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Erkenntnis als soziale Hervorbringung

  • Werner Meinefeld
Chapter

Zusammenfassung

.Evolutionäre Erkenntnistheorie und Radikaler Konstruktivismus gingen von der Existenz genetisch verankerter Wahrnehmungsstrukturen aus, konnten allerdings die Passung dieser Strukturen nur indirekt aus dem Evolutionserfolg beziehungsweise aus der Interpretationsoffenheit der Welt folgern, ohne den Prozeß ihrer Herstellung in der Auseinandersetzung des einzelnen mit dieser Welt erklären zu können. Vor allem blieb bei ihnen völlig offen, wie die (notwendig allgemeinen) genetischen Erkenntnismuster ihre konkrete, das heißt objekt- und kulturspezifische Ausformung erfahren, die sie erst zu ihrer Funktion als Basis praktischen Handelns in einer hochkomplexen und sich ständig wandelnden Umwelt befähigen. Eine solche Spezifizierung kann nicht durch genetische Kodierung erreicht werden, sie setzt vielmehr Entwicklungsprozesse voraus, die zwar auf der Grundlage der biologischen Ausstattung — und damit innerhalb ihrer Grenzen — erfolgen, zugleich aber auch über sie hinausreichen müssen. Unter Heranziehung der Entwicklungstheorie Piagets war es gelungen, die Fruchtbarkeit der Berücksichtigung des Subjektes, das sich in der handelnden Auseinandersetzung mit der Welt deren Strukturierung erschließt, aufzuzeigen. Allerdings galt Piagets Interesse mehr der Analyse der Entwicklungsstadien als der Bestimmung des Prozesses, in dem inhaltliche Vorstellungen über die Welt ausgebildet werden. Im folgenden soll es darum gehen, diesen Prozeß der Genese und Anwendung erkenntnisleitender Kategorien einer genaueren Analyse zu unterziehen.

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Literatur

  1. 1.
    Ulric Neisser, Kognition und Wirklichkeit. Prinzipien und Implikationen der kognitiven Psychologie, Stuttgart: Klett-Cotta 1979, 57.Google Scholar
  2. 2.
    Neisser, Kognition und Wirklichkeit, 26ff, 92.Google Scholar
  3. 3.
    Neisser, Kognition und Wirklichkeit, 49.Google Scholar
  4. 4.
    Neisser, Kognition und Wirklichkeit, 80.Google Scholar
  5. 5.
    Neisser, Kognition und Wirklichkeit, 149.Google Scholar
  6. 6.
    Günter Dux, Der Konstruktivismus in der historisch-genetischen Theorie der Erkenntnis, Diskussionspapier für die Zweiten Freiburger Arbeitstage für Soziologie vom 3.-5. Oktober 1991, 2f; Günter Dux, Die Zeit in der Geschichte. Ihre Entwicklungslogik vom Mythos zur Weltzeit, Frankfurt: Suhrkamp 1989, 30.Google Scholar
  7. 7.
    Dux, Der Konstruktivismus in der historisch-genetischen Theorie der Erkenntnis, 29.Google Scholar
  8. 8.
    Dux, Zur Strategie einer Soziologie der Erkenntnis, 84ff.Google Scholar
  9. 9.
    Der Begriff der „Offenheit“ bei Dux ist nicht als Gegensatz zur Geschlossenheit des Nervensystems im Radikalen Konstruktivismus — und damit auf der Ebene von Konstruktion versus Realismus — bestimmt, sondern definiert sich aus der Gegenüberstellung zur Determination des Verhaltens durch Instinkte.Google Scholar
  10. 10.
    Dux,Die Logik der Weltbilder, 62ff.Google Scholar
  11. 11.
    Dux,Die Logik der Weltbilder, 68; Dux, Die Zeit in der Geschichte, 30f, 103ff.Google Scholar
  12. 12.
    Dux,Die Logik der Weltbilder, 66ff; Dux,Die Zeit in der Geschichte, 24ff, 66ff. Entsprechend entschieden setzt er sich von Emile Durkheims Rückführung der Entstehung sozialer Kategorien auf die vorgängige Existenz der Gesellschaft ab: damit setze er das voraus, was es zu erklären gelte — Dux, Die Logik der Weltbilder, 59f; Dux, Die Zeit in der Geschichte, 72ff.Google Scholar
  13. 13.
    Dux,Die Logik der Weltbilder, 76ff; Dux,Der Konstruktivismus in der historisch-genetischen Theorie der Erkenntnis, 27.Google Scholar
  14. 14.
    Dux,Die Logik der Weltbilder, 84.Google Scholar
  15. 15.
    Dux, Die Logik der Weltbilder, 81ff, 91.Google Scholar
  16. 16.
    Dux, Die Logik der Weltbilder, 92.Google Scholar
  17. 17.
    Alle Zitate aus: Dux, Die Logik der Weltbilder, 95ff.Google Scholar
  18. 18.
    Dux, Die Logik der Weltbilder, 22ff, 54ff; Dux, Die Zeit in der Geschichte, 23ff.Google Scholar
  19. 19.
    Dabei ist es wichtig, sich bewußt zu machen, daß es Dux hier, in enger Anlehnung an Piaget, um die Analyse der Genese von Strukturen der Kognition geht, also um die Beherrschung kognitiver Operationen, nicht aber um die Ausprägung konkreter Inhalte: „Inhaltlich ist eine ganze Welt über diese Strukturen organisiert“ — in jeder Kultur eine andere — Die Zeit in der Geschichte, 107, 28f.Google Scholar
  20. 20.
    Was nicht impliziert, daß das Kind frei wäre, völlig Neues zu entwerfen: es entwickelt für sich neu, was ihm „immer schon entgegentritt“ (Dux, Die Zeit in der Geschichte, 68), d.h. es entwickelt seine kognitiven Strukturen in Auseinandersetzung mit und in Orientierung an den konkreten Inhalten dieser Kultur — aber diese Entwicklung ist eine eigene Konstruktionsleistung, die nicht mit einfacher Übernahme verwechselt werden darf. Genau diesen Aspekt hebt auch Seiler in seiner Piaget-Interpretation hervor — Handeln und Erkennen in der strukturgenetischen Theorie Jean Piagets.Google Scholar
  21. 21.
    Dux, Die Zeit in der Geschichte, Hoff, 103ff. Dies impliziert für Dux auch, daß Gesellschaften, die sich denselben Handlungsanforderungen gegenübersehen (z.B. Jäger und Sammler im Unterschied zu Ackerbauern), auch dieselben kognitiven Strukturierungsleistungen zu erbringen haben — und dies wiederum erlaubt es, von der Untersuchung heute lebender Völker auf Kulturen früherer Zeiten zurückzuschließen.Google Scholar
  22. 22.
    Dux, Die Zeit in der Geschichte, 119.Google Scholar
  23. 23.
    Dux, Die Zeit in der Geschichte, 32f, 368ff.Google Scholar
  24. 24.
    Die Erfahrung mit sogenannten „Wolfskindern“ zeigt nachdrücklich die Konsequenzen des Fehlens dieser „Sozialisationsagenten”.Google Scholar
  25. 25.
    Dux, Der Konstruktivismus in der historisch-genetischen Theorie der Erkenntnis, 4.Google Scholar
  26. 26.
    George Herbert Mead, Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus, Frankfurt: Suhrkamp 1968 (1934), 71ff, passim.Google Scholar
  27. 27.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 52, 81 ff.Google Scholar
  28. 28.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 115, 116.Google Scholar
  29. 29.
    Die von manchen Autoren geübte Kritik an der Unterstellung gesamtgesellschaftlich geteilter Kategorien — mit dem Problem der Erklärung von Abweichungen — braucht an dieser Stelle nicht näher verfolgt zu werden, da dies den Grundprozeß des Bedeutungsaufbaus nicht tangiert. Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß dies von Mead gerade nicht vorausgesetzt wird; auch ließe sich leicht zeigen, daß unter Berücksichtigung des,gesellschaftlichen Ortes` dieser Prozesse sehr wohl auch die Genese konfligierender Bewußtseinsinhalte zu erklären ist: Meads Theorie gründet nicht auf der Unterstellung gesellschaftlicher Harmonie, sondern auf dem grundlegend sozialen Charakter menschlichen Bewußtseins und menschlichen Handelns in Situationen der Kooperation wie auch des Konfliktes. (Kritisch z.B. Klaus Fischer, Die kognitive Konstitution sozialer Strukturen, in: Zeitschrift für Soziologie, 18, 1989, 16–34, hier: 18f. Zur Zurückweisung dieser Kritik siehe dagegen Hans Huferkmnp,Mead und das Problem des gemeinsamen Wissens, in: Zeitschrift für Soziologie, 14, 1985, 175–187.)Google Scholar
  30. 30.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 100ff, 107ff.Google Scholar
  31. 31.
    Absehen können wir hier von der rein kombinatorisch möglichen Beziehung zwischen Kindern: entweder haben sie bereits Sozialisationserfahrungen gemacht — dann verläuft die Schöpfung neuer Bedeutungen zwischen ihnen wie zwischen Erwachsenen (wenn auch die,Originalitätsquote’ bei ihnen vermutlich höher liegen wird); oder aber sie haben beide den Status von Säuglingen — dann wird es bei ihnen nicht zur Konstitution dauerhafter Bedeutungen kommen können, da sie sich in diesen Deutungen nicht genügend gegenseitig stützen können. Auch der Fall einer bereits sozialisierten Person, die die Bedeutungszuschreibungen einer anderen Kultur erlernt, ist unter den Typus der Interaktion zwischen Erwachsenen zu subsumieren, da auch hier beide Partner zu vorgängigen bewußten — wenn auch unterschiedlichen — Handlungsentwürfen in der Lage sind.Google Scholar
  32. 32.
    Im Lichte des in der Darstellung des Radikalen Konstruktivismus entwickelten Konzeptes von Aufbau und Strukturierung des Nervensystems mögen die für die Erwachsenen scheinbar bedeutungslosen Entäußerungen des Kindes durchaus von seiner Seite aus geordnete neurale Zustände (und damit auch,Bedeutungen` im Sinne physiologischer Muster) zum Ausdruck bringen, doch verbleiben diese solipsistisch, da sie den beteiligten Erwachsenen mangels eines geteilten Symbolsystems nicht kommunizierbar sind — dieses gilt es ja gerade erst aufzubauen.Google Scholar
  33. 33.
    Hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß — anders als zuvor — auch die erste Person bereits eine Intention mit ihrer Handlung verbinden kann und daß sie zu einer Antizipation möglicher Reaktionen des oder der anderen auf das Setzen tentativer Gesten in der Lage ist. Eine anschauliche Darstellung dieses Prozesses tastender Handlungsentwürfe und ihrer Akzeptanz bzw. Zurückweisung durch die anderen findet sich bei Albert K. Cohen für die Herausbildung abweichender Handlungen in jugendlichen Banden, ist aber auf alle Situationen, die institutionell offen sind, zu übertragen — Kriminelle Jugend. Zur Soziologie jugendlichen Bandenwesens, Reinbek: Rowohlt 1961 (1955), 44.Google Scholar
  34. 34.
    In seiner Auseinandersetzung mit Meads Konzept des gemeinsamen Wissens kritisiert Huferkump die „Übersteigerung der Rolle der Intersubjektivität im Handeln“, da für Mead,,stets erst die Reaktion alters egos Handlungen einen Sinn” gebe. (Mead und das Problem des gemeinsamen Wissens, 179, 180; Hervorhebung W.M.) Haferkamp überdehnt hier jedoch Meads Modell, indem es ihm allgemein um die „Handlungsrelevanz sozialer Vorstellungen“ (a.a.O., 175) geht und er von daher folgerichtig auch Situationen berücksichtigt, in denen die erste Person von Anfang an eine bestimmte Handlungsintention ver-folgt. Mead dagegen geht es nur um die Analyse des Grundprozesses, der in der Anwendung auf empirische Situationen in Abhängigkeit von deren Ausgangsbedingungen modifiziert werden muß — und genau in dieser basalen Funktion ist sein Modell der Genese von Bedeutungen im Interaktionsprozeß weiterführend. Die von Haferkamp im folgenden gemachten Ausführungen zeigen denn auch, daß Meads Modell problemlos in der oben angedeuteten Weise ausformuliert werden kann. (a.a.O., 185)Google Scholar
  35. 35.
