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Zwei theoretische Entwürfe vom ‚Gegenstand‘ soziologischer Forschung und die begrenzte Tragfähigkeit der auf ihnen gründenden Methodologien

  • Werner Meinefeld
Chapter

Zusammenfassung

Jeder Entscheidung über die zu verfolgende wissenschaftliche Vorgehensweise geht eine zumindest vage Vorstellung über den zu erforschenden Gegenstand und die Korrespondenz zwischen beiden voraus. Wie oben gezeigt werden konnte, finden wir bei den Vertretern einer einheitswissenschaftlichen Methodologie allerdings nur wenig explizite Ausführungen hierzu. Albert konzediert zwar den Geistes- und Sozialwissenschaften die „Eigenart ihrer Objektbereiche“ und den damit verbundenen „besonderen Charakter der für sie geeigneten Forschungstechniken“, arbeitet diesen Aspekt aber nicht weiter aus, da dies für ihn ja gerade nicht die Notwendigkeit einer „gänzlich anderen allgemeinen Methodologie“ begründet.2 Etwas anders stellt sich die Situation naheliegenderweise bei den Befürwortern einer eigenständigen sozialwissenschaftlichen Methodologie dar, die ja gerade auf dieser Besonderheit des Gegenstandsbereiches ihr Argument gründen, doch bleibt auch hier die Darstellung oft sehr allgemein und zudem von einer Einseitigkeit, auf die noch näher einzugehen sein wird.

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Literatur

  1. 1.
    Um die vorliegende Problematik durch den Bezug auf verschiedene Disziplinen nicht unnötig zu komplizieren, werde ich für die weitere Analyse den Begriff der „Sozialwissenschaften“ aufgeben und mich allein auf die Soziologie konzentrieren — inwieweit die hier angestellten Uberlegungen auch für andere Disziplinen Geltung beanspruchen können, ist an dieser Stelle nicht zu diskutieren.Google Scholar
  2. 3.
    Emile Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, Neuwied/Berlin: Luchterhand 1965 (1895), 117, 218. Diese Zielsetzung ist — ebenso wie der vehemente Widerstand eines großen Teils seiner zeitgenössischen sozialwissenschaftlichen Kollegen — in einer wohl einzigartig ausführlichen Weise dokumentiert: vgl. diverse Beiträge in Wolf Lepenies (Hrsg.), Geschichte der Soziologie. Studien zur kognitiven, sozialen und historischen Identität einer Disziplin, Frankfurt: Suhrkamp 1981 (4 Bände); Wolf Lepenies, Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Kultur und Wissenschaft, München u.a.: Hanser 1985.Google Scholar
  3. 4.
    Setzte sich Comte v.a. mit theoretischen und methodologischen Aspekten dieses Unternehmens auseinander, so war für Quetelet die Übernahme naturwissenschaftlicher — und das hieß für ihn statistischer — Methoden unbezweifelte Basis für die Bestimmung der moralischen Regelmäßigkeiten einer Gesellschaft. (Zu dem hier schon früh angelegten Auseinanderfallen von theoretischer und empirischer Forschung vgl. Horst Kern, Empirische Sozialforschung. Ursprünge, Ansätze, Entwicklungslinien, München: Beck 1982, 46f.)Google Scholar
  4. 5.
    Terry N. Clark, Die Durkheim-Schule und die Universität, in: Lepenies, Geschichte der Soziologie, Bd. 2, 1981, 157–205, hier: 162f, 159.Google Scholar
  5. 6.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 105; s.a. Emile Durkheim, Der Selbstmord, Neuwied/Berlin: Luchterhand 1973 (1897), 20f.Google Scholar
  6. 7.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 105ff.Google Scholar
  7. 8.
    Durkheims Konzept durchlief verschiedene Stadien der Entwicklung, insbesondere auch in bezug auf die hier angesprochene Beziehung zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen kollektivem und individuellem Bewußtsein — vgl. hierzu etwa René König, Einleitung, in: Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 1965, 21–82.Google Scholar
  8. 9.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 115.Google Scholar
  9. 10.
