufsbezeichnung „Lògerwer“, Halle 1300/1313, entwickelte. Unter Bezugnahme auf die Farbe des Iohgegerbten Leders entstand auch die Bezeichnung „Rotgerwer“ in Gebieten mit überwiegender Fichtenloheverwendung.

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Lietratur

  1. 1.
    Vgl.: Marta Asdahl-Holmberg: Studien zu den niederdeutschen Handwerkerbezeichnungen des Mittelal-Google Scholar
  2. ters. Leder-und Holzhandwerker (Lunder germanistische Studien, Nr. 24), Lund 1950, S. 22 ff.Google Scholar
  3. 2.
    Vgl.: Ebd., S. 24. In Süddeutschland lautete die vergleichbare Bezeichnung „Ihrer“ oder „Ircher”.Google Scholar
  4. 3.
    Vgl.: Ebd., S. 26 f.Google Scholar
  5. 4.
    Der mechanisierte Betrieb des Lohmüllers, der diese Arbeit mit Hilfe von Wind-oder Wasserkraft be-Google Scholar
  6. wältigte, ist in den Urkunden zuerst für Riga im Jahr 1533 belegbar. Vgl.: Märta Asdahl-Holmberg, a.a.O., S. 27. Es ist allerdings davon auszugehen, daß diese Datierung wohl für die Einführung der Lohmühlen im baltischen Ostseeraum zutreffend war, die Lübecker Lohgerber hatten bereits im 15. Jahrhundert eine Lohmühle in Reinfeld.Google Scholar
  7. 5.
    Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 7.Google Scholar
  8. 6.
    Vgl.: Märta Asdahl-Holmberg, a.a.O., S. 21.Google Scholar
  9. 7.
    Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 4 f; Vgl. auch: Guiseppe A. Bravo/Juliana Trupke, a.a.O., S. 223 ff.Google Scholar
  10. 8.
    Vgl. für die Datierung der Gründungszeit folgende Autoren, die sich allerdings zum Teil widersprechen: Bravo/Trupke, a.a.O., S. 225 f, 234; Emmanuel Stickelberger, a.a.O., S. 31; Erika Elstermann, a.a.O., S. 101; Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 44 ff.Google Scholar
  11. 9.
    In Hafenstädten wurden traditionell Trockenhäute als Ballast importiert, so z.B. in Venedig während desGoogle Scholar
  12. 13.
    Jahrhunderts. Die Trockenhäute galten aus fiskalischen Gründen als Ballast, während Gerbstoffe, die in Apothekermengen eingeführt wurden, zur Fracht zählten und höher verzollt werden mußten. Der Import von Trockenhäuten aus Südamerika begann 1587, nachdem erstmals 1539 Rinder auf dem Kontinent eingeführt worden waren. Die Menge der importierten Häute erhöhte sich kaum. So wurden für 1587 35.000 Trockenhäute genannt. Vgl.: Bravo/Trnpke, a.a.O., S. 233. Im Jahre 1757 wurden nach Angaben Lalandes jährlich ca. 30.000 Trockenhäute aus Südamerika importiert. Vgl.: Jerome de Lalande: Kunst das Leder auf ungarische Art zuzubereiten, a.a.O., S. 57.Google Scholar
  13. Im 15. und 16. Jahrhundert gab es einen umfangreichen Rinderhandel in Europa. Allein aus den Regionen der heutigen Staaten Ungarn, Bulgarien und Rumänien wurden jährlich ca. 200.000 Ochsen in die oberdeutsche und oberitalienische Region getrieben. Die Rinder aus diesem Gebiet gelangten auf zwei großen Wegen nach Süddeutschland. Der südlichere folgte dem Lauf der Donau und zweigte sich bei Regensburg in einen nördlichen Hauptstrom, der der Altmühl folgend, über Nürnberg bis nach Frankfurt reichte. Der südlichere Zweig folgte der Donau weiter und reichte bis ins Schwäbische. Die nördliche Haupthandelsroute umging die Gebirgsregion der Karpaten im Osten und nahm dabei ein starkes Ochsenkontingent von ca. 50.000 Tieren in der Ukraine auf. Nach der Passage der Gebirgsausläufer schwenkte der Handelsweg über Krakau und Breslau nach Westen ein, um dann durch Sachsen verlaufend, im Hessischen auszulaufen. Die oberdeutsche Region erhielt auch aus der Schweiz erhebliche Anteile des jährlichen Zuchtüberschusses von annähernd 50.000 Stück Vieh.Google Scholar