    Mead,Geist, Identität und Gesellschaft, 118.Google Scholar
  36. 36.
    Hans Joas,George Herbert Mead, in: Dirk Käsler (Hrsg.), Klassiker des soziologischen Denkens, Band 11: Von Weber bis Mannheim, München: Beck 1978, 7–39, hier: 36; s.a. Axel Honneth/Hans Joas, Soziales Handeln und menschliche Natur. Anthropologische Grundlagen der Sozialwissenschaften, Frankfurt: Campus 1980, 64; Hans Joas,Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werkes von G.H.Mead, Frankfurt: Suhrkamp 1989 (1980), 113f, 163.Google Scholar
  37. 37.
    George H. Mead, Gesammelte Aufsätze, Band 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, darin: „Die objektive Realität der Perspektiven“ (1927), 211–224; „Das physische Ding” (aus dem Nachlaß, zuerst 1932), 225–243.Google Scholar
  38. 38.
    Mead, Gesammelte Aufsätze 11, 127ff; Joas, Praktische Intersubjektivität, 151ff.Google Scholar
  39. 39.
    Mead, Gesammelte Aufsätze II, 228ff, 237ff; Joas, Praktische Intersubjektivität, 147f, 153f. Vgl. hierzu auch die ganz ähnlichen Ausführungen in der Diskussion der Vereinbarkeit von Radikalem Konstruktivismus und Piagets Konzept in Abschnitt 11/2.3.Google Scholar
  40. 40.
    Auch Mead also betonte schon, wie nach ihm Dux, die zeitliche und damit auch sachliche — da formbestimmende — Priorität der sozialen Beziehung gegenüber der Objektbeziehung.Google Scholar
  41. 41.
    Mead, Gesammelte Aufsätze II, 241.Google Scholar
  42. 42.
    Mead, Gesammelte Aufsätze II, 240.Google Scholar
  43. 43.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, I77ff.Google Scholar
  44. 44.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 230, 280, passim.Google Scholar
  45. 45.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, I87ff.Google Scholar
  46. 46.
    Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 216ff. Dieser Aspekt des Identitätsaufbaus, der einige Fragen (insbesondere zu dem Verhältnis von „me“ und „1”) offenläßt, ist hier nicht weiter zu verfolgen. Entscheidend für uns ist nur, in welch grundlegender Weise für Mead der soziale Prozeß eben nicht nur die Wahrnehmung der Welt beeinflußt, sondern bis in die Bildung der Persönlichkeit hineinwirkt.Google Scholar
  47. 47.
    Zum Beispiel erscheint die von Mead vorgenommene Beschränkung der Bewußtwerdung der eigenen Handlung auf Interaktionsbeziehungen mit anderen Personen (Mead, Gesammelte Aufsätze, Band 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, 218ff; Joas, Praktische Intersubjektivität, 104f) nicht zwingend: auch der Umgang mit physischen Dingen führt — sobald Probleme auftreten — zu einer bewußten Selbst-Wahrnehmung, zu einer Zurückverweisung auf das eigene Handeln. Hier scheint mir Mead nun in der Tat das Argument der Intersubjektivität als Voraussetzung auch für die Bewußtheit des eigenen Handelns zu überschätzen. „Selbstreflexive Aufmerksamkeit“ wird vielmehr immer dann erzwungen, wenn eine vorangegangene Handlung zu Reaktionen des Handlungs„objektes” führt (sei dies nun ein Ding oder eine Person), auf die wiederum die erste Person reagieren muß. Dies stellt nicht die Priorität der sozialen Beziehungen vor den Objektbeziehungen hinsichtlich der Bedeutungsgenese in Frage, wertet aber den realistischen Bezug der ersteren gegenüber ihrer reinen Ableitung aus der Interaktion auf. (Nur aus dieser prozessualen Gleichheit der Beziehung zu dem Ding-Objekt und zu dem Person-Objekt ist im übrigen die oben aufgezeigte enge Parallelität zwischen der Übernahme der „Haltung des anderen” und der „Haltung des Dings“ zu erklären.) Meads Beschränkung der Bewußtwerdung auf Interaktionssituationen resultiert aus der Tatsache, daß in ihnen dieses Erfordernis, sich Rechenschaft über das eigene Handeln zu geben, immer vorliegt, während dies in Objektbeziehungen weniger augenfällig ist. Die in Abschnitt 11/2.3 in Anlehnung an Piaget vorgenommene Begründung einer (konstruktiv-)realistischen Perspektive macht aber die Begrenzung der Meadschen Argumentation an dieser Stelle deutlich.Google Scholar
  48. 48.
    Richards/von Glasersfeld, Die Kontrolle von Wahrnehmung und die Konstruktion von Realität, 220. Siehe auch von Glasersfeld, Wissen, Sprache und Wirklichkeit, 236.Google Scholar
  49. 49.
    S. die obigen Ausführungen zu Dux.Google Scholar
  50. 50.
    Vgl. hier zu Kritik in Abschnitt 1112.1.Google Scholar
  51. 51.
    Dieser Begriff findet sich auch bei Dux, der mit ihm das Verhältnis von Subjekt und Objekt faßt — Die Logik der Weltbilder, 86ff.Google Scholar
  52. 52.
    Joas, Praktische Intersubjektivität, beide Zitate III (Hervorhebung W.M.); s.a. Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, 46.Google Scholar
  53. 53.
    Vollmer, Zu den Voraussetzungen der Evolutionären Erkenntnistheorie, 236; Vollmer, Was können wir wissen?, 50.Google Scholar
  54. 54.
    Auch aus diesem Grunde meine ich, daß die realistische Anbindung von Bedeutung in Meads Modell keine angemessene Ausarbeitung erfahren hat, daß dazu die in Abschnitt 1I/2.3 in Anlehnung an Piaget angestellten Überlegungen weiter führen.Google Scholar
  55. 55.
    lwar Werlen, Sprache, Mensch und Welt. Geschichte und Bedeutung des Prinzips der sprachlichen Relativität, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1989, 20.Google Scholar
  56. 56.
    Hierzu liegen bereits gute Darstellungen vor: siehe Werfen, Sprache, Mensch und Welt, 9ff; Siegfried J. Schmidt, Sprache und Denken als sprachphilosophisches Problem von Locke bis Wittgenstein, Den Haag: Nijhoff 1968; /. M. Schlesinger, The Wax and Wane of Whorfian Views, in: Robert L. Cooper/Bernard Spolsky (Hrsg.), The Influence of Language on Culture and Thought. Essays in Honor of Joshua A. Fishman’s Sixty-Fifth Birthday, Berlin/New York: Mouton de Gruyter 1991, 7–44, hier: 8ff.Google Scholar
  57. 57.
    Benjamin Lee Whorl, Sprache, Denken, Wirklichkeit. Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie, Reinbek: Rowohlt 1963, z.B. 7ff; das Zitat stammt von Seite 12. (Es handelt sich hier um eine Auswahl aus der posthum von John B. Carroll veröffentlichten Aufsatzsammlung. Hinsichtlich der Unzulänglichkeiten der deutschen Übersetzung vgl. Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 152.) Gute Darstellungen der Whorfschen Arbeiten finden sich bei Helmut Gipper, Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip? Untersuchungen zur Sapir-Whorf-These, Frankfurt: Fischer 1972, 7ff, 237ff; Paul Henle, Sprache, Denken und Kultur, in: ders. (Hrsg.), Sprache, Denken, Kultur, Frankfurt: Suhrkamp 1975 (1958), 15ff; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 141ff.Google Scholar
  58. 58.
    Wharf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 11, 12f, 20. Im Original lautet die Formulierung dieses Prinzips: „We are thus introduced to a new principle of relativity, which holds that all observers are not led by the same physical evidence to the same picture of the universe, unless their linguistic backgrounds are similar, or can in some way be calibrated.“ (Zitiert nach Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 151.)Google Scholar
  59. 59.
    Für diese vielleicht noch am wenigsten, da sie sich mit dem praktischen Erfolg zufrieden geben kann und in der Regel auch zufriedengibt.Google Scholar
  60. 60.
    Auf genau diese Implikation einer Bewußtwerdung der Perspektivität unserer westlichen Wissenschaften und die geistige Öffnung für die Existenz gänzlich anderer, in sich selbst ebenfalls,vernünftiger` Betrachtungsweisen der Welt verweist Whorf in seinem 1940 veröffentlichten und an ein naturwissenschaftlich-technisch gebildetes Publikum gerichteten Aufsatz über „Naturwissenschaft und Linguistik“, in dem er auch das „linguistische Relativitätsprinzip” formulierte — abgedruckt in Whorf,Sprache, Denken, Wirklichkeit, 7–18.) Noch deutlicher stellt er diese Schlußfolgerung in einem an ein theosophisches Publikum gerichteten Aufsatz heraus: „Sprache, Geist und Wirklichkeit“ — abgedruckt in Whorl; Sprache, Denken, Wirklichkeit, 46–73.Google Scholar
  61. 61.
    Stellvertretend für viele andere zustimmende Stellungnahmen sei nur auf Popper verwiesen: „Ich persönlich finde Benjamin Lee Whorfs Bericht über die Hopi-Indianer und ihre völlig andere Zeitanschauung überzeugend. Doch selbst wenn dieser Bericht unkorrekt sein sollte (was ich für unwahrscheinlich halte), zeigt er Möglichkeiten auf, die weder Kant noch Brouwer jemals in Betracht gezogen haben.“ — Objektive Erkenntnis, 139. Wie unten zu zeigen sein wird, haben sich zentrale empirische Aussagen Whorfs nicht halten lassen. Wissenschaftsexterne Gründe für die wechselnde Konjunktur der Whorfschen Thesen nennt Schlesinger, The Wax and Wane of Whorfian Views, 23f, 30f.Google Scholar
  62. 62.
    Wie Sapir, bei dem er studierte, betont auch Whorf die Notwendigkeit, über den Kreis der „modernen europäischen Sprachen“ (die ja alle auf dem gemeinsamen griechisch-lateinischen Erbe basierten) hinauszugehen und Sprachen zum Vergleich heranzuziehen, die aus einer hiervon unabhängigen Entwicklungslinie stammen. (Diese Zusammenfassung der europäischen Sprachen zur linguistischen Einheit des „Standard Average European” weist Gipper als eine unzulässige Vereinfachung zurück — Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?, 12, 107.) Auf der Basis dieses Erbes beruhe im übrigen auch die Einheitlichkeit des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes, die üblicherweise als Beleg für dessen Gültigkeit interpretiert werde, tatsächlich aber ihrerseits in der sprachlichen Einheit wurzele. Auch dem Wissenschaftler könne daher erst auf dem Hintergrund dieser Sprachvergleiche die spezifische Aufordnung der Welt durch den eigenen Sprachkreis erkennbar werden, und zugleich erschließe sich ihm in der anderen Sprache auch ein neuer Blick auf die Welt (und auf seine eigene Sprache) — Whorl,Sprache, Denken, Wirklichkeit, 10ff, 18, 46ff, 78.Google Scholar
  63. 63.
    Whorl; Sprache, Denken, Wirklichkeit, 74ff.Google Scholar
  64. 64.
    Whorl; Sprache, Denken, Wirklichkeit, IS, 102. (Fragen der Zeitlichkeit werden insbesondere auf den Seiten 15ff, 841f und 102ff angesprochen.)Google Scholar
  65. 65.
    Diese Vorstellung mache zum Beispiel die kulturelle Bedeutung der Betonung vorbereitender Handlungen hei den Hopi verständlich, da auch „die bloße Wiederholung [einer Handlung] nicht verschwendet [ist], denn sie akkumuliert sich“ — Whorf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 93, 89ff; das oben angeführte Zitat stammt von Seite 102.Google Scholar
  66. 66.
    Whorf,Sprache, Denken, Wirklichkeit, 94.Google Scholar
  67. 67.
    Henle, Sprache, Denken und Kultur, 21, 29, 36ff. Weitere empirische Befunde und Stellungnahmen linden sich bei Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 160ff.Google Scholar
  68. 68.