    Zwar ist Durkheim selber der Gefahr einer Verdinglichung seines Konzepts von „Gesellschaft“ stellenweise erlegen (vgl. die harschen Kritiken von Theodor W. Adorno, Einleitung, in: Emile Durkheim, Soziologie und Philosophie, Frankfurt: Suhrkamp 1967, 7–44, und Friedrich H. Tenbruck, Emile Durkheim oder die Geburt der Gesellschaft aus dem Geist der Soziologie, in: Zeitschrift für Soziologie, 10, 1981, 333–350), doch ist diese Auslegung seines Programms keineswegs zwingend, was auch König nachdrücklich betont. Königs Interpretation ihrerseits ist allerdings nicht nur wohlwollend, sondern glättet auch rückblickend Ambivalenzen, die in Durkheims Ausführungen noch angelegt sind. Dies zeigt z.B. die Übersetzung der „faits sociaux” als „soziologischer“ statt „sozialer” Tatbestände (und damit als Aussagen über soziale Phänomene), während Durkheim diesen Begriff durchaus noch in beiden Bedeutungen verwendete und die Trennung von „sozial“ und „soziologisch” gerade noch nicht vollzogen hatte — Einleitung, 46ff.Google Scholar
  10. 11.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 107, 127, 138ff.Google Scholar
  11. 12.
    Zwar taucht auch bei Durkheim vereinzelt ein Hinweis auf den Konstruktionscharakter sozialer Phänomene auf (etwa in seiner Kritik der Statistiken über die Motive von Selbstmördern — Der Selbstmord, 157ff), doch wird dies lediglich als Einwand gegen das methodische Vorgehen anderer Forscher begriffen, es bleibt für sein theoretisches und methodologisches Konzept ebenso wie für seine eigene Interpretation der Selbstmordstatistiken ohne Konsequenzen.Google Scholar
  12. 13.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 117ff, 128ff, 220. Keineswegs bedeutet dies, daß Durkheim die Sinnhaftigkeit sozialer Phänomene für die Handelnden in Frage stellen würde — dies wäre angesichts der für ihn zentralen Bedeutung von Moral und Religion im gesellschaftlichen Leben völlig unhaltbar. Seine „Regeln“ sind lediglich die methodologische Konsequenz seiner Betonung der Eigenständigkeit sozialer Phänomene gegenüber den individuellen Sinnzuschreibungen.Google Scholar
  13. 14.
    In vielen Zusammenhängen wird — nicht nur der größeren zeitlichen Nähe wegen — Max Weber als direkter „Gegenpart“ Durkheims herangezogen. Da aber Alfred Schütz in die Debatte um eine an den Naturwissenschaften ausgerichtete Methodologie in den Sozialwissenschaften selbst eingegriffen hat (vgl. „Begriffs- und Theoriebildung in den Sozialwissenschaften” (1954), wiederabgedruckt in: Gesammelte Aufsätze, 1: Das Problem der sozialen Wirklichkeit, Den Haag: Nijhoff 1971, 55–76) und spätere Diskussionsbeiträge, auf die noch näher einzugehen sein wird, sich explizit auf Schütz berufen, möchte ich mich an dieser Stelle nur auf ihn beziehen. In welcher Weise Schütz seinerseits an Max Webers Entwurf einer verstehenden Soziologie anknüpft, wird in seiner Arbeit „Der sinn-hafte Aufbau der sozialen Welt. Eine Einleitung in die verstehende Soziologie“, Frankfurt: Suhrkamp 1974 (1932), deutlich.Google Scholar
  14. 15.
    Siehe die Darstellung in Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 3–54.Google Scholar
  15. 16.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, l Iff.Google Scholar
  16. 17.