  14. Die rheinischen Großstädte erhielten Vieh überwiegend aus Dänemark. Das Vieh, jährlich ca. 100.000 Stück, gelangte auf dem See-und auf dem Landweg zu den Verbrauchern: Allein der Rendsburger Ochsenzoll verzeichnet jährlich mehr als 40.000 Stück Vieh. Der Handel war weitgehend von großen Handelshäusern vorfinanziert, die das Vieh überwiegend gegen Produkte des städtischen Gewerbes eintauschten. Vgl. hierzu besonders: Wolfgang v. Stromer: Wildwest in Europa, der transkontinentale Ochsenhandel der Frühen Neuzeit: In: Kultur und Technik, Jg. 3, Heft 2 (1979), S. 36 ff. Vgl. Darüberhinaus die Beiträge des Sammelbandes von Ekkehard Westermann (Hrsg.): Internationaler Ochsenhandel der Frühen Neuzeit 1350–1750 (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte, Bd. 9), Stuttgart 1979.Google Scholar
  15. 10.
    Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Frage nicht nachgegangen werden, ob die Rinder nur aus Gründen der Nahrungsmittelversorgung, oder aber auch aus Gründen fehlender Hautkonservierungsmethoden als „Lebende Häute“ eingeführt wurden. Die Tatsache des umfangreichen Viehhandels allein mußte die Zunftorganisation erheblich beeinträchtigen und darüberhinaus das Sozial-und Wirtschaftsgefüge der Region in eine Schieflage bringen: Gewöhnlich stand die Anzahl der Gerber pro Stadt in einem natürlichen Verhältnis zum Fleischkonsum, so daß 30 Gerbereien für eine Stadt wie Nürnberg mit annähernd 40.000 Einwohnern akzeptierbar war. Für kleinere Städte wie Nördlingen, 200 Gerber, oder Reutlingen, 49 Gerber, vgl auch die folgende Anmerkung — stand die Anzahl der Gerber aber in keinem Verhältnis zu Produktion und Konsum von Fleisch der Stadt und des Umlandes. Als Folge des Fleisch-und Hautimportes wurde die Stadtbevölkerung durch gewerbliche Tätigkeiten und Handel (von einem Gerber lebten mindestens zehn weitere Handwerker) reicher und erhielt eine Fleischüberversorgung zu minimalen Preisen. Demgegenüber erlebten Bauern und Feudaladel den Aufstieg der Stadt zum Gerberzentrum als Wertvernichtung: Der Wert der Fleischproduktion sank mit jedem importierten Rind tiefer, und folglich sank auch der Wert des Bodens auf dem Rinder weideten. Aufgefangen wurde diese Bodenentwertung nur scheinbar durch den höheren Preis für Brotgetreide im Gebiet von Gerberzentren: Die Gerbung einer Haut vernichtete durchschnittlich ca. 10 kg Brotgetreide. Die gegenläufige Preisentwicklung von Fleisch und Getreide führte vermutlich zur Verkürzung der Brachzeit, zum Einzug von Allmenden und zur Rodung von Mastwäldem, um auf diesen zusätzlichen Flächen Getreide oder Gewerbepflanzen anzubauen, so daß die Entstehung einer Region mit vielen Gerberzentren, deren Rohhautbedarf durch Importe gedeckt wurde, zu einem starken Stadt-Land Gefälle, zu Hungerkrisen, zu Flächenumwidmungen und zu Spannungen zwischen Bauern und Adel führte.Google Scholar
  16. 11.