    Zitiert nach Helmut Gipper (Hrsg.), Schriftenverzeichnis Leo Weisgerber. Leo Weisgerber zum 85. Geburtstag, Münster: Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität 1984, 17.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 109ff, 120ff. Das Zitat stammt von Seite 112.Google Scholar
  70. 70.
    Für eine Auseinandersetzung mit logisch-systematischen Einwänden gegen Whorfs These sowie für eine Kritik an seiner Arbeitsweise unter linguistischen Gesichtspunkten sei auf Gipper, Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?, 77ff, verwiesen.Google Scholar
  71. 71.
    Wharf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 12, 20, 52, 77.Google Scholar
  72. 72.
    Wharf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 77, 74, 75, 89, 110.Google Scholar
  73. 73.
    Wharf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 78ff, 98ff. (Die Zitate stammen von Seite 98 bzw. 101 — Hervorhebung W.M..)Google Scholar
  74. 74.
    Vgl. Fritz Schütze, Sprache soziologisch gesehen. Band 1: Strategien sprachbezogenen Denkens innerhalb und im Umkreis der Soziologie, München: Fink 1975, 89, 173, 456f; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 7, 159. Es sollte aber auch nicht übersehen werden, daß sich die stimulierende Wirkung seiner Thesen gerade der einseitigen Zuspitzung seiner Aussagen verdankt.Google Scholar
  75. 75.
    Henle,Sprache, Denken und Kultur, 30.Google Scholar
  76. 76.
    Winfried Franzen, Zum Verhältnis zwischen sprachlichen und kognitiven Schemata, mit Bezug auf neuere Diskussionen zum linguistischen Relativismus (Sapir-Whorf-Hypothese), in: Gerhard Pasternack (Hrsg.), Philosophie und Wissenschaften. Zum Verhältnis von ontologischen, epistemologischen und methodologischen Voraussetzungen der Einzelwissenschaften, Frankfurt u.a.: Lang, 1989, 157–164, hier: 157; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 168.Google Scholar
  77. 77.
    Für eine instruktive Darstellung siehe Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 168ff; siehe auch Dieter Zimmer, So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb, Sprachentstehung, Sprache & Denken, Zürich: Haffmann 1986, 136ff.Google Scholar
  78. 78.
    Eleanor Rasch,Linguistic Relativity, in: http://web.clas.ufl.edu/ cetera, 44, 1987, 254–279, hier v.a.: 274ff.Google Scholar
  79. 79.
    John A. Lucy/Richard A. Shweder, Whorf and His Critics: Linguistic and Nonlinguistic Influences an Color Memory, in: American Anthropologist, 81, 1979, 581–615; Schlesinger, The Wax and Wane of Whorfian Views, 31f; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 152: Anmerkung 162, 163, 212f.Google Scholar
  80. 80.
    Rasch spricht dies in aller Deutlichkeit aus: die Farbforschung sei das einzige Gebiet, in dem ein sprachunabhängiges objektives Maß für die „kontinuierliche physikalische Variable“ der elektromagnetischen Wellen, die den Farbeindruck hervorrufen, verfügbar sei, an dem die je spezifische Aufteilung des Farbkontinuums in den verschiedenen Sprachen leicht festzumachen ist — Linguistic Relativity, 266f. Ähnlich auch Zimmer, So kommt der Mensch zur Sprache, 136. Wissenschaftssoziologisch kann die hier zu beobachtende Problemverschiebung in Richtung auf das methodisch Machbare durchaus als Beispielfall für die Verselbständigung methodischer Überlegungen gegenüber der theoretischen Problemstellung gewertet werden: Nach dieser Zuschneidung der Fragestellung sind einfache experimentelle Designs hervorragend für die empirische Überprüfung,der` These geeignet, während die Frage nach der Beziehung zwischen sprachlichen und kulturellen bzw. Verhaltensmustern äußerst komplexe Feldstudien erfordert, deren Ergebnisse zudem einer einfachen Interpretation sicherlich nicht zugänglich sein würden.Google Scholar
  81. 81.
    Gipper,Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?, 223, 224, 215ff.Google Scholar
  82. 82.
    Vgl. Werlen,Sprache, Mensch und Welt, 156, 186. Einige Autoren verweisen auf die Spannung zwischen naturwissenschaftlicher Logik und religiöser Überzeugung, in der Whorf gestanden und die wesentlich seine Forschungsinteressen mitbestimmt habe. Werlen geht sogar so weit, Whorf als einen „verkappten Mystiker“ zu bezeichnen (Sprache, Mensch und Welt, 156), und in manchen Aussagen seines „theosophischen” Artikels wagt dieser sich in der Tat sehr weit vor (Whorf,Sprache, Denken, Wirklichkeit, z.B. 46ff). Möglicherweise findet sich in dieser Spannung zwischen Wissenschaft und persönlicher Überzeugung ein Grund für das Schwanken Whorfs zwischen den beiden Versionen seiner These: Die (im Sinne Poppers „kühne“) Annahme der strukturellen Bestimmtheit der Erkenntnis durch die Sprache relativiert das — im Widerspruch zu seinem Glauben stehende, aber doch auch von ihm vertretene — westliche wissenschaftliche System stärker, als es ein Verweis auf (inhaltliche) kulturelle Unterschiede vermocht hätte (was seiner aufklärerischen Intention entgegengekommen wäre), doch muß ihm umgekehrt auch die Problematik der starken Version bewußt gewesen sein.Google Scholar
  83. 83.
    Franzen, Zum Verhältnis zwischen sprachlichen und kognitiven Schemata, 157, 158; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 179; Zimmer, So kommt der Mensch zur Sprache, 158ff.Google Scholar
  84. 84.
    Nach Franzen, Zum Verhältnis zwischen sprachlichen und kognitiven Schemata, 158ff; Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 202ff.Google Scholar
  85. 85.
    Johan Galtung/Fumiko Nishimura, Struktur, Kultur und Sprachen: Indoeuropäische, chinesische und japanische Sprachen im Vergleich, in: Leviathan, 12, 1984, 478–505, hier: 479, 504, 497; das Zitat stammt von Seite 497.Google Scholar
  86. 86.
    Shingo Shimada, Überlegungen zur gesellschaftlichen Zeitlichkeitsregelung in Japan, in: Joachim Matthes (Hrsg.), Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs, Göttingen: Schwartz (Soziale Welt, Sonderband 8), 1992, 375–392, hier: 377, 380. Für weitere Belege über das anhaltende Interesse an Whorfs These siehe zum Beispiel den Hinweis bei Gregory Sawin, Investigating the Whorf Hypothesis, in: http://web.clas.ufl.edu/ cetera, 44, 1987, 293f; Schlesinger, The Wax and Wane of Whorfian Views; sowie den Überblick bei Werlen, Sprache, Mensch und Welt, v.a. 20off.Google Scholar
  87. 87.
    Er beklagt umgekehrt, daß die empirischen Fehler Whorfs der Rezeption des Weisgerbersehen Ansatzes sehr geschadet habe, obwohl dieser völlig unabhängig von Whorf und dessen kulturvergleichender Vorgehensweise zu seiner Konzeption gekommen sei — Gip-per,Schriftenverzeichnis Leo Weisgerber, 22.Google Scholar
  88. 88.
    Gipper, Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?, 238, 239. Das Zitat von Whorf stammt aus Sprache, Denken, Wirklichkeit, 20.Google Scholar
  89. 89.
    Gipper, Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?, 240f.Google Scholar
  90. 90.
    Helmut Gipper, Das Sprachapriori. Sprache als Voraussetzung menschlichen Denkens und Erkennens, Stuttgart-Bad Canstatt: Frommann-Holzboog 1987, 7, 8, 16. Anders als bei Kant handelt es sich bei Apel und Gipper nicht um transzendentale Aprioris, die jeglicher Erfahrung vorausgehen, sondern um „Bedingungen der Möglichkeit“, die „aber nur in und mit Erfahrung erworben werden” — a.a.O., 20ff, 283f.Google Scholar
  91. 91.
    Helmut Gipper, Denken ohne Sprache?, in: ders., Denken ohne Sprache?, Düsseldorf: Schwann 1971, 18–35; Gipper, Das Sprachapriori, B. Zu diesem Schluß kommt auch Schmidt, Sprache und Denken als sprachphilosophisches Problem von Locke bis Wittgenstein, 192f. Roman Jakobson berichtet, Albert Einstein habe immer betont, (sein) kreatives Denken erfolge vorsprachlich, nur zu Zwecken der Kommunikation müsse er es in Worte fassen — Einstein und die Wissenschaft der Sprache (1979), in: Elmar Holenstein, Von der Hintergehbarkeit der Sprache. Kognitive Unterlagen der Sprache. Anhang: Zwei Vorträge von Roman Jakobson, Frankfurt: Suhrkamp 1980, 159–170, hier: 159ff.Google Scholar
  92. 92.
    Gipper, Das Sprachapriori, 11, 20.Google Scholar
  93. 93.
    Eine Ausnahme stellt z.B. Gipper dar, soweit er sich auf den Prozeß des Spracherwerbs bezieht — Das Sprachapriori, 150ff. Aber auch in diesem Zusammenhang geht er — wie noch zu zeigen sein wird — von einer Dominanz der (Mutter-)Sprache über die Aktivität des Kindes aus, vollzieht er eben nicht den für Piaget charakteristischen Perspektivenwechsel von der Betrachtung der Institution,Sprache` zum handelnden Individuum.Google Scholar
  94. 94.
    Zur untergeordneten Rolle der Sprache als einem eigenständigen Untersuchungsgegenstand in Piagets Forschung siehe Furth,Intelligenz und Erkennen, 167.Google Scholar
  95. 95.
    Jean Piaget,Sprache und intellektuelle Operationen (1963), in: Furth, Intelligenz und Erkennen, 1981, 176–190, hier: 177, 181, 183f.Google Scholar
  96. 96.
    Piaget,Sprache und intellektuelle Operationen, 182; Hans G. Furth, Denkprozesse ohne Sprache, Düsseldorf: Schwann 1972, 184ff.Google Scholar
  97. 97.
    Piaget,Sprache und intellektuelle Operationen, 185, 187; Piaget, Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde, 346ff; Piaget, Einführung in die genetische Erkenntnistheorie, 57ff; Falke, Jean Piaget über Jean Piaget, 62ff, 92ff; Furth, Intelligenz und Erkennen, 168ff, 190; Furth,Denkprozesse ohne Sprache, 196, 202. Dies bedeutet nicht, daß man nicht auch auf der symbolischen Ebene neue Einsichten gewinnen könne (dagegen sprechen alle Erfahrungen mit,Trockenkursen` aus dem Bildungssektor), aber es verweist nachdrücklich darauf, daß ein erfolgreiches Lernen eine Fundierung auf der Handlungsebene voraussetzt, die nicht sprachlich ist. Furth unterscheidet in diesem Zusammenhang bei Piaget drei Ebenen des Denkens (Denkprozesse ohne Sprache, 193ff): - das „repräsentationale Denken“ der sensomotorischen Phase, das noch direkt mit praktischem Handeln verbunden ist; - das „symbolische Denken”, bei dem sich das Kind der von ihm aufgebauten Symbole (die auch sprachliche Ausdrücke sein können) bedient, ohne auf die Anwesenheit der äußeren Objekte angewiesen zu sein; - das „formale Denken der operationalen Intelligenz“, das nicht mehr ein Denken „in Symbolen” oder „in Bildern“ sei, obwohl diese noch genutzt werden können.Google Scholar
  98. 98.
    Die hier zum Ausdruck gebrachte Abfolge ignoriert nicht, daß auch die Auseinandersetzung mit der Realität bereits in einem kulturell bestimmten Rahmen erfolgt — sie soll aber deutlich machen, daß der inhaltlich prägende Einfluß der Kultur in dieser ersten Phase nur sehr bedingt zum Tragen kommen kann, während umgekehrt beim späteren Erwerb der Sprache der soziale Einfluß so massiv ist, daß anfänglich eigenständige Sprachschöpfungen des Kindes eliminiert werden und daher der Eindruck entsteht, das Kind übernehme fertige Inhalte, es kopiere, während es tatsächlich auch hier eine eigene Aufbauleistung erbringen muß, deren Erfolg allerdings rigoros gesellschaftlich kontrolliert wird.Google Scholar
  99. 99.