    Nicht zu übersehen ist allerdings, daß Schütz selber den Prozeß der Genese dieses gemeinsamen Wissens nicht analysiert, daß er dieses vielmehr als gegeben voraussetzt — für diesen Aspekt werden wir in Teil II auf die Sozialtheorie George H. Meads zurückgreifen müssen.Google Scholar
  17. 18.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 27.Google Scholar
  18. 19.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 6ff.Google Scholar
  19. 20.
    Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, 90, I26f.Google Scholar
  20. 21.
    Durkheim, Der Selbstmord, 30ff, 157ff.Google Scholar
  21. 22.
    Durkheim, Der Selbstmord, 161; 157ff, 30ff.Google Scholar
  22. 23.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 65.Google Scholar
  23. 24.
    Die Parallele zu Diltheys „elementarem Verstehen“ ist nicht zu übersehen.Google Scholar
  24. 25.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 64, 65ff.Google Scholar
  25. 26.
    Nachdrücklich hatte bereits Cicourel in seiner einflußreichen Kritik der sozialwissenschaftlichen Methodologie von 1964 auf diesen Prozeß der unbewußten Ergänzung wissenschaftlichen Wissens durch den unkontrollierten Rückgriff auf Alltagswissen verwiesen — Methode und Messung in der Soziologie. Neuere Beiträge zu diesem Themenbereich (auf die im folgenden nach näher einzugehen sein wird) finden sich in dem von Bonß und Hartmann herausgegebenen Sammelband: Entzauberte Wissenschaft.Google Scholar
  26. 27.
    Wax, On Misunderstanding Verstehen; Diana Leat, Das mißverstandene „Verstehen“ (1972), in: Karl Acham (Hrsg.), Methodologische Probleme der Sozialwissenschaften, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1978, 102–114.Google Scholar
  27. 28.
    Albert, Traktat über kritische Vernunft, 136.Google Scholar
  28. 29.
    Albert, Hermeneutik und Realwissenschaft, 61; s.a. Albert, Die Wissenschaft und die Fehlbarkeit der Vernunft, 23.Google Scholar
  29. 30.
    Albert, Hermeneutik und Realwissenschaft, 69.Google Scholar
  30. 31.
    Albert, Die Wissenschaft und die Fehlbarkeit der Vernunft, 23.Google Scholar
  31. 32.
    Leat, Das mißverstandene „Verstehen“, 102.Google Scholar
  32. 33.
    Albert, Hermeneutik und Realwissenschaft, 71.Google Scholar
  33. 34.
    Dafür steht seine Bezugnahme auf die Ergebnisse der Wahrnehmungspsychologie, aber insbesondere seine Ausführungen in: Die Möglichkeit der Erkenntnis. Zur Kritik der reinen Erkenntnislehre im Licht des kritischen Rationalismus, in: Salamun, Karl R. Popper und die Philosophie des Kritischen Rationalismus, 1989, 3–18.Google Scholar
  34. 35.
    Albert, Traktat über kritische Vernunft, 150ff; Albert, Hermeneutik und Realwissenschaft, 67ff.Google Scholar
  35. 36.
    Ein Versuch, in der Tration einer einheitswissenschaftlichen Argumentation die Position von Schütz aufzunehmen und in ein nomologisches Modell sozialen Handelns zu integrieren, ist in jüngster Zeit von Hartmut Esser unternommen worden — auf seinen Vorschlag wird im übernächsten Abschnitt ausführlich einzugehen sein.Google Scholar
  36. 37.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze 1, 72.Google Scholar
  37. 38.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 3ff, 44ff, 67ff.Google Scholar
  38. 39.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze 1, 292, 286; 41ff, 159f.Google Scholar
  39. 40.
    .Schütz. Gesammelte Aufsätze I, 30f, 46ff; 281ff.Google Scholar
  40. 41.