    So gab es während der Blütezeit zünftiger Gerberei vom 13. bis 15. Jahrhundert: In Köln 30, in Frankfurt 17 bis höchstens 36 Gerber, Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.0., S. 7, 70; In Nürnberg 60, in Prag 149 bis 161, in Nördlingen 200, in Reutlingen 49, Vgl.: Helmtraud Hendinger, a.a.0., S. 15 ff; In Ulm 13, Vgl.: Stickelberger, a.a.0., S. 57; In Bremen 13, vgl.: Erika Elstermann, a.a.0., S. 108; In Hamburg 52, in Breslau 20, in Siegen 31 bis 47, in Basel 59, in Pö!neck 45, in Gera 31 und schließlich in London 200 Lohgerber. Vgl.: Körner, a.a.0., S. 49 ff. Bereits Körner hatte sich irritiert über die unverhältnismäßige Anzahl von Gerbern in Prag und in vielen Kleinstädten geäußert. Vgl.: Ebd., S. 49.Google Scholar
  17. 12.
    So die Bezeichnung der Prager Gerber im Jahre 1419. Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 47.Google Scholar
  18. 13.
    Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 17.Google Scholar
  19. 14.
    Vgl.: Emanuel Stickelberger, a.a.O., S. 49 ff.Google Scholar
  20. 15.
    Vgl.: Erika Elsterrnann, a.a.O., S. 204. Das Amt der Bremer Weißgerber gehörte zum Teil der sogenannten „Seestädtischen Wanderschaft“, zum Teil der „Landstädtischen Wanderschaft” an. Die WeiBgerber besaßen verschiedene regionale Organisationen der Ämter. Unter dem Dach des „Großen Handwerks“ in Frankfurt, das regelmäßig von den meisten Weißgerbern zur Messe besucht wurde, vereinigten sich mehrere Wandergebiete, so die beiden oben genannten, ferner der „Rheinische Kreis” und der„ Bier Kreis“. Der Seestädtische Kreis umfaßte etwa die Gebiete Niedersachsens, Bremens, Hamburgs, Schleswig-Holsteins, Mecklenburgs, Dänemarks und Norwegens, der RöBler Kreis die Gebiete Sachsens, Schlesiens, Polen, Ungarn, Österreich. Der Landstädtische Kreis zog sich von Westfalen über Hessen nach Bayern und der Rheinische Kreis verlief vom Niederrhein über Belgien bis in die Schweiz. Gesellen durften während ihrer Wanderschaft nur innerhalb ihres Kreises bleiben.Google Scholar
  21. 16.
    Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 18 f.Google Scholar
  22. 17.
    Vgl.: Ebd., S. 19. Die Lohgerbergesellen Kölns hatten im 15. Jahrhundert eine Organisation gegründet, um sich bei Verhandlungen mit den Meistern besser durchsetzen zu können. In einer Zunftordnung von 1452 war es den Kölner Meistern untersagt, gegen eine Strafe von 20 fl. Mitglieder der Gesellenorganisation einzustellen. Vgl. auch: Stickelberger, a.a.O., S. 42 ff.Google Scholar
  23. 18.
    Vgl. für das Folgende: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 20 ff.Google Scholar
  24. 22.
    Vgl.: Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 359.Google Scholar
  25. 23.
    Vgl.: Bravo/rrupke, a.a.O., S. 252 f.Google Scholar
  26. 24.
    Die Kölner Gerber waren auf den Hauthandel angewiesen, weil das Hautgefälle der Stadt und ihres Territoriums für die Versorgung der 30 Betriebe nicht ausreichte, das heißt, daß die Gerbkapazitäten größer waren, als der Fleischverzehr der Bevölkerung. Unter der Voraussetzung, daß alle Amtsmeister das Maximum einarbeiten durften, wurden jährlich 12.450 Rindshäute, 15.600 Kalbsfelle sowie 12.000 andere Felle benötigt. Vgl.: Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 31. Die Gewinnchancen des Hauthandels lagen in der Intransparenz des europäischen Vieh-und Hautmarktes. Gelang der Transport billiger Rinder aus extensiver Weidewirtschaft in ein Bevölkerungs-und Gewerbezentrum wie Köln, so erhöhten sich Gewinne für Fleisch und Haut gleichmäßig. Dies konnte für den Transport von schätzungsweise 100.000 Rindern nach Nördlingen allerdings nicht zutreffen. Die Existenz derartiger Gerbkapazitäten setzte eine kleinräumige Aufspaltung von Fleischverbrauch und Gerbort voraus, sofern das Fleisch nicht verschleudert oder gewerblich für den überregionalen Handel weiterverarbeitet wurde. In der Umgebung der bevölkerungsarmen Gerberzentren gab es jedoch keine Bevölkerungszentren ohne Gerberei.Google Scholar
  27. 25.