    Furth, Intelligenz und Erkennen, 137f.Google Scholar
  100. 100.
    Furth, Denkprozesse ohne Sprache, 94ff, 156ff, 232. Die von ihm in diesem Zusammenhang konstatierte fehlende Förderung des „forschenden Geistes“ wird von Inge Richters „Bericht aus einer lautlosen Welt” indirekt gestützt, indem sie auf die vielen scheinbar willkürlichen Ereignisse verweist, denen sich ein Gehörloser gegenübersieht, weil ihm die akustischen Ankündigungen und Begleiterscheinungen entgehen, so daß für ihn die Frage nach dem „Warum“ gar nicht so erfolgversprechend verfolgt werden und damit auch nicht eine so große Attraktivität gewinnen kann. Richter zeigt auch die Probleme auf, die das Fehlen der Sprachbeherrschung im interaktiven und emotionalen Bereich aufwirft und die leicht als intellektuelle Defizite mißverstanden werden — Leben ohne Sprache — Bericht aus einer lautlosen Welt, in: Henning Kössler (Hrsg.), Sprache. Fünf Vorträge, Erlangen: Universitätsbund Erlangen-Nürnberg 1990, 27–39.Google Scholar
  101. 101.
    Furth, Denkprozesse ohne Sprache, 72, 207. Voraussetzung dafür, daß dies ein Test über den Einfluß der Sprache auf die Ausbildung grundlegender kognitiver Operationen ist, ist, daß die Gehörlosen tatsächlich nicht über Sprache verfügen. Unter Bezug auf eine entsprechende Studie stellt Furth fest, daß „die große Mehrheit der Personen, die taub geboren wurden, nicht einmal nach vielen Jahren intensiven Trainings eine funktionale Sprachkompetenz erlangen“ — a.a.O., 35ff. Furths Schlußfolgerung ist auch nicht mit einem Verweis auf die Existenz einer Zeichensprache der Gehörlosen (die ja durchaus alle Elemente eines ausgebildeten Symbolsystems enthält) zu begegnen: zum einen lernen die meisten Gehörlosen diese Sprache erst, nachdem sie in eine Gehörlosenschule eingeschult wurden (und dort in der Regel nicht systematisch als Teil des Unterrichts, sondern informell von den älteren Mitschülern), zum zweiten und vor allem wäre ihnen die Bedeutung dieser Zeichen nicht zu vermitteln, wenn sie nicht zuvor bereits interne Konzepte für das so Bezeichnete aufgebaut hätten (wie Piaget für die Beziehung zwischen sprachlicher Bezeichnung und inneren Konzepten überzeugend nachgewiesen hat).Google Scholar
  102. 102.
    Whorf, Sprache, Denken, Wirklichkeit, 93ff.Google Scholar
  103. 103.
    Siehe z.B. die Darstellung der Position von Franz Boas, in dessen Tradition Whorf über Sapir steht, bei Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 125ff, v.a. das Zitat auf Seite 132. Vgl. auch die Skizze der Arbeit von Alf Sommerfelt: a.a.O., 102f. Auch Geltung und Nishimura analysieren die Wechselwirkung zwischen Sprache und Kultur und begreifen beide als „Manifestation desselben tiefer liegenden Phänomens“, das sie als „Kosmologie” bezeichnen — Struktur, Kultur und Sprachen, 479.Google Scholar
  104. 104.
    Warnungen vor einer Überschätzung der Bedeutsamkeit der Sprache für Wahrnehmung und Bewußtsein finden sich z.B. bei Hans-Martin Gauger (Sprache und Sprechen im Werk Sigmund Freuds, in: Der Mensch und seine Sprache, o.O.: Propyläen 1979, 48–80, hier: 48ff) und Wolfgang Klein (Der Wahn vom Sprachverfall und andere Mythen, in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, 16, 1986, 11–28, hier: 27f).Google Scholar
  105. 105.
    Gipper, Das Sprachapriori, 175ff. Die nachfolgenden Zitate stammen von Seite 178. Diese Verengung auf die Sprache wird auch deutlich, wenn Gipper nach der Diskussion der physiologischen Grundlagen der Erkenntnis direkt zum Prozeß der Spracherlernung übergeht, ohne die vorgängige Entwicklung kognitiver Operationen, wie wir sie bei Piaget kennengelernt haben, zu erwähnen. Eine Erklärung für dieses Vorgehen könnte darin liegen, daß das „Denken auf höherer, d.h. humaner Stufe“, für ihn untrennbar an Sprache gebunden ist — a.a.O., 158. Damit aber setzt er voraus, was erst zu beweisen ist, denn den von Piaget und Furth analysierten kognitiven Operationen ist schwerlich das spezifisch humane Niveau abzusprechen.Google Scholar
  106. 106.
    Von ganz anderen Überlegungen aus ist auch Luhmann zu diesem Schluß gekommen, wenn er feststellt, „daß Individualität der Sprache vorausgehen muß, wenn ein Grund gegeben sein soll, sie sprachlich auszudrücken“ — Luhmann,Die Autopoiesis des Bewußtseins, 423.Google Scholar
  107. 107.
    Ähnlich differenziert auch Franzen, Zum Verhältnis zwischen sprachlichen und kognitiven Schemata, 160ff.Google Scholar
  108. 108.
    Mario Wandruszka charakterisiert aufgrund einer materialreichen vergleichenden Untersuchung Sprachen als „Erzeugnisse des schöpferischen Spiels aus Zufall und Notwendigkeit, aus Bedürfnis und Gelegenheit“ — Sprache und Sprachen, in: Der Mensch und seine Sprache, o.O.: Propyläen, 1979, 7–47, hier: 38, 43.Google Scholar
  109. 109.
    Dies schließt nicht aus, daß genetische Dispositionen für eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber menschlicher Sprache und ihrer Entwicklung angelegt sind, wofür z.B. die spezifische Reaktion von Säuglingen auf sprachliche Laute spricht. Keineswegs kann aber unterstellt werden, die Säuglinge reagierten bereits auf die Bedeutung des Gesprochenen: diese ist ihnen mit Sicherheit nicht zugänglich. Wichtig scheint in dieser Phase dagegen z.B. die Intonation zu sein, also ein Element der nicht-verbalen Kommunikation — Els Oksaur, Spracherwerb und Kindersprache in evolutiver Sicht, in: Der Mensch und seine Sprache, o.O.: Propyläen 1979, 145–166, hier: 148ff bzw. 151f. Damit bettet auch Oksaar die Sprache in das umfassendere Netz der kulturell geprägten Interaktionen ein.Google Scholar
  110. 110.
    Gipper, Das Sprachapriori, 162; Okcaur, Spracherwerb und Kindersprache in evolutiver Sicht, 157f.Google Scholar
  111. 111.
    Vgl. die ausführliche Darstellung in Abschnitt 11/2.3.Google Scholar
  112. 112.
    Die erstere Kontrastierung läuft Gefahr, die Sprache zu hypostasieren, sie von ihrer historischen Entwicklung und von ihrer Einbettung in das Sprech-Handeln der Mitglieder der Sprachgemeinschaft abzukoppeln.Google Scholar
  113. 113.
    Dabei wurde die Beziehung zwischen „Sprache“ und „Realität” im Handeln anderer Personen (in der Vergangenheit) hergestellt, während die beiden anderen Beziehungen auf der Aktivität des Individuums beruhen.Google Scholar
  114. 114.
    So daß Furth zu dem Schluß kommt, hier handele es sich nicht um ein Verführen des Denkens durch die Sprache, sondern um einen Mangel an Denken — Denkprozesse ohne Sprache, 57f. (Dies macht zugleich deutlich, daß „Denken“ nicht auf das Vollziehen formaler Operationen zu reduzieren ist — wie es bei Piaget anklingen mag -, daß es vielmehr auch vom konkreten Wissen um spezifische Tatbestände abhängt.)Google Scholar
  115. 115.
    Siehe auch die Kritik an Weisgerbers Analyse über den „inhumanen Akkusativ“ — Werlen, Sprache, Mensch und Welt, 120ff. Rosch verweist auf absurde Interpretationen, die leicht entstehen können, wenn sprachliche Besonderheiten mit kulturellen Charakteristika in einen Zusammenhang gebracht werden — Linguistic Relativity, 256f. Dies ist auch der Tenor des Artikels von Wundruszka, Sprache und Sprachen.Google Scholar
  116. 116.
    Franzen,Zum Verhältnis zwischen sprachlichen und kognitiven Schemata, 157, 158. In dieselbe Richtung weisen auch von Humboldts Formulierung, man könne in jeder Sprache alles ausdrücken, aber es „begeistert nicht jede zu jedem“, sowie die Feststellung Charles F. Hocketts, Sprachen unterschieden sich v.a. in der „relativen Leichtigkeit”, mit der sich bestimmte Dinge in ihnen ausdrücken lassen — zitiert nach Werlen,Sprache, Mensch und Welt, 57 bzw. 161.Google Scholar
  117. 117.
    Damit sollen natürlich sowohl subkulturelle Differenzen im Sprachangebot` als auch individuelle Unterschiede in der,Rezeption` dieses Angebotes nicht übersehen werden, doch treten sie im Vergleich verschiedener Sprachen in ihrer Bedeutsamkeit zurück.Google Scholar
  118. 118.
    Dies leugnet nicht die natürlich immer vorhandenen interkulturellen Einflüsse und Austauschprozesse, doch sind diese in der Regel nicht in der Lage, die eigene Betrachtungsweise grundsätzlich in Frage zu stellen.Google Scholar
  119. 119.
    Hinsichtlich der Probleme, die dies im alltagsweltlichen wie auch im wissenschaftlichen Umgang mit dem Fremden aufwirft, siehe z.B. Matches, Zwischen den Kulturen?.Google Scholar
  120. 120.
    Vgl. hierzu Karl Mannheims Analyse der Entstehung der Wissenssoziologie, vor allem in: Ideologie und Utopie, Frankfurt: Klostermann 1985 (1929/1936), 7ff.Google Scholar
  121. 121.
    Hierauf weist z.B. Bernhard Susser in seiner Analyse der Kritik an der Wissenssoziologie durch Leo Strauss und Karl R. Popper hin — The Sociology of Knowledge and its Enemies, in: Inquiry, 32, 1989, 245–260, v.a. 247, 257f. Vgl. auch die nachfolgende Diskussion des Relativismus-Vorwurfs gegenüber Mannheim.Google Scholar
  122. 122.
    Und ihn damit, wie Mannheim feststellt, in der damaligen gesellschaftlichen Situation zu einem machtvollen Instrument der politischen Auseinandersetzung formen •- Ideologie und Utopie, 37.Google Scholar
  123. 123.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 70; Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 662; Karl Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens (1925), in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, Neuwied/Berlin: Luchterhand, 1970, 308–387, hier: 324f. (Um diese posthum von Kurt H. Wolff herausgegebene Aufsatzsammlung von dem früheren Aufsatz mit demselben Titel zu unterscheiden, werde ich sie im folgenden mit ihrem Untertitel und beide mit ihrem jeweiligen Erscheinungsjahr zitieren.)Google Scholar
  124. 124.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 55; Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 660f; Mannheim, Ideologie und Utopie, 70f.Google Scholar
  125. 125.
    Karl Mannheim, Die Strukturanalyse der Erkenntnistheorie (1922), in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, 1970, 166–245, hier: 198; Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 312, 375; Karl Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen (1928), in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, 1970, 566–613, hier: 582. Vgl. auch die Auflistung unterschiedlicher Konzeptualisierungen durch Robert K. Merton, die diesen von Mannheims „failure to specify the type or mode of relation between social structure and knowledge“ sprechen lassen — Karl Mannheim and the Sociology of Knowledge, in: ders., Social Theory and Social Structure. Enlarged Edition, New York/London: Free Press/Collier Macmillan 1968, 544–562, hier: 552ff.Google Scholar
  126. 126.
    Vgl. Mannheim, Ideologie und Utopie, 46f; David KettlerNolker Meja/Nico Stehr, Karl Mannheims frühe kultursoziologische Arbeiten, in: Karl Mannheim, Strukturen des Denkens, Frankfurt: Suhrkamp 1980, 9–31, hier: 9f.Google Scholar
  127. 127.