    Diese Unterstellung einer fraglosen Einlösung des Verstehenserfordernisses findet sich auch in der Kritik von Wax an Abel (und sie zieht sich wie ein Geburtsfehler durch viele Beiträge zu einer qualitativen Sozialforschung): der Stellenwert des Verstehens als einer allgemeinen Grundlage jeder sozialwissenschaftlichen Analyse wird zutreffend herausgearbeitet, doch erscheint das Erbringen der Verstehensleistung nicht problematisch und daher weiterer methologischer Reflexion bedürftig — die Sozialisation in die entsprechende (Sub)Kultur scheint das richtige Verstehen zu garantieren. Damit aber bleibt man dort stehen, wo es wissenschaftlich erst interessant wird: inwieweit hei kontroversen Deutungen das Verstehen eine Methode intersubjektiv kontrollierbarer Prüfung sein kann, wird nicht thematisiert.Google Scholar
  41. 42.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 42. Die Diskussion im Werurteilsstreit dürfte deutlich gemacht haben, wie naiv eine solche Vorstellung — und sei sie nur als eine Idealisierung gedacht — tatsächlich ist, und die Ausführungen in Teil II dieser Arbeit werden zeigen, daß die Zurückweisung dieser Position nicht auf Werturteile beschränkt werden kann, sondern daß sie — wesentlich grundsätzlicher — alle kognitiven Vorstellungen betrifft.Google Scholar
  42. 43.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 45.Google Scholar
  43. 44.
    Dieses Argument ist in jüngerer Zeit insbesondere von Friedrich H. Tenbruck (Die unbewältigten Sozialwissenschaften oder Die Abschaffung des Menschen, Graz u.a.: Styria 1984) und Joachim Matthes (Die Soziologen und ihre Wirklichkeit. Anmerkungen zum Wirklichkeitsverhältnis der Soziologie, in: Bonß/Hartmann, Entzauberte Wissenschaft, 1985, 49–64; Joachim Matches, Über das Erfahren von Erfahrung (oder: Von den Schwierigkeiten des erfahrungswissenschaftlich orientierten Soziologen, mit gesellschaftlicher Erfahrung umzugehen), in: Hans Julius Schneider/Rüdiger lnhetveen (Hrsg.), Enteignen uns die Wissenschaften? Zum Verhältnis zwischen Erfahrung und Empirie, München: Fink 1993, 101–123) neu aufgenommen worden.Google Scholar
  44. 45.
    Herbert H. Hyman u.a., Interviewing in social research, Chicago: University of Chicago 1954. Cicourel übernimmt die Ergebnisse der empirisch begründeten Methodenreflexion der Autoren ohne grundsätzliche Einwände, während er die in derselben Studie gewonnenen Sachaussagen für problematisch hält. Eine Begründung für dieses differentielle Verhalten hätte Cicourel seinerseits zu einer ausführlicheren Reflexion über unterschiedliche Anwendungsbedingungen für diese Methoden anregen können, doch scheint Cicourel sich dieser Inkonsistenz gar nicht bewußt zu sein.Google Scholar
  45. 46.
    Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, z.B. 309ff.Google Scholar
  46. 47.
    Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, 116ff, 129, 130ff, 168ff, 300ff, 309ff.Google Scholar
  47. 48.
    Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, z.B. 60f, 296.Google Scholar
  48. 49.
    Vgl. zu dieser Kritik auch die Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen teilnehmender Beobachtung und ihre Eignung als „yardstick“ aller sozialwissenschaftlichen Methoden zwischen Howard S. Becker und Blanche Geer einerseits und Martin Trow andererseits, in der Trow gerade diesen Aspekt einer impliziten theoretischen Verengung durch die Konzentration auf den Bedeutungsaspekt und die dadurch favorisierte Methodik herausarbeitet: Becker/Geer, Participant Observation and Interviewing: A Comparison (1957); Trow,Comment on „Participant Observation and Interviewing: A Comparison” (1957); Becker/Geer, „Participant Observation and Interviewing“: A Rejoinder (1958) — alle abgedruckt in: George J. McCall/1.L.Simmons (Hrsg.), Issues in Participant Observation: A Text and Reader, Reading MA. u.a.: Addison-Wesley 1969, 322–340.Google Scholar
  49. 50.