    Vgl. Ebd., S. 29. Vgl. auch: Johannes Cramer: Gerberhaus und Gerberviertel in der mittelalterlichen Stadt (Studien zur Bauforschung Nr.12), Bonn 1981, S. 12. Freiberger Gerberordnung aus dem Jahre 1477.Google Scholar
  28. 26.
    Vgl. Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 62 f. Schwierig war die Durchsetzung des Handelsverbotes, da die Händler über mehr flüssiges Kapital verfügten. Ihnen war allerdings der Kauf in der Umgebung der Stadt und die Bestellung von Häute verboten, dagegen durften sie auch mit Wolle, Honig und Alt-Kupfer handeln.Google Scholar
  29. 27.
    Vgl.: Emanuel Stickelberger, a.a.O., S. 49 f.Google Scholar
  30. 28.
    Vgl.: Helmtraud Hendinger, a.a.O., S. 50 f. Der geringe Anteil der Eigenversorgung mit Häuten und Fellen aus der Region erhöhte naturgemäß den Einfluß der Haut-oder Viehhändler auf die Gerber. Darüber-hinaus war für die fertigen Leder am Ort kaum Absatz zu finden, so daß wiederum Händler benötigt wurden, die Messen beschickten, bzw. das Leder im Fernhandel absetzten. Wenn schon große Städte wie Köln, Lübeck, Frankfurt oder Bern, die einen relativ ausgeglichenen Haut-und Ledermarkt hatten, Probleme hatten, den Einflug kapitalstarker Haut-und Lederhändler zurückzudrängen, so ist zu fragen, ob die vielen Gerber der kleinen süddeutschen Reichsstädte nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Händlern geraten waren, das dem Verlagssystem der englischen „Leathersellers Company“ gleichkam. Aus der benutzten Literatur ist diese Frage allerdings nicht zu beantworten. Da aber fast alle Innovationen des Lederhandels, insbesondere aber die technologioschen Innovationen aus England übernommen wurden, kann dem Verlagssystem eine befruchtende Funktion nicht abgesprochen werden. Indizien, die im folgenden noch behandelt werden, sprechen dafür, daB es auch in Süddeutschland ein Verlagssystem für Gerber gab.Google Scholar
  31. 29.
    Vgl.: Emanuel Stickelberger, a.a.O., S. 47.Google Scholar
  32. 30.
    Vgl.: Hermann Duncker, Das mittelalterliche Dorfgewerbe nach den Weistumsüberlieferungen, Leipzig 1913, S. 118f.Google Scholar
  33. 31.
    Vgl.: Johannes Cramer: a.a.O., S. 88.Google Scholar
  34. 32.
    So besagen die 49 Gerber Reutlingens ein Magazin, das allerdings mit Sicherheit nicht ausreichte, den Jahresbedarf von annähernd 2.500 t zu bergen. Vgl.: Ebd., S. 89 f.Google Scholar
  35. 34.
    Vgl.: Johannes Cramer: a.a.O., S. 92.Google Scholar
  36. 35.
    Vgl.: Ebd., Anmerkung Nr. 339, S. 114. Bereits 1613 wehrten sich die Gerber Siegens dagegen, einen Hauberg zur Dauerweide zu machen. Siegen und das Siegener Land waren Musterbeipiele, wie auf genossenschaftlichem Wege ein Minimum an Lohstoffversorgung gesichert werden konnte. Die Gerber erwarben Anteile am Hauberg und sicherten sich damit eine kontinuierliche Zufuhr an Lohe, Holz und Weiden für den landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Vgl.: Rolf-Jürgen Gleitsmann, a.a.O., S. 133.Google Scholar
  37. 36.
    Ein Teil der benötigten Rinde konnte auch außerhalb der Saison bei Sägewerksbesitzem aufgekauft werden. In Gebirgslagen Süddeutschland gab es eine Tradition, derzufolge Fichten auch im Sommer eingeschlagen wurden. Um sie bis zum Abtransport im Winter gegen Schädlingsbefall zu schützen wurden die Stämme geschält. Diese Fichtenrinde ergänzte während des Sommers das Angebot auf dem Lohemarkt regional erheblich.Google Scholar
  38. 37.