    Mannheim, Die Strukturanalyse der Erkenntnistheorie, 196ff; s.a. Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 308ff; Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 570.Google Scholar
  128. 128.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 348 (Hervorhebung W.M.), 309.Google Scholar
  129. 129.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 310. Das Thema der „Widerständigkeit“ der Realität, das uns bereits in der Diskussion von Piaget, Dux und Mead begegnete, wird auch von Mannheim aufgegriffen — er wendet es allerdings sogleich auf die kollektive kognitive Bewältigung in der Gruppe, ohne die ontogenetische Betrachtungsweise zu verfolgen.Google Scholar
  130. 130.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 73, 109.Google Scholar
  131. 131.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 32f, 109. Hier scheinen in der Entwicklung eines kollektives Weltbildes interessante Parallelen zu den oben angestellten Überlegungen im Hinblick auf die Ausbildung einer Wirklichkeitsvorstellung beim Kind im und durch das Handeln auf: vgl. die Abschnitte 11/2.2. und 11/2.3. Die Bedeutung des gemeinsamen Erlebnishintergrundes für die Ausbildung eines spezifischen Denkstils hat Karl Mannheim in einem unveröffentlichten Aufsatz zu dem Konzept des „konjunktiven Denkens“ geführt — Eine soziologische Theorie der Kultur und ihrer Erkennbarkeit (Konjunktiven und kommunikatives Denken) (1924/25), in: ders., Strukturen des Denkens, 1980, 155–322.Google Scholar
  132. 132.
    Karl Mannheim, Beiträge zur Theorie der Weltanschauungs-Interpretation (1921/22), in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, 1970, 91–154, hier: 150f; Mannheim, Ideologie und Utopie, 41, 55. Einer Auseinandersetzung mit Max Webers Konzept eines „verstehenden Erklärens“ weicht Mannheim leider aus: Mannheim, Beiträge zur Interpretation der Weltanschauungs-Interpretation, 150; Karl Mannheim, Ideologische und soziologische Interpretation der geistigen Gebilde (1926), in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, 1970, 388–407, hier: 405.Google Scholar
  133. 133.
    Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 574.Google Scholar
  134. 134.
    Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 575; Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 672.Google Scholar
  135. 135.
    Mannheim selbst merkt an, daß die Soziologie des Wissens „eigentlich Soziologie der Erkenntnis heißen müßte“ — Das Problem einer Soziologie des Wissens, 385. Bereits in der Einleitung hatte ich auf Mannheims Herausarbeitung des Wechselverhältnisses zwischen den „fundierenden Überlegungen” der Erkenntnistheorie und den „Tatsachenfeststellungen“ der Fachwissenschaften verwiesen, die ihrerseits wieder eine Basis der ersteren darstellen — Wissenssoziologie, 1931, 668ff. Dieser weitergehende Anspruch Mannheims wird in der Rezeption der Mannheimschen Wissenssoziologie immer wieder herausgestellt: vgl. Louis Wirth, Vorwort zur englischen Ausgabe (1936), in: Mannheim, Ideologie und Utopie, 1985, IX-XXVII, hier: XXVf; Nico StehrNolker Meja, Zur gegenwärtigen Lage wissenssoziologischer Konzeptionen, in: dies. (Hrsg.), Der Streit um die Wissenssoziologie. Zweiter Band: Rezeption und Kritik der Wissenssoziologie, Frankfurt: Suhrkamp Suhrkamp 1982, 893–946, hier: 894, 913; Nico StehrNolker Meja, Sozialwissenschaftlicher und erkenntnistheoretischer Diskurs: Das Problem des Relativismus, in: Soziale Welt, 36, 1985, 261–270.Google Scholar
  136. 136.
    Mannheim,Die Strukturanalyse der Erkenntnistheorie, 196 (Hervorhebung W.M.). Mit „Systematisierung“ meint Mannheim dabei den inneren Verweisungszusammenhang, der mit einem jeden Begriff notwendig verbunden ist und durch den zugleich eine bestimmte Geltungssphäre konstituiert wird — a.a.O., 179, 171 ff.Google Scholar
  137. 137.
    Mannheim, Die Strukturanalyse der Erkenntnistheorie, 196. In seiner noch in Budapest eingereichten Dissertation nimmt Mannheim eine historische Relativierung vor — seine Hinwendung zur Soziologie erfolgte erst nach seiner Emigration nach Deutschland und seinen Kontakten mit der Soziologie in Heidelberg.Google Scholar
  138. 138.
    Mannheim,Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 569f, 573; Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 324f.Google Scholar
  139. 139.
    Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 662, 673, v.a. 676. Vgl. die Interpretation bei Stehr/ Meja,Zur gegenwärtigen Lage wissenssoziologischer Konzeptionen, 899, 913 (Anmerkung 69).Google Scholar
  140. 140.
    So z.B. in Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 311ff; Mannheim, Ideologie und Utopie, 7ff, 29f.Google Scholar
  141. 141.
    Vgl. hierzu Nico StehrNolker Meja (Hrsg.), Der Streit um die Wissenssoziologie, 2 Bände, Frankfurt: Suhrkamp 1982; einen Überblick gibt die Einleitung der beiden Herausgeber: Zum Streit um die Wissenssoziologie, in: a.a.O., Erster Band: Die Entwicklung der deutschen Wissenssoziologie, II-23.Google Scholar
  142. 142.
    Mannheim,Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 574. Welche erkenntnistheoretischen Probleme mit dieser Einsicht verknüpft sind und inwieweit sie selbst als Einwand gegen die Wissenssoziologie gewendet wurde, wird uns im folgenden noch beschäftigen. Die Tatsache, daß Max Scheler diesen Schritt zur Selbstbezüglichkeit nicht vollzieht, wird für Mannheim zu einem zentralen Einwand gegen dessen Entwurf einer Wissenssoziologie — Das Problem einer Soziologie des Wissens, 370.Google Scholar
  143. 143.
    Siehe Meja/Stehr,Zum Streit um die Wissenssoziologie, 14ff.Google Scholar
  144. 144.
    Mannheim,Ideologie und Utopie, 38.Google Scholar
  145. 145.
    Mannheim, Die Strukturanalyse der Erkenntnistheorie, 200; s.a. 174. Eine analoge Argumentation findet sich bei Max Weber hinsichtlich des Verhältnisses zwischen der (freien) Wertentscheidung für die Wissenschaft und der „nachfolgenden` Verbindlichkeit ihrer Normen — Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis (1904), in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen: Mohr (Siebeck) 1968, 146–214, hier: 184, 213.Google Scholar
  146. 146.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 311.Google Scholar
  147. 147.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 72.Google Scholar
  148. 148.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 311; Mannheim, Ideologie und Utopie, 72; Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 570.Google Scholar
  149. 149.
    Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 670.Google Scholar
  150. 150.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 354ff, 368ff. Dieses Phänomen hat übrigens auch Max Weber im Blick, wenn er von der „ewigen Jugendlichkeit“ spricht, die den historischen Disziplinen zu eigen sei, da sich ihre Fragestellungen und Begrifflichkeiten um immer wieder neue gesellschaftliche Wertideen herum ausbilde und verändere — Die „Objektivität” sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, 206ff, 214.Google Scholar
  151. 151.
    Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 601; Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 326.Google Scholar
  152. 152.
    Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 327, 357, 359.Google Scholar
  153. 153.
    So z.B. in den zitierten Schriften von Stehr, Meja und Kettler. Eine Ausnahme bildet dagegen Kurt H. Wolff, der knapp konstatiert: „Auf dieser Stufe seines Denkens besteht er also gleichzeitig auf der Geschichtlichkeit geistiger Gebilde und auf einer unrelativierten, absoluten Weltstruktur, und wir werden sehen, daß sich das auch später nicht ändert” — Karl Mannheim, in: Dirk Käsler (Hrsg.), Klassiker des soziologischen Denkens, Band IL Von Weber bis Mannheim, München: Beck 1978, 286–387, hier: 293f. Ähnlich auch Derek L. Phillips, dem aber umgekehrt Mannheims Mut zum Relativismus nicht weit genug geht und der ihm eine Art „lingering positivism“ zuschreibt — Epistemology and the Sociology of Knowledge: The Contributions of Mannheim, Mills, and Merton, in: Theory and Society, I, 1974, 59–88, hier: 67.Google Scholar
  154. 154.
    Mannheim, Beiträge zur Theorie der Weltanschauungs-Interpretation, 129, 137; Mann- heim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 356, 357 (Hervorhebungen W.M.).Google Scholar
  155. 155.
    Direkt zuvor hatte Sombart Mannheims Klarstellung begrüßt, daß er „die Objektivität des Seins nicht abhängig macht von den Subjekten der Erkenntnis — das ist das Entscheidende“ — Verhandlungen des Sechsten Deutschen Soziologentages vom 17. bis 19. September 1928 in Zürich. Vorträge und Diskussionen in der Hauptversammlung und in den Sitzungen der Untergruppen, Tübingen: Mohr (Siebeck) 1929, 93. Die Tatsache, daß dies ausdrücklich herausgestellt werden mußte, zeigt, daß die auch heute noch vorherrschende einseitige Wahrnehmung Mannheims als allein den Konstitutionsaspekt des Erkennens betonend bereits damals ihre Vertreter fand. (Die in der Diskussion und in der nachfolgenden Rezeption zum Ausdruck kommenden sehr unterschiedlichen, z.T. widersprüchlichen Interpretationen dieses Vortrages sind ihrerseits aber auch ein Lehrstück für das konstitutive Element im Prozeß der Bedeutungszuschreibung in der wissenschaftlichen Diskussion — vgl. die informative Zusammenfassung bei Meja/Stehr, Zum Streit um die Wissenssoziologie, 13ff.)Google Scholar
  156. 156.
    Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 670, 672ff.Google Scholar
  157. 157.
    Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 674.Google Scholar
  158. 158.
    im Gegenteil: die Teilnahme am Sozialprozeß sei eine unerläßliche Vorbedingungen für die Fähigkeit, diesen zu verstehen und zu analysieren — Mannheim, Ideologie und Utopie, 42.Google Scholar
  159. 159.
    Mannheim, Ideologie und Utopie, 42ff, 165ff; Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 674ff; Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 370f. Wissenschaftspolitisch stellt Mannheim sich hier in die Tradition des Comteschen Programms der Soziologie als Orientierungswissenschaft seiner Zeit, indem er der Wissenssoziologie im gesellschaftlichen Prozeß die Aufgabe zuweist, durch das Aufzeigen je partikularer Begrenzungen einzelner Perspektiven eine Synthese vorzubereiten, die zwar keine „absolute Synthese“ im Sinne absoluter Wahrheit darstellen könne, die aber auf einer verschiedene Perspektiven umfassenden Ebene zu einem (vorläufigen) Konsens führen könne — Mannheim, Das Problem einer Soziologie des Wissens, 369f; Mannheim, Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen, 607f; Mannheim, Wissenssoziologie, 1931, 665; Mannheim, Ideologie und Utopie, 3f, 42ff, I64ff. Diese Aufgabenbestimmung zieht sich, wie auch Wolff betont, durch Mannheims gesamtes Werk — Karl Mannheim, z.B. 322, 326, 343, 359.Google Scholar
  160. 160.
    Kettler/Meja/Stehr (Karl Mannheims frühe kultursoziologische Arbeiten, 20f) sehen hier eine Unvereinbarkeit zwischen Mannheims Feststellung, daß in bestimmten Bereichen ein standortfreies Wissen gar nicht möglich sei, und dieser Hoffnung auf eine Synthese verschiedener Perspektiven — sie übersehen dabei allerdings, daß Mannheim, wie erwähnt, nicht eine,absolute Synthese’ anstrebt, sondern daß es sich immer nur um eine „relative Befreiung“, um eine „Erweiterung des Blickfeldes” handeln kann. Es wird hier aber deutlich, daß in Mannheims Denken implizit ein Entwicklungsaspekt der Erkenntnis enthalten ist, dessen Endpunkt jedoch nicht in einer absoluten Wahrheit bestehen kann, da auch die Seinsgebundenheit der Synthese nicht zu überwinden ist. Als wissenschaftsexternen Grund für diese Erwartung Mannheims (wie auch für seine Ablehnung der „relativistischen Implikationen der Wissenssoziologie“) führen Stehr und Meja an, „daß Mannheims moralische Verpflichtungen in erster Linie einer (nicht allzu fernen) Gesellschaft galten, in der gesellschaftliche Harmonie und geistiger Konsensus vorherrschen würden”, in der durch das Zusammenfallen von Sein und Bewußtsein die Wissenssoziologie sich selbst aufhebe. Da sie selber jedoch auch für die Zukunft ein Fortbestehen der Konfliktbeziehungen in den Gesellschaften erwarten, halten sie es dagegen für sinnvoller, sich dem Relativismus-Problem offensiver zu stellen und die Wissenssoziologie zu radikalisieren —Zur gegenwärtigen Lage wissenssoziologischer Konzeptionen, 918.Google Scholar
  161. 161.