    Barney G. Glaser/Anselrn L. Strauss, The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research, Chicago: Aldine 1967, 30f. Dies ist eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit und des Interesses der Verwaltung, der aus den Erfahrungen der Forschungspraxis nur zu widersprechen ist.Google Scholar
  50. 51.
    Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, 150f.Google Scholar
  51. 52.
    Die Erinnerung an Alberts Warnung vor einem „hermeneutischen Positivismus“ drängt sich an dieser Stelle auf. Hartmut Esser hat diesen Vorwurf später wieder aufgenommen: Zum Verhältnis von qualitativen und quantitativen Methoden in der Sozialforschung, oder: Über den Nutzen methodologischer Regeln bei der Diskussion von Scheinkontroversen, in: Wolfgang Voges (Hrsg.), Methoden der Biographie- und Lebenslaufforschung, Opladen: Leske + Budrich 1987, 87–101, hier: 98.Google Scholar
  52. 53.
    Der Verweis auf die zu entwickelnde Theorie sozialen Handelns scheint bei Cicourel einen ähnlichen Stellenwert zu haben wie Alberts Verweis auf die Theorie des Verstehens: beide sind zweifellos eine sinnvolle Zielvorstellung, beide füllen damit aber zugleich auch eine Lücke in der augenblicklichen Argumentation, indem sie die Einlösung des erhobenen Leistungsanspruches in die Zukunft verweisen.Google Scholar
  53. 54.
    Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, z.B. 47.Google Scholar
  54. 55.
    Beides:,kritische Stärke bei konstruktiver Schwäche’ wie auch die Problemverschiebung, ist wissenschaftssoziologisch nicht weiter verwunderlich und Teil eines jeden paradigmatischen Ablösungsprozesses.Google Scholar
  55. 56.
    Douglas, The Sociological Analysis of Social Meanings of Suicide, v.a. 128ff; Douglas, The Rhetoric of Science and the Origins of Statistical Social Thought, 47.Google Scholar
  56. 57.
    Douglas, The Sociological Analysis of Social Meanings of Suicide, 133; s.a. Cicourel, Methode und Messung in der Soziologie, 43ff.Google Scholar
  57. 58.
    Für eine Würdigung seines methodischen Vorgehens, die auch den damaligen Stand der Methodenentwicklung berücksichtigt, siehe Hunan S. Selvin, Durkheims „Suicide“ und Probleme empirischer Forschung (1958), in: Topitsch, Logik der Sozialwissenschaften, 1970, 386–405.Google Scholar
  58. 59.
    Douglas, The Sociological Analysis of Social Meanings of Suicide, 137.Google Scholar
  59. 60.
    Eine andere Alternative radikaler Kritik wäre, die Möglichkeit einer gültigen Beantwortung von Durkheims Fragestellung grundsätzlich zu bestreiten — aber auch dann stünden wir vor der Entscheidung, ob wir um der (nie zu erreichenden) Sicherheit des Ergebnisses oder der Reinheit einer Methodik willen auf ein inhaltlich begründetes Erkenntnisinteresse verzichten wollen.Google Scholar
  60. 61.
    Wenn ich im folgenden von,Durkheim’ oder,Schütz’ spreche, dann stehen sie stellvertretend für die jeweilige Position.Google Scholar
  61. 62.
    Paul F. Lazarsield, The Controversy over Detailed Interviews — An Offer for Negotiation, in: Public Opinion Quarterly, 8, 1944, 38–60. Barton/Lazarsfeld, Einige Funktionen von qualitativer Analyse in der Sozialforschung.Google Scholar
  62. 63.
    Barton/Lazarsjeld, Einige Funktionen von qualitativer Analyse in der Sozialforschung, 82, 63.Google Scholar
  63. 64.
