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Einleitung

  • Werner Meinefeld
Chapter

Zusammenfassung

Die Entwicklung einer jeden Wissenschaft ist von Reflexionen über die angemessene Art ihrer Vorgehensweise begleitet. Vom Beginn ihrer Etablierung als wissenschaftlicher Disziplin an war diese Reflexion in den Sozialwissenschaften charakterisiert durch eine Orientierung an den Erfahrungen, die in der Praxis wissenschaftlicher Forschung gemacht worden waren — und hier besonders in derjenigen Disziplin, deren Wissenschaftlichkeit als am weitesten entwickelt galt: in der Physik. Scheint dieses Bemühen um einen Anschluß an bewährte Erfahrungen zunächst naheliegend und unproblematisch, so folgte daraus doch eine der heftigsten und langwierigsten Auseinandersetzungen, die die Bemühungen um die Begründung einer sozialwissenschaftlichen Methodologie begleitet hat: die sogenannte „Erklären-Verstehen-Kontroverse“. In dieser Kontroverse geht es im wesentlichen um die Fragestellung, ob die Sozialwissenschaften einer eigenständigen Methodologie bedürfen, oder ob die in den Naturwissenschaften bewährte Methodologie auch in ihnen Anwendung finden kann — an dieser Kontroverse lassen sich zentrale Differenzen über die Vorstellung, wie soziologische Forschung zu betreiben sei (und, grundsätzlicher noch: was eigentlich ‚den Gegenstand‘ soziologischer Analyse ausmache), erkennen.

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Literatur

  1. 1.
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    Siehe z.B. George A. Lundberg,Quantitative Methods in Social Psychology, in: American Sociological Review, 1, 1936, 38–54; Allan H. Barton/Paul F. Lazarsfeld,Einige Funktionen von qualitativer Analyse in der Sozialforschung (1955), in: Christel Hopf/Elmar Weingarten (Hrsg.), Qualitative Sozialforschung, Stuttgart: Klett-Cotta 1979, 41–89; Erwin K. Scheuch/Dietrich Rüschemeyer,Soziologie und Statistik. Über den Einfluß der modernen Wissenschaftslehre auf ihr gegenseitiges Verhältnis, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 8, 1956, 272–291.Google Scholar
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    Stellvertretend für viele sei hier nur auf Georg Henrik von Wright,Erklären und Verstehen, Frankfurt: Athenäum Fischer 1974 (1971), und Karl-Otto Apel,Die Erklären:Verstehen-Kontroverse in transzendental-pragmatischer Sicht, Frankfurt: Suhrkamp 1979, verwiesen.Google Scholar
  4. 4.
    An dieser Stelle ist eine weitere Anmerkung zur gewählten Darstellungsform angebracht. Zur Begründung meiner Argumentation ist eine textexegetische Erörterung immer wieder unverzichtbar, doch soll diese nicht im Vordergrund stehen. So muß das Eingehen auf Differenzen, die z.B. zwischen den Frühschriften und dem Spätwerk eines Autors bestehen mögen, hinter einer problembezogenen Diskussion zurückstehen: es würde von der Grundüberlegung wegführen, wenn etwa das Argument des,Durkheim der Regeln’ zwangsläufig einen Vergleich mit dem des,Durkheim der Elementarformen des religiösen Lebens’ nach sich ziehen müßte.Google Scholar
  5. 5.
    Auf den normativen Gehalt der Wissenschaftstheorie weist mit großen Nachdruck Wolfgang Stegmüller hin: Evolutionäre Erkenntnistheorie, Realismus und Wissenschaftstheorie, in: Robert Spaemann u.a. (Hrsg.), Evolutionstheorie und menschliches Selbstverständnis. Zur philosophischen Kritik eines Paradigmas moderner Wissenschaft, Weinheim: Acta humaniora 1984, 5–34, hier: 10ff; ebenso Gerard Radnitzky,Wissenschaftstheorie, Methodologie, in: Helmut Seiffert/Gerard Radnitzky (Hrsg.), Handlexikon zur Wissenschaftstheorie, München: Ehrenwirth 1989, 463–472, v.a. 467ff.Google Scholar
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    Erst nach Abschluß dieser Arbeit bin ich auf einen Aufsatz gestoßen, in dem Hans J. Schneider aus philosophischer Sicht in einem wesentlichen Punkt (wie bereits im Titel deutlich wird) zu einer ganz ähnlichen Überlegung kommt, wie sie hier vorgetragen werden soll — Die Situiertheit des Denkens, Wissens und Sprechens im Handeln. Perspektiven der Spätphilosophie Wittgensteins, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 41, 1993, 727–739.Google Scholar
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    Siehe hierzu die Arbeiten von Joachim Matthes,insbesondere: Erfahrung durch Kon- strukte. Empirische Sozialforschung als Kommunikationsproblem, in: Manfred Rühl (Hrsg.), Kommunikation und Erfahrung. Wege anwendungsbezogener Kommunikationsforschung, Nürnberg: Verlag der Kommunikationswissenschaftlichen Forschungsvereinigung 1987, 115–131; The Operation Called „Vergleichen“, in: ders., Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs, Göttingen: Schwartz 1992 (Soziale Welt, Sonderband 8), 75–99; Über das Erfahren von Erfahrung (oder: Von den Schwierigkeiten des erfahrungswissenschaftlich orientierten Soziologen, mit gesellschaftlicher Erfahrung umzugehen), in: Hans Julius Schneider/Rüdiger Inhetveen (Hrsg.), Enteignen uns die Wissenschaften? Zum Verhältnis zwischen Erfahrung und Empirie, München: Fink 1993, 101–123.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

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  • Werner Meinefeld

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