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Jugendarrest pp 127-168 | Cite as

Jugendliche und Heranwachsende im Arrestvollzug

  • Edwin Keiner
Chapter

Zusammenfassung

Die folgenden Teile der Untersuchung über den Jugendarrestvollzug in der Jugendarrestanstalt Gelnhausen beschäftigen sich mit den jugendlichen und heranwachsenden Arrestanten. Sie stützen sich auf die Auswertung eines Fragebogens, mit dem alle Dauerarrestanten 1983 erfaßt wurden. Wenn im folgenden von ’Arrestanten’ gesprochen wird, bezieht sich dies auf die in der Fragebogenauswertung erfaßten Dauerarrestanten. Bei Vergleichen dieser Dauerarrestanten mit der Gesamtzahl aller Arrestanten wird diese Differenz im Text besonders kenntlich gemacht. Auf geschlechtsspezifische Differenzierungen wird im folgenden weitgehend verzichtet. Den Mädchen im Arrest ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

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Literatur

  1. 1.
    Göppinger (1983), S. 38 ff.. Eine Reihe neuerer Untersuchungen versuchen dem Zusammenhang von sozialer Lage und Kriminalität näherzukommen. Sie bleiben in der Regel bei der Interpretation der Befunde sehr vorsichtig und verweisen auf komplexe, vielschichtige Zusammenhänge für die Entstehung und Entwicklung delinquenten Verhaltens. Vgl. z.B. Zeidler (1981), Kofler (1980), Supe (1980), Coignerai-Weber (1981) als Zusammenstellung von Befunden meist älterer Untersuchungen; Merzhäuser (1985) als lerntheoretischen Versuch; Dolde (1978), Funke/Hilker/Link (1979), Bauer/ Winkler von Mohrenfels (1985), Neu (1984), der diese ’Auswirkungen’ allerdings nur knapp, ausschließlich bezogen auf ausländische Jugendliche und m.E. politisch tendenziös behandelt. Zur theoretischen Diskussion Prisching (1982).Google Scholar