    Die Verfügbarkeit von Mühlen im Stadtgebiet hing ganz entscheidend von den geographischen Gegebenheiten ab. Daher hatten die Gerberzentren Süddeutschlands in aller Regel kaum Mühe, in der näheren Umgebung entsprechende Mühlwerke zu finden. In Köln aber bestanden immer Probleme, so versuchte die Kölner Zunft zuletzt im 17. Jahrhundert eine Mühle im Stadtgebiet zu erwerben. Da auch dieser Vorstoß nicht gelang, mußte die Lobe weiterhin außerhalb der Stadt gemahlen werden. Seit dem 15. Jahrhundert hatte die Lübecker Lohgerberzunft eine Lohmühle in Reinfeld, wo die Lohe weiterbearbeitet wurde. Vgl. Hermann Bartenstein, a.a.O., S 62. In Hamburg gab es am Ende des 16. Jahrhunderts nur eine Lohmühle. Während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhöhte sich die Anzahl der Lohmühien im Hamburger Wirtschaftsgebiet auf 14 Stück. Vgl.: Beatrix Piezonka und Klaus Schlottau: Die Hamburger Mühlen und ihr Einfluß auf den Wirtschaftsraum der Stadt. In: Beiträge zur deutschen Volks-und Altertumskunde, Bd. 24 (1985), S. 65.Google Scholar
  39. 41.
    Im folgenden soll unter einem Gerberhaus ein Gebäude verstanden werden, das einem Gerber sowohl als Werkstatt wie auch als Wohnhaus dient; d.h. die für die mittelalterliche, handwerklich produzierende Wirtschaft charakteristische Einheit von Wohnung und Arbeitsplatz soll noch erhalten sein,“ Johannes Cramer: a.a.O., S. 10. Die ersten Gerberhäuser, die nutzungsspezifische Formen aufwiesen, sind zu Beginn des 15. Jahrhunderts für Nördlingen und Ulm nachweisbar. Das Kapitel 4.4. basiert im wesentlichen auf der Auswertung der bauhistorischen Studie von Cramer. Die Detailfülle dieser Spezialstudie, die notwendigerweise auch Zunftbauten, vgl. Schaffhausen, umfaßt, wird von keinem anderen gerbereihistorischen Werk überboten.Google Scholar
  40. 42.
    Diese Dachform wurde auch von dem Gewerbe der Papiermüller übernommen, die ihr Produkt ebenfalls unter Dach und Fach langsam trocknen ließen.Google Scholar
  41. 43.
    Bemerkenswert war, daß zu Beginn des 17. Jahrhunderts z.B. aus Nürnberg eine Anzahl von Baugesuchen der Gerbermeister vorlagen, welche die Aufstockung ihrer Häuser beantragten. Die zünftige Einschränkung der Produktion war scheinbar aufgehoben oder durchbrochen. Da zugleich im 17. Jahrhundert die Gerbgruben in die Höfe verlegt wurden, weil sie in den Werkstatträumen nicht mehr unterzubringen waren, mußten auch die Trockenräume und die Zurichträume ausgedehnt werden. Vgl.: Ebd., S. 33.Google Scholar
  42. 44.
    Noch auf Fotografien zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren derartige Stege in Marburg, Straßburg, Metz und Nördlingen zu sehen. Das letzte erhaltene Beispiel wurde 1976 in Reutlingen abgerissen. Vgl.: Ebd., S. 14.Google Scholar
  43. 45.
    Vgl.: Ebd., S. 17. Die Grundfläche des Gerberhauses war vergleichsweise hoch. Selten lag die ebenerdige Werkstattfläche unter 150 m2. Dabei hatte das Gerberhaus mit allen Trockenetagen bis zu drei volle Geschosse, insgesamt mindestens 450 m2 Nutzfläche.Google Scholar
  44. 46.
    Gelegentlich wurde ein derartiger Gewölberaum als Vorratsraum für Häute angesehen. Da aber die einzig wirksame Konservierungsmethode in der Trocknung bestand, und eine langfristige Vorratshaltung von Häuten aus Kapitalgründen fast unmöglich war, wird es sich in der Regel um Schwitz-oder Rauchkammern handeln. Vgl.: Ebd., S. 17.Google Scholar
  45. 50.