    Heinz Hartmann, Empirische Sozialforschung. Probleme und Entwicklungen, München: Juventa 1970, 104ff. Barney G. Glaser/Anselm L. Strauss,Die Entdeckung gegenstandsbezogener Theorie: Eine Grundstrategie qualitativer Sozialforschung (1965), in: Hopf/Weingarten, Qualitative Sozialforschung, 1979, 91–11l, hier: 91.Google Scholar
  64. 65.
    Thomas I’. Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 34, 1982, 487–508. Thomas P. Wilson selbst hat eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen: hatte er 1970 noch dezidiert den Gegensatz zwischen „normativem” und „interpretativem Paradigma“ betont, so findet sich hier ein konstruktiver Brückenschlag — wenn auch immer noch mit parteilichen Zügen: die Umarmung erfolgt dieses Mal von der anderen Seite aus — vgl.: Theorien der Interaktion und Modelle soziologischer Erklärung (1970), in: Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen (Hrsg.), Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit, Reinbek: Rowohlt 1973, 54–79). Nicht weniger erstaunlich ist aber auch die unterschiedliche Rezeption der beiden Artikel durch die scientific community: war der erstere, der die Gegensätzlichkeit der Positionen betonte, auf eine große Resonanz hei Gleichgesinnten und Kritikern gestoßen, so wird der letztere auf beiden Seiten eher ignoriert — das Pointieren von Differenzen scheint stärker zu mobilisieren als das Aufweisen von Gemeinsamkeiten.Google Scholar
  65. 66.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 491.Google Scholar
  66. 67.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 494. Mit dem Begriff der „Indexikalität” bezeichnet man in der Ethnomethodologie die prinzipielle Mehrdeutigkeit aller Zeichen, die erst durch den Kontext ihrer Verwendung ihre jeweilige situationsspezifische Bedeutung erhalten. (Zur weiteren Erläuterung dieser Begrifflichkeit sei auf die sehr gute Einführung von Werner J. Patzelt, Grundlagen der Ethnomethodologie. Theorie, Empirie und politikwissenschaftlicher Nutzen einer Soziologie des Alltags, München: Fink 1987, verwiesen.)Google Scholar
  67. 68.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 492ff.Google Scholar
  68. 69.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 498ff.Google Scholar
  69. 70.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 504.Google Scholar
  70. 71.
    Wilson, Qualitative „oder“ quantitative Methoden in der Sozialforschung, 500f.Google Scholar
  71. 72.
    Mihailo Markovic, The Problem of Reification and the Verstehen-Erklären Controversy, in: Acta Sociologica, 15, 1972, 27–38.Google Scholar
  72. 73.
    Markovic, The Problem of Reification and the Verstehen-Erklären Controversy, 29ff.Google Scholar
  73. 74.
    Diese Koppelung scheint mir weder zwingend noch ausreichend zu sein, in jedem Fall aber ist sie für unseren Kontext irrelevant.Google Scholar
  74. 75.
    In allgemeiner Form finden wir einen Hinweis auf diesen Fall der Angemessenheit standardisierter Verfahren auch bei Herbert Blurner (z.B. in: Die soziologische Analyse und die „Variable“ (1956), in: Acham, Methodologische Probleme der Sozialwissenschaften, 1978, 386–402, hier: 395f), Cicourel (Methode und Messung in der Soziologie, 316) und anderen Vertretern einer interpretativen Position — bei allen bleibt es allerdings bei einem vereinzelten und vagen Hinweis, der eher den Status eines widerwilligen Zugeständnisses an die wider Erwarten zumindest unter bestimmten Bedingungen erfolgreiche Standardisierung der Methoden hat, als daß er den Ansatzpunkt für eine systematische Reflexion über die differentiellen Einsatzmöglichkeiten unterschiedlicher Methoden darstellte.Google Scholar
  75. 76.