    Vgl. Merton, Karl Mannheim and the Sociology of Knowledge, 558ff; Stehr/Meja, Zur gegenwärtigen Lage wissenssoziologischer Konzeptionen, 899ff.Google Scholar
  162. 162.
    Michael Mulkay, Wissen und Nutzen. Implikationen für die Wissenssoziologie, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 52–72, hier: 52ff; Nico StehrNolker Meja, Wissen und Gesellschaft, in: dies., Wissenssoziologie, 1981, 7–19, hier: 14ff. Das in dieser Entwicklung steckende Potential wurde sehr früh schon von Leopold Ro- senmayr (Max Scheler, Karl Mannheim und die Zukunft der Wissenssoziologie, in: Al- phons Silbermann (Hrsg.), Militanter Humanismus. Von den Aufgaben der modernen Soziologie, Frankfurt: Fischer 1966, 200–231, hier: 225, 230f) und von Joachim Matther (Hat die Wissenssoziologie eine Zukunft?, Antrittsvorlesung Universität Münster 1967) erkannt.Google Scholar
  163. 163.
    Vgl. Peter Weingart,Wissenschaftsforschung und wissenschaftsoziologische Analyse, in: ders. (Hrsg.), Wissenschaftssoziologie I. Wissenschaftliche Entwicklung als sozialer Prozeß, Frankfurt: Suhrkamp 1972, 11–42, v.a. 26ff; Mario Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science: Part 1/Part 2, in: Philosophy of the Social Sciences, 21/22, 1991/92, 524–560/46–76, hier: Part 1, 525ff.Google Scholar
  164. 164.
    So Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 1, 534.Google Scholar
  165. 165.
    Robert K. Merton Wissenschaft und demokratische Sozialstruktur (1962), in: Weingart, Wissenschaftssoziologie 1, 1972, 45–59, hier: 48.Google Scholar
  166. 166.
    Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Angesichts der breiten Vertrautheit mit dem Kuhnschen Werk begnüge ich mich im folgenden mit einer Skizze der Grundzüge seiner Argumentation, ohne sie im Detail zu belegen. In seinem Postscript zu einer Neuauflage seines,Revolutions-Buches’ von 1969 hat Thomas Kuhn zwar in Reaktion auf kritische Einwendungen Zugeständnisse an seine Kritiker gemacht, doch betreffen diese nicht den hier relevanten Grundgedanken seiner Arbeit — Postscript — 1969 zur Analyse der Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (1970), in: Weingart, Wissenschaftssoziologie 1, 1972, 287–319.Google Scholar
  167. 167.
    Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, 160, 163ff, 172. Eine sehr schöne Illustration dieser allgemeinen Aussage Kuhns findet sich in der Wiedergabe einer Interviewpassage, die Gilbert und Mulkay aus einem Projekt über einen Paradigmenwechsel in der Chemie anführen: „Und für uns war sein Beitrag sehr wichtig, weil er unser Denken zu verändern begann. Wir fingen an, in Begriffen von Abteilungen zu denken, von etwas, was eher einer geschlossenen Struktur glich als dem, was ich als Biochemiker gewohnt war, der mit Enzymen und mit lösbaren Systemen arbeitete. Dies war der zentrale Ausgangspunkt. Von genau diesem Punkt an dachten wir in Begriffen von Abteilungen.“ — Die Rechtfertigung wissenschaftlicher Überzeugungen, 215.Google Scholar
  168. 168.
    Mannheim Das Problem einer Soziologie des Wissens, 354ff, 368ff; vgl. oben Abschnitt II/3.4.1.Google Scholar
  169. 169.
    Vgl. Popper Objektive Erkenntnis, 55ff, 376ff, passim. Hinsichtlich Kuhns Realitätsverständnis vgl. Abschnitt 111/2.1, Fußnote 3.Google Scholar
  170. 170.
    Eine genauere Bestimmung der Art des Kuhnschen Einflusses auf diese Richtung nimmt Ralf 7wenhOlel vor — Wissenschaftliches Handeln. Aspekte und Bestimmungsgründe der Forschung, Berlin/New York: de Gruyter 1991, I67f.Google Scholar
  171. 171.
    Diese Liste ließe sich um Namen wie Andy Pickering, H.M.Collins u.a. problemlos erweitern, doch mag diese Nennung geniigen, um das Spektrum dieses Forschungsgebietes aufzuzeigen.Google Scholar
  172. 172.
    Parallelen zu der hier vorgetragenen Darstellung und Kritik finden sich in den (nach Fertigstellung dieses Manuskriptes erschienenen) Beiträgen von Bettina Heintz (Wissenschaft im Kontext. Neuere Entwicklungstendenzen der Wissenschaftssoziologie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 45, 1993, 528–552) und Raimund Hasse/Georg Krücken/Peter Weingurt (Laborkonstruktivismus. Eine wissenschaftssoziologische Reflexion, in: Gebhard Rusch/Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Konstruktivismus und Sozialtheorie. Delfin 1993, Frankfurt: Suhrkamp 1994, 220–262). Der Schwerpunkt beider Aufsätze liegt allerdings in der Diskussion der wissenschaftssoziologischen Leistungsfähigkeit dieser Positionen, während sie die erkenntnistheoretischen Implikationen mehr (Hasse u.a., 222) oder weniger (Heintz) ausklammern.Google Scholar
  173. 173.
    Auch sie bilden keine in sich völlig homogene Gruppe, doch sind ihre Gemeinsamkeiten stark genug, um sie deutlich von den anderen Forschergruppen abzusetzen. Ich werde mich im folgenden im wesentlichen mit der Position von David Bloor auseinandersetzen.Google Scholar
  174. 174.
    Larry Laudon The Pseudo-Science of Science?, in: Philosophy of the Social Sciences, 11, 1981, 173–198, hier: 192.Google Scholar
  175. 175.
    Zitiert nach Jaynes Robert Brown Introduction: The Sociological Turn, in: ders. (Hrsg.), Scientific Rationality: The Sociological Turn, Dordrecht u.a.: Reidel 1984, 3–40, hier: 9.Google Scholar
  176. 176.
    David Bloor Knowledge and Social Imagery, Chicago/London: University of Chicago Press 1991 (1976), 3; das erste Zitat stammt von Seite 4.Google Scholar
  177. 177.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 5. Bloor betont zwar zugleich die Notwendigkeit, dieses kollektiv vertretene Wissen vom nur individuell und idiosynkratisch gehaltenen Glauben („belief’) abzusetzen, doch behandelt er selbst noch auf derselben Seite beide Begriffe als austauschbar, und Brown setzt sie, unter Berufung auf den üblichen Sprachgebrauch unter den Soziologen wissenschaftlichen Wissens, explizit gleich — Introduction: The Sociological Turn, 24, Anmerkung I.Google Scholar
  178. 178.
    Wie die Reaktionen auf dieses Programm zeigen, ist diese Herausforderung der traditionellen Ansprüche der Philosophie von deren Vertretern auch als eine solche verstanden worden — siehe z.B. die Diskussion in Philosophy of the Social Sciences 11, 1981, 173ff; Brown Scientific Rationality: The Sociological Turn; Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science.Google Scholar
  179. 179.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 10ff.Google Scholar
  180. 180.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 157; s.a. 5, 160. Damit verfolgt Bloor offensichtlich die Strategie, eine radikal-soziologische These (der sozialen Determination allen Wissens) unter Anwendung einer Methodologie, die sich ausdrücklich am Idealbild der Naturwissenschaften orientiert, durchzusetzen.Google Scholar
  181. 181.
    David Bloor Afterword. Attacks on the Strong Programme, in: ders., Knowledge and Social Imagery, Second Edition, 1991, 163–185, hier: 183. Der Vorwurf der Wissenschaftsfeindlichkeit ist in der Tat vehement erhoben worden: Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 2, 66ff. Der Schlußsatz von Trevor Pinch’ Überblicksartikel drückt zwar keine Wissenschaftsfeindlichkeit aus, doch offenbart er, daß die Neuorientierung in der neueren Wissenschaftssoziologie (wie nach Kuhn zu erwarten) auch mit einer wissenschaftspolitischen Zielsetzung verbunden ist: „The demythologising of science and technology is surely needed if we are ever to reassert democratic control over these institutions.“ — The Role of Scientific Communities in the Development of Science, in: Impact of Science on Society, 159, 1990, 219–225, hier: 225.Google Scholar
  182. 182.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 7.Google Scholar
  183. 183.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 5.Google Scholar
  184. 184.
    Z.B. David Bloor The Strengths of the Strong Programme, in: Philosophy of the Social Sciences, 11, 1981, 199–213, hier: 201; David Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie: Durkheim und Mauss neu betrachtet, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 20–51, hier: 31f.Google Scholar
  185. 185.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 20f, 43f; Emile Durkheim/Marcel Mauss Über einige primitive Formen von Klassifikation. Ein Beitrag zur Erforschung der kollektiven Vorstellungen (1901/02), in: Emile Durkheim, Schriften zur Soziologie der Erkenntnis, Frankfurt: Suhrkamp 1987, 169–256; Emile Durkheim Die elementaren Formen des religiösen Lebens (1912), Frankfurt: Suhrkamp 1981, v.a. 27ff, 577ff. Bloor übersieht hier allerdings eine grundsätzliche Differenz zwischen seinem Ansatz und dem von Durkheim und Mauss: während letztere eine Entsprechung zwischen der Sozialstruktur und den Vorstellungsinhalten nachzuweisen versuchen (wie sie sich z.B. in der sozialen Organisation eines Stammes und der parallelen Organisation der Tier- und Pflanzenwelt oder in der räumlichen Aufteilung der Klans im Lager und der kognitiven Organisation der Himmelsrichtungen niederschlägt), beziehen sich Bloors Beispiele auf die Übereinstimmung der kognitiven Vorstellungen in der Gesellschaft mit den kognitiven Vorstellungen im Subsystem „Wissenschaft“. Insofern erweist sich der Bezug auf Durktion von Dingen werde die Klassifikation von Menschen reproduziert”, mit eigenem Material zu untermauern — als ein rhetorischer Kunstgriff, der dem Klassiker die Referenz erweist und zugleich den eigenen Anspruch mit höheren Weihen versieht, dem eigenen Argument aber gar nicht entspricht. Das Bloor und Durkheim eigentlich Verbindende besteht vielmehr in der wissenschaftspolitischen Zielsetzung, über die Allgegenwart des Sozialen die (Wissens)Soziologie als eine Schlüsseldisziplin zu etablieren.Google Scholar
  186. 186.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 33, 21ff. Charakteristisch für Bloors ambivalente Verwendung wissenschaftstheoretischer Topoi ist die frappierende (aber nicht explizierte) Parallele dieser Ausführungen zu der von Imre Lakatos vorgenommenen Differenzierung theoretischer Sätze in „hard core“ und „protection belt”, die im Falle einer Falsifikation unterschiedlich leicht vom Forscher aufgegeben werden — für Lakatos fällt die Entscheidung über das Festhalten bzw. Ablehnen dieser Annahmen jedoch anhand rationaler und nicht anhand sozialer Gründe, während Bloor nur letztere gelten läßt — für eine knappe Darstellung von Lakatos Position vgl. Werner Diederichs Einleitung, in: ders. (Hrsg.), Theorien der Wissenschaftsgeschichte. Beiträge zur diachronen Wissenschaftstheorie, Frankfurt: Suhrkamp 1974, 7–51, hier: 14.Google Scholar
  187. 187.