    Mariano Taccola: De rebus miltaribus. De machinis, 1449. Übersetzt und herausgegeben von Eberhard Knobloch, Baden-Baden 1984, S. 117.Google Scholar
  46. 51.
    Seit dem 13. Jahrhundert waren in der Regel etwa 30 Lohgerber in Köln tätig, so daß sich in den Stadtvierteln auch entsprechende Orts-und Straßenbezeichnungen herausbildeten, so z.B. drei Lorgassen, je eine in der Columbapfarre und in der Peterspfarre sowie eine in Niederich. Ferner gab es einen Rotgerberbach, „unter den Leeren“ genannt und den Perlenbach als Zentrum der Kölner Lohgerber. In den angesprochenen Pfarren siedelten zugleich Ledergewerbe: Riemenschneider, Gürtelmacher, Kumt-und Hamenmacher, Beutelmacher, Taschenmacher und Lederbereiter, Zurichter. Vgl. Hermann Bartenstein, a.a.O., S. 7, 34.Google Scholar
  47. 52.
    Vgl.: Johannes Cramer: a.a.O., S. 69.Google Scholar
  48. 53.
    So z.B. das Gerberviertel in Ulm 1444, als bei einem Hochwasser der Blau alle Häuser am Ufer fortgespült wurden. Vgl.: Ebd., S. 68.Google Scholar
  49. 54.
    So z.B. in Würzburg. Vgl.: Ebd., S. 87.Google Scholar
  50. 58.
    Vgl.: Bravo/rrupke, a.a.O., S. 236. Trotz des Verbotes ließ sich die Kapitalkraft der Händler nicht unterdrücken. Die Folge des Kapitaleinflusses in England war, daß im 17. und 18. Jahrhundert die meisten Innovationen und die gesuchtesten Leder aus England auf den Kontinent gelangten. Das Janusgesicht zur sozialen Deklassierung durch den Verlag bestand allem Anschein nach in einem organisatorischen und verfahrenstechnologischen Vorsprung, der es den verlegten Meistern nach einer Umbruchzeit erlaubte, langfristig höhere Gewinne einzustreichen als die zünftigen Amtsmeister.Google Scholar
  51. 60.
    Bereits 1262 war in Köln ein Lohhaus vorhanden, in dem die Leder und einheimische Tücher verkauft wurden. Vgl. Hermann Bartenstein, a.a.O., S 45.Google Scholar
  52. 61.
    Vgl.: Johannes Cramer, a.a.O., S. 99.Google Scholar
  53. 63.
    Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 52.Google Scholar
  54. 64.
    So die Bezeichnung der Prager Gerber im Jahre 1419. Vgl.: Ebd., S. 47. Die Straßburger Gerber wohnten im 15. Jahrhundert in der „stinkenden GaB“. Vgl. Johannes Cramer, a.a.O., S. 66.Google Scholar
  55. 65.
    Vgl.: Stickelberger, a.a.O., S. 64 f. Es ist wahrscheinlich, daß die Händler, die versuchten, den Handel mit Haut und Leder an sich zu ziehen, sich auf dem Wege des Einkaufs in die Zunft hatten hineinbewegen können.Google Scholar
  56. 66.
    Zwischen 1440 und 1445 gelang es dem Lohgerber Heinz Paiger in Konstanz, ein enormes Vermögen zu erwerben, indem er nach einem Verfahren gerbte, das die Zunft gegen ihn aufbrachte. Sicherlich handelte es sich um die erste Anwendung einer Schnellgerbung. Vgl.: Johannes Cramer: a.a.O., S. 40.Google Scholar
  57. 67.
    Vgl. hierzu die Rohstoffpreise in Kapitel 2 und die Produktionsziffern für Zünfte in Kapitel 4.2.Google Scholar
  58. 68.
    De Herren vom Rath mokt nich so vel Stat, as Weber und Mohr (Gerber) vor’n Buten Dor“. Zitiert nach: Erika Elstermann, a.a.O., S. 112.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Klaus Schlottau

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