    Markovic, The Problem of Reification and the Verstehen-Erklären Controversy, 31 ff. In diesem Argument der schlummernden Spontaneität nimmt Markovic ein zentrales Thema des Symbolischen lnteraktionismus auf. Während es für ihn aber nur den Status einer Möglichkeit hat, wird es dort (in der wissenschaftspolitischen Absetzung vom Funktionalismus) zum tragenden Element von Theorie und Methodologie — und verstellt in dieser reaktiven Fixierung den Weg zu einer gleichgewichtigen Auseinandersetzung mit verdinglichten Strukturen. Inhaltlich ähnliche Überlegungen, allerdings ohne Bezug auf die methodologische Ebene, finden sich bei Peter L. Berger/Stanley Pullberg,Verdinglichung und die soziologische Kritik des Bewußtseins, in: Soziale Welt, 16, 1965, 97–112.Google Scholar
  76. 77.
    Auf diesen Aspekt ist in Abschnitt 11/3.4.2 im Zusammenhang mit der Diskussion wissenschaftssoziologischer Überlegungen näher einzugehen.Google Scholar
  77. 78.
    Hartmut Esser, Alltagshandeln und Verstehen. Zum Verhältnis von erklärender und verstehender Soziologie am Beispiel von Alfred Schütz und „Rational Choice“, Tübingen: Mohr (Siebeck) 1991, 96. Daß Esser diese Debatte für substanzlos und überholt hält, hatte er — mit wissenschaftstheoretischen Argumenten — bereits in früheren Veröffentlichungen dargelegt: Hartmut Esser/Klaus Klenovits/Helmut Zehnpfennig, Wissenschaftstheorie, Band 2: Funktionalanalyse und hermeneutisch-dialektische Ansätze, Stuttgart: Teubner 1977; Hartmut Esser, Zum Verhältnis von qualitativen und quantitativen Methoden in der Sozialforschung. Kontroversen dieser Art scheinen für ihn „eher ein Indikator für einen Mangel an Professionalisierung und für das Nicht-Funktionieren von innerprofessionellen Kontrollen zur Einhaltung bestimmter methodologischer und theoretischer Standards” zu sein denn Ausdruck eines begründeten Dissenses über Gegenstand und Methodologie des Faches — Esser, Alltagshandeln und Verstehen, I.Google Scholar
  78. 79.
    Hartmut Esser, Die Rationalität des Alltagshandelns. Eine Rekonstruktion der Handlungs- theorie von Alfred Schütz, in: Zeitschrift für Soziologie, 20, 1991, 430–445, hier: 430.Google Scholar
  79. 80.
    Hartmut Esser, „Habits“, „Frames” und „Rational Choice“ — Die Reichweite von Theorien der rationalen Wahl (am Beispiel der Erklärung des Befragtenverhaltens), in: Zeitschrift für Soziologie, 19, 1990, 231–247; Esser, Die Rationalität des Alltagshandelns; Esser, Alltagshandeln und Verstehen, v.a. 75ff.Google Scholar
  80. 81.
    Ilja Srubar, Grenzen des „Rational Choice“-Ansatzes, in: Zeitschrift für Soziologie, 21, 1992, 157–165; Ilja Srubar, Die (neo-)utilitaristische Konstruktion der Wirklichkeit, in: Soziologische Revue, 17, 1994, 115–121.Google Scholar
  81. 82.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 72.Google Scholar
  82. 83.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 39, 40, 67f.Google Scholar
  83. 84.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 77f, 50ff.Google Scholar
  84. 85.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 30ff, 75f (alle Zitate: 76).Google Scholar
  85. 86.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 89. Die sich auf Schütz berufenden Soziologen hielten sich demgegenüber heute noch mit dessen „philosophischen Ballast“ auf bzw. kämen über „Studien zum Klein-Milieu von Lebenswelten” nicht hinaus — a.a.O., 7, 102.Google Scholar
  86. 87.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 91 f.Google Scholar
  87. 88.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 39 (Hervorhebung W.M.).Google Scholar
  88. 89.
    Vgl. Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 72f.Google Scholar
  89. 90.
    Schütz, Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, 342ff.Google Scholar
  90. 91.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 93f.Google Scholar
  91. 92.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 94.Google Scholar
  92. 93.
    Auf genau diese Definition von „Verstehen“ zielte auch Abel in seiner Kritik des Verstehenskonzeptes ah: siehe insbesondere seine Erwiderung auf Wax — A Reply to Wax, 334f.Google Scholar
  93. 95.
    Selbst die „Lockerung“ der SEU-Theorie in Richtung der Aufgabe der Maximierungs-Annahme für das subjektive Nutzenkalkül ist bereits zuvor angelegt gewesen und wird durch die Bezugnahmen auf interaktionistische Konzepte wie „habits” oder „frames“ nur weiter ausgestaltet — vgl. Esser, „Habits”, „Frames“ und „Rational Choice”, 236ff; Esser, Die Rationalität des Alltagshandelns, 4401f; Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 62ff.Google Scholar
  94. 96.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 91b, 102, 7f, 29, 31, 98f. Wie zuvor Schütz von Albert ignoriert wurde, so nimmt nun Esser in seiner kritischen Auseinandersetzung mit der interpretativen Soziologie den oben beschriebenen Versuch von Wilson, den Gegensatz von qualitativer und quantitativer Forschung theoretisch aufzuheben, nicht zur Kenntnis.Google Scholar
  95. 97.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 91b, B.Google Scholar
  96. 98.
    Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 30f, 36.Google Scholar
  97. 99.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, z.B. 41ff, 159.Google Scholar
  98. 100.
    Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 159.Google Scholar
  99. 101.
    Siehe dazu meine Kritik an Schütz in Abschnitt 2.2.3. Das von Esser selbst zur Stützung seiner Schütz-Interpretation angeführte zweite Zitat (Esser, Alltagshandeln und Verstehen, 31) richtet sich in seinem ursprünglichen Kontext nicht (wie die Verwendung dieses Zitates durch Esser nahelegt) gegen eine „Betroffenheits-Soziologie“, sondern gegen Nagels subjektivistische Fehldeutung des Verstehens als „Identifikation” mit dem Handelnden und als Übertragung des „privaten Wertsystems des Beobachters“ — gerade umgekehrt zu Essers Interpretation wendet sich die zitierte Stelle also dagegen, daß ein behavioristisch orientierter Sozialforscher das Verstehenskonzept individualistisch mißversteht und damit die von Schütz herausgearbeitete soziale Begründung des Verstehens (auf der seine sozialwissenschaftliche Relevanz und Notwendigkeit beruht) nicht erkennen kann — vgl. Schütz, Gesammelte Aufsätze I, 60.Google Scholar
  100. 102.
    Schutz, Gesammelte Aufsätze 1, 75f; s.a. 56f.Google Scholar
  101. 103.
    Das sich aber, wie Lutz Geldsetzer konstatiert, „heute erst“ anzubahnen beginnt — Hermeneutik, in: Seiffert/Radnitzky, Handlexikon zur Wissenschaftstheorie, 1989, 127–139, hier: 127. In diese Richtung deuten auch Überlegungen, die in den letzten Jahren als Folge wissenschaftssoziologischer Studien zur Forschungspraxis in den Naturwissenschaften angestellt worden sind — siehe hierzu die „Schlußbemerkung”.Google Scholar
  102. 104.
    Auch andere kritische Einwände Essers gegen die Praxis einer interpretativen Sozialforschung (wie z.B. der Verweis auf einen „heimlichen Positivismus“, das Beharren auf einer größeren Kontrollierbarkeit und Präzision der Datengewinnung und -interpretation und der Weigerung, subjektive Plausibilität als Erklärung zu akzeptieren) verdienen, in der weiteren Diskussion berücksichtigt zu werden — in manchen Punkten ist es weniger die Zielrichtung von Essers Argumentation oder die Kritik selbst als vielmehr die von ihm gegebene Begründung, der hier nicht zuzustimmen ist und die aufgrund seiner theoretischen und methodologischen Festlegung den Weg zu einer konsensfähigen Lösung der Kontroverse eher zu verbauen scheint.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Werner Meinefeld

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