    Michael Mulkay Wissen und Nutzen. 68; ebenso Barry S. Barnes Über den konventionellen Charakter von Wissen und Erkenntnis, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 163–190, hier: 165, 174, 180, 183; Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 29, 31f; Brown Introduction: The Sociological Turn, 12.Google Scholar
  188. 188.
    Bloor The Strengths of the Strong Programme, 201f. Vgl. H.M.Collins The Seven Sexes: A Study of the Sociology of a Phenomenon, or the Replication of Experiments in Physics, in: Sociology, 9, 1975, 205–225.Google Scholar
  189. 189.
    floor The Strengths of the Strong Programme, 203; s.a. Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 49, Anmerkung 64. Eine detaillierte Kritik an der mangelnden Klärung des für das „strong programme“ zentralen Begriffes des „Interesses” enthält die Arbeit von Twenhlifel Wissenschaftliches Handeln, 184ff.Google Scholar
  190. 190.
    Für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Studien siehe die Hinweise in Brown Introduction: The Sociological Turn, 13ff. Brown führt auch ein allgemeines Argument von Vertretern einer rationalistischen Position gegen die Beweiskraft dieser Fallstudien an: sie seien nur,Betriebsunfälle, die die wissenschaftstheoretische Regel einer rational begründeten Vorgehensweise nicht erschüttern könnten. Ein ähnliches Argument bringt auch Bunge vor, wenn er auf eine untypische Auswahl von Fallbeispielen verweist — A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 2, 62ff.Google Scholar
  191. 191.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 34ff.Google Scholar
  192. 192.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 36, 37.Google Scholar
  193. 193.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 39.Google Scholar
  194. 194.
    Bloor The Strengths of the Strong Programme, 199f; Bloor Afterword, 166. Vgl. dagegen Laudon The Pseudo-Science of Science?, 194f.Google Scholar
  195. 195.
    Bloor The Strengths of the Strong Programme, 200 (Hervorhebung W.M.), 199f.Google Scholar
  196. 196.
    Bloor Afterword, 166.Google Scholar
  197. 197.
    Bloor Afterword, 171f.Google Scholar
  198. 198.
    Vgl. hierzu Tenbruck Die unbewältigten Sozialwissenschaften oder Die Abschaffung des Menschen. Analoges ließe sich auch hinsichtlich des naturwissenschaftlichen Weltbildes oder technologischer Denkstile aufzeigen — man denke nur an Computer-Metaphern, die schon nach wenigen Jahren selbstverständlicher Bestandteil der Alltagssprache geworden sind.Google Scholar
  199. 199.
    Zu dieser Kritik siehe auch Gad Freudenthal (Wissenssoziologie der Naturwissenschaften: Bedingungen und Grenzen ihrer Möglichkeit, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 153–162, hier: 161, Anmerkung 8) und Klaus Fischer (Das Erklärungspotential der Wissenschaftssoziologie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 34, 1982, 54–68, hier: 62f).Google Scholar
  200. 200.
    Vorsichtiger als Bloor äußert sich Paul Forman der in einem in der Soziologie wissenschaftlichen Wissens immer wieder als Beleg für soziale Determination angeführten Studie zwar feststellt, daß die öffentliche Darstellung wesentlicher Elemente der Quantenmechanik sich an kulturellen Werten der damaligen (anti)intellektuellen Stimmung in Deutschland ausgerichtet habe (und zur physikalischen Theorie sogar in Widerspruch stehe), doch betont er auch, daß dies „die Frage der sozialen Konstruktion von Realität nicht so direkt [berührt], wie man zunächst annehmen könnte. Sie sagt weder etwas über die praktische Tätigkeit der Physiker im Labor noch über deren Theorien als Darstellungen der Wirklichkeit. Sie ist vielmehr eine Meta-Meta-Aussage, eine Aussage über die Aussagen, die Physiker über ihre Wirklichkeitsdarstellungen machen.“ — Kausalität, Anschaulichkeit und Individualität oder Wie Wesen und Thesen, die der Quantenmechanik zugeschrieben, durch kulturelle Werte vorgeschrieben wurden, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 393–406, hier: 404. Zur inhaltlichen Kritik an Formans Studie siehe Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part I, 540ff.Google Scholar
  201. 201.
    Vgl. hierzu auch Laudon The Pseudo-Science of Science?, 179ff.Google Scholar
  202. 202.
    Twenhütel Wissenschaftliches Handeln, 200ff.Google Scholar
  203. 203.
    Bloor The Strengths of the Strong Programme, 199 (Hervorhebung W.M.).Google Scholar
  204. 204.
    Zwar wird in verschiedenen Texten der Soziologie wissenschaftlichen Wissens das Problem der Selbstreflexivität ausdrücklich diskutiert (vgl. Abschnitt 3.4.3; auch Bloor bekennt sich in seinem oben zitierten vierten Grundsatz ausdrücklich dazu), doch konnte ich in den von mir herangezogenen Arbeiten Bloors eine solche Selbstreflexion auf die sozialen Interessen, die seinen eigenen wissenschaftlichen Überzeugungen zugrundeliegen, nicht finden. (Diese Leerstelle versucht Bunge zum Schluß seiner Zurückweisung der „neuen Wissenschaftssoziologie“ mit einem eigenen, nicht eben freundlichen Interpretationsangebot aufzufüllen — A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 2, 72f.)Google Scholar
  205. 205.
    In der Unreflektiertheit dieses Selbstwiderspruches und der darin verborgenen Konsequenzen für seinen Ansatz stellt der Wissenschaftssoziologe Bloor selber eine vorzügliche Illustration der von Gilbert und Mulkay beobachteten Differenz in der (rationalen) Begründung eigener Theorieentscheidungen bzw. der Zuschreibung (nicht-rationaler) Motive bei konkurrierenden Forschern in der Chemie dar — Die Rechtfertigung wissenschaftlicher Überzeugungen, v.a. 217–222.Google Scholar
  206. 206.
    So z.B. Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 2, 46ff.Google Scholar
  207. 207.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 160, 168f. Auch bei Barnes zeigt sich die positive Bewertung der relativistischen Position, wenn er von einer „angemessenen relativistischen Analyse von Wissen und Kultur“ spricht — Über den konventionellen Charakter von Wissen und Erkenntnis, 175.Google Scholar
  208. 208.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 160; Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 40; auch sein Insistieren auf dem naturalistischen und materialistischen Charakter der Wissenssoziologie spricht für diese realistische Komponente in seiner Erkenntnistheorie: „The sociologist of knowledge is committed to some picture of what is really happening.“ — Bloor Afterword, 177 (Hervorhebung W.M.).Google Scholar
  209. 209.
    Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 29, 31f.Google Scholar
  210. 210.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 1976, 45 (zitiert nach Laudan The Pseudo-Science of Science?, 173). Auch Bruno Latour von Haus aus selber Erkenntnistheoretiker, stellt nach seiner Wende zum Wissenschaftsethnographen fest: „Answering philosophical questions is not their [the sociologists’ of science] job.“ — zitiert nach Paul Tibbetts The Sociology of Scientific Knowledge: The Constructivist Thesis and Relativism, in: Philosophy of the Social Sciences, 16, 1986, 39–57, hier: 54. Diese Ablehnung der Fragestellung als „philosophisch” findet sich auch bei Stephan Fuchs Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, in: George Ritzer (Hrsg.), Metatheorizing, Newbury Park u.a.: Sage, 1992, 151–167, hier: 158, 160.Google Scholar
  211. 211.
    „’Constructivism` […] is the order of the day in the sociology of science“ — Pinch The Role of Scientific Communities in the Development of Science, 221.Google Scholar
  212. 212.
    Tibbetts The Sociology of Scientific Knowledge, 53.Google Scholar
  213. 213.
    Karin Knorr-Celina Die Fabrikation von Erkenntnis. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft, Frankfurt: Suhrkamp 1984 (1981), 48, 22; graphisch sinnfällig wird diese Nicht-Thematisierung in Abbildung 1.1, a.a.O., S. 20.Google Scholar
  214. 214.
    Karin D. Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen: ein deskriptiver oder ein konstruktiver Vorgang? Überlegungen zu einem Modell wissenschaftlicher Ergebniserzeugung (1977), in: Bonß/Hartmann, Entzauberte Wissenschaft, 1985, 151–178; Karin D. Knorr Die Fabrikation von Wissen. Versuch zu einem gesellschaftlich relativierten Wissensbegriff, in: Stehr/Meja, Wissenssoziologie, 1981, 226–245.Google Scholar
  215. 215.
    Karin Knorr-Cetina (Unter Mitwirkung von K. Amann, S.Hirschauer, K.-H. Schmidt) Das naturwissenschaftliche Labor als Ort der „Verdichtung“ von Gesellschaft, in: Zeitschrift für Soziologie, 17, 1988, 85–10I, hier: 85f; Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 21f, 48ff. Ebenso moor Afterword, 163ff.Google Scholar
  216. 216.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 55ff; Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 151. Über neuere, noch laufende Studien in anderen wissenschaftlithen Kontexten informiert Knorr-Cetina Das naturwissenschaftliche Labor als Ort der „Verdichtung“ von Gesellschaft. Eine ähnliche Studie war zuvor bereits von Bruno Latour und Steve Woolgar durchgeführt worden: Laboratory Life. The Construction of Scientific Facts, Princeton: University Press, 1986 (1979). Für einen Vergleich der Ergebnisse der beiden Studien siehe Tibbetts The Sociology of Scientific Knowledge, 40ff.Google Scholar
  217. 217.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 24; Knorr Die Fabrikation von Wissen, 228f.Google Scholar
  218. 218.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 175.Google Scholar
  219. 219.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 175; Knorr Die Fabrikation von Wissen, 229; Karin Knorr-Cetina Zur Doppelproduktion sozialer Realität: Der konstruktivistische Ansatz und seine Konsequenzen, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 15, 1990, 6–20, hier: 15ff. Auch Latour und Woolgar schätzen dies so ein: Laboratory Life, 28.Google Scholar
  220. 220.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 152ff. (Sie bezieht sich hier auf Pierre Bourdieu.) Als Vorteil dieses Modells führt Knorr-Cetina u.a. an, seine zentrale Variable „Erfolg“ sei — in Form von Veröffentlichungen und Zitationen — wesentlich besser zu operationalisieren als das Konzept der „Wahrheit” — a.a.O. 152. (Im Gesamtkontext der eher ethnomethodologisch orientierten Argumentation von Knorr-Cetina wirkt ein solch technizistisches Argument ein wenig fremd, doch kommt ihm auch keine tragende Bedeutung zu.)Google Scholar
  221. 221.
    Knorr Die Fabrikation von Wissen, 234, 229ff.Google Scholar
  222. 222.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 154ff, 161ff; Knorr-Celina, Die Fabrikation von Erkenntnis, 64ff.Google Scholar
  223. 223.
    Knorr-Cetina Das naturwissenschaftliche Labor als Ort der „Verdichtung“ von Gesellschaft, 94, 96; Knorr Die Fabrikation von Wissen, 238f.Google Scholar
  224. 224.
    Knorr Die Fabrikation von Wissen, 239ff; Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 126ff.Google Scholar
  225. 225.
    Knorr Die Fabrikation von Wissen, 232.Google Scholar
  226. 226.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 175ff. Zu denselben Ergebnissen kommen — auf anderer empirischer Basis — auch G. Nigel Gilbert (The Transformation of Research Findings into Scientific Knowledge, in: Social Studies of Science, 6, 1976, 281–306, hier: 288ff) und Carol A. B. Warren (Data Presentation and the Audience. Responses, Ethics, and Effects, in: Urban Life, 9, 1980, 282–308, hier: 295fí).Google Scholar
  227. 227.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 164ff, 167ff; Knorr Die Fabrikation von Wissen, 232.Google Scholar
  228. 228.
    J.R.Ravetz Die Krise der Wissenschaft. Probleme der industrialisierten Forschung, Neuwied/Berlin: Luchterhand 1973 (1971), v.a. Teil Il, 88ff.Google Scholar
  229. 229.
    Der hier thematisierte Lernprozeß wird sehr anschaulich in dem Protokoll der während der Abfassung einer Diplomarbeit im Fach Chemie geführten Betreuungsgespräche in der Arbeit von Jürgen Klüver dokumentiert — Die Konstruktion der sozialen Realität Wissenschaft: Alltag und System, Braunschweig/Wiesbaden: Vieweg 1988, I55ff (dieses Kapitel wurde gemeinsam mit Jürn Schmidt verfaßt).Google Scholar
  230. 230.
    Ravetz Die Krise der Wissenschaft, 88f; s.a. 95f.Google Scholar
  231. 231.
    Ravetz, Die Krise der Wissenschaft, 231ff. Am Begriff des „echten Faktums“ zeigt sich die Differenz zu Knorr-Cetinas Position, die diesen realistischen Anklang ablehnt.Google Scholar
  232. 232.
    Knorr-Cetina Das naturwissenschaftliche Labor als Ort der „Verdichtung“ von Gesellschaft, 86. Bloor selbst weist — für seine eigene Position nicht ohne Berechtigung — diese Einschätzung zurück (Afterword, 163f), doch ist richtig, daß er dem Konstruktionsprozeß bei weitem nicht so nahe ist wie der mikrosoziologische Ansatz der Laborstudien.Google Scholar
  233. 233.
    Knorr Die Fabrikation von Wissen, 227f.Google Scholar
  234. 234.
    Knorr Zur Produktion und Reproduktion von Wissen, 157; Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 22. Zu demselben Ergebnis kommen auch Latour und Woo!gar wenn sie schreiben: „reality was the consequence of the settlement of a dispute rather than its cause“ — Laboratory Life, 236.Google Scholar
  235. 235.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 48ff; Karin Knorr-Cetina Spielarten des Konstruktivismus. Einige Notizen und Anmerkungen, in: Soziale Welt, 40, 1989, 86–96, hier: 92.Google Scholar
  236. 236.
    Knorr-Cetina Spielarten des Konstruktivismus, 92.Google Scholar
  237. 237.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Erkenntnis, 43ff. Zur allgemeinen methodologischen Begründung dieser Vorgehensweise siehe auch KnorrCetina Spielarten des Konstruktivismus, 94f; Latour/Woolgar Laboratory Life, 273ff, 277ff; Pinch The Role of Scientific Communities in the Development of Science, 222f.Google Scholar
  238. 238.
    So ist es nicht mehr als eine Leerformel, wenn Knorr-Cetina „anstelle des Objektivitätsprinzips des traditionellen Wissenschaftsverständnisses […] ein Analysierbarkeitsprinzip“ setzt (Spielarten des Konstruktivismus, 95): Analysierbarkeit ist (banale) Voraussetzung für die Möglichkeit jeder wissenschaftlichen Erkenntnis, Objektivität dagegen ist ein (kontrafaktisch anzustrebendes) Ziel, liegt mithin auf einer anderen methodologischen Ebene. Vgl. auch Abschnitt I11/2.2.Google Scholar
  239. 239.
    Knorr-Cetina Zur Doppelproduktion sozialer Realität, 17f. Sie stützt sich hier auf eine Darstellung Leo N. Tolstojs.Google Scholar
  240. 240.
    Knorr-Cetinu Zur Doppelproduktion sozialer Realität, 8ff, 17, 18. Mit dem letzteren Satz referiert sie eine in der interpretativen Soziologie vertraute Argumentation: vgl. z.B. Herbert Blumer Der methodologische Standort des Symbolischen Interaktionismus (1969), in: Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen (Hrsg.), Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit, Band 1: Symbolischer Interaktionismus und Ethnomethodologie, Reinbek: Rowohlt 1973, 80–146, hier: 140ff.Google Scholar
  241. 241.
    Nach meinem Eindruck scheint diese Vorstellung aber nur noch von einigen wissenschaftstheoretischen,hardlinern` einerseits und als undifferenziertes Feindbild konkurrierender Methodologen andererseits vertreten zu werden.Google Scholar
  242. 242.
    Knorr-Cetina Die Fabrikation von Wissen, 43ff; Knorr-Cetina Spielarten des Konstruktivismus, 94f.Google Scholar
  243. 243.
    Knorr-Cetina Spielarten des Konstruktivismus, 94 (Hervorhebung W.M.).Google Scholar
  244. 244.
    Auf die methodologische Differenz zwischen der anthropologischen Beschreibung einer fremden Kultur, bei der Forscher und Leser auf gemeinsame kulturelle Basisfähigkeiten zurückgreifen können, und der Situation im Forschungslabor, bei der in bezug auf das fachspezifische Forschungshandeln für den naturwissenschaftlichen Laien nur die Ebene einer behavioristischen Analyse erreichbar sei, verweist auch Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part I, 552. In eine ähnliche Richtung geht auch der Einwand von Gad Freudenthal The Role of Shared Knowledge in Science: The Failure of the Constructivist Programme in the Sociology of Science, in: Social Studies of Science, 14, 1984, 285–295.Google Scholar
  245. 245.
    Knorr Die Fabrikation von Wissen, 231.Google Scholar
  246. 246.
    Norwood Russell Hanson The Irrelevance of History of Science to Philosophy of Science, in: Journal of Philosophy, 59, 1962, 574–586; s.a. ders. Neue Überlegungen zum genetischen Fehlschluss (1967), in: Acham, Methodologische Probleme der Sozialwissenschaft, 1978, 68–101.Google Scholar
  247. 247.
    Bloor Afterword, 163ff; Knorr Die Fabrikation von Wissen, 231ff.Google Scholar
  248. 248.
    Ein,gutes` Beispiel für diese Reaktion ist der Aufsatz von Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science. Nüchterner setzt sich zwar Laudan mit dem neuen Anspruch auseinander, doch beschränkt auch er sich auf Kritik und unterläßt den erforderlichen selbstkritischen Rückbezug — The Pseudo-Science of Science?.Google Scholar
  249. 249.
    Am Beispiel von Bloors Position ist diese Problemverschiebung im vorangegangenen Abschnitt dargestellt worden.Google Scholar
  250. 250.
    Siehe z.B. Bunge A Critical Examination of the New Sociology of Science, Part 2, 46ff; Stehr/Meja Sozialwissenschaftlicher und erkenntnistheoretischer Diskurs.Google Scholar
  251. 251.
    Zur Frage der Reflexivität siehe Bloor Knowledge and Social Imagery, 7; Fuchs, Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, 155ff; Bruno Latour/Steve Woolgar Postscript to Second Edition (1986), in: dies., Laboratory Life, 1986, 273–286, hier: 284f; Pinch The Role of Scientific Communities in the Development of Science, 224. Die Frage nach der Reflexivität läuft zu einem großen Teil der Diskussion um den Relativismus dieser Position parallel; da diese Problematik ausführlich bereits im Zusammenhang mit der Kritik an Bloor aufgenommen worden ist, erübrigt sich hier eine erneute Auseinandersetzung mit diesem Thema. Zum Argument der unbegrenzten Komplexität der Realität siehe Barnes Über den konventionellen Charakter von Wissen und Erkenntnis, 165, 174, 183; Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 29; Brown Introduction, 12.Google Scholar
  252. 252.
    Bloor Knowledge and Social Imagery, 17f; Mulkay Wissen und Nutzen, 57; Stehr/Meja Sozialwissenschaftlicher und erkenntnistheoretischer Diskurs, 268. Diese Position vertritt auch Mannheim wenn er feststellt, daß die Seinsgebundenheit nicht nur eine Fehlerquelle darstelle, sondern „oft erst […] hellsichtig“ mache — Ideologie und Utopie, 109, 73.Google Scholar
  253. 253.
    So wirft Bunge die Frage auf, warum er, „member of a different tribe“ sich auf diese These einlassen solle, wenn keine „guten Gründe”, sondern die Gruppenzugehörigkeit über die Akzeptanz von Thesen entscheide — A Critical Examination of the New Sociology of Science, 50 (Hervorhebung W.M.).Google Scholar
  254. 254.
    Diesen Begriff verwendet Fuchs Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, 166, Anmerkung 7.Google Scholar
  255. 255.
    Tibbetts faßt das Ergebnis der Studie von Latour und Woolgar dahingehend zusammen, daß das „wesentliche Ziel“ der Wissenschaftler im Labor darin bestehe, durch eine objektivierende grammatikalische Form ihres Berichtes (durch die die Produktionsbedingungen der Erkenntnis eliminiert werden würden) andere Wissenschaftler von der Richtigkeit ihrer Ergebnisse zu überzeugen: „If a given empirical claim is taken by scientists as having ontological reference it is because one group of inquirers has been successful in persuading another group to strip that claim 1…] from the inscription and writing process” — The Sociology of Scientific Knowledge, 41.Google Scholar
  256. 256.
    Fuchs Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, 157.Google Scholar
  257. 257.
    Latour/Woolgar Postscript to Second Edition (1986), 282f (Hervorhebungen W.M.). Ebenso in: Steve Woolgar/Dorothy Pawluch How Shall We Move Beyond Constructivism?, in: Social Problems, 33, 1985, 159–162.Google Scholar
  258. 258.
    Latour/Woolgar Postscript to Second Edition (1986), 273, 284f. Eine folgerichtige Konsequenz aus dieser Transformation der realistischen Frage (nach der Übereinstimmung zwischen Aussage und Wirklichkeit) in eine rhetorische Frage (nach der Durchsetzung eines Wissensanspruchs) zieht Murray S. Davis mit seiner aus der Analyse der „Rhetorik“ anerkannter klasischer Werke gewonnenen Anleitung,Wie schreibe ich einen Klassiker?’. Der Aufsatz zeichnet sich durch das Fehlen jedes Bezuges auf die explanatorische Leistungsfähigkeit der Theorien aus: der Status des Klassikers wird für Davis durch Elemente der Theorie, der Präsentation und der Nutzbarkeit der Theorie für die Theoretiker selbst bestimmt — „That’s Classic!”, 285–301.Google Scholar
  259. 259.
    Latour/Woolgar Postscript to Second Edition (1986), 286, Anmerkung 7.Google Scholar
  260. 260.
    Fuchs Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, 158f.Google Scholar
  261. 261.
    Tibbetts The Sociology of Scientific Knowledge, 55.Google Scholar
  262. 262.
    Zusätzlich zu den bereits angeführten Stellen sei verwiesen auf Bloor Klassifikation und Wissenssoziologie, 40: „daß Wissenssysteme durchaus in der Lage sein können, die Gesellschaft zu reflektieren und sich gleichzeitig an die Natur zu richten“; Bloor Afterword, 177: „The sociologist of knowledge is committed to some picture of what is really happening” (Hervorhebungen W.M.).Google Scholar
  263. 263.
    Mulkay Wissen und Nutzen, 56.Google Scholar
  264. 264.
    Hier ist es natürlich verlockend, wissenschaftssoziologische Einblicke in die Dramaturgie der Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse auf die Selbstdarstellung der Wissenschaftssoziologen anzuwenden und die These zu wagen, daß die hier zu beobachtende Einseitigkeit in der Betonung der sozialen Determination wissenschaftlichen Wissens (auch) eine Folge des akademischen Konkurrenzkampfes ist: das dem Erklärungsmodell der Soziologie wissenschaftlichen Wissens zuteil gewordene Interesse wäre — ganz im Sinne von Knorr-Cetinas Konzept der „affirmativen Negation“ — gewiß nicht so groß gewesen, hätte man statt der frontalen Herausforderung der etablierten Wissenschaftstheorie sich damit begnügt, einige Anmerkungen, Relativierungen und Weiterführungen zu deren Programm vorzutragen. Zudem hätte man sich dann der Notwendigkeit nicht entziehen können, auch über eine Verbindung der beiden Betrachtungsweisen nachzudenken — dafür aber sind in diesem Ansatz keine Anknüpfungspunkte vorgesehen.Google Scholar
  265. 265.
    Latour/Woolgar Laboratory Life, 236. Bis in die Wortwahl identisch stellt Fuchs in seiner Bestimmung der relativistischen Position der Soziologie wissenschaftlichen Wissens fest: „reality itself does not decide or determine fully what statements are accepted as true. Reality is the outcome of scientific construction, not its independent cause“ — Relativism and Reflexivity in the Sociology of Scientific Knowledge, 153.Google Scholar
  266. 267.
    Mannheim Das Problem einer Soziologie des Wissens, 357. (Vgl. Abschnitt. 11/3.4.1.)Google Scholar
  267. 268.
    Barnes Über den konventionellen Charakter von Wissen und Erkenntnis, I65f.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Werner Meinefeld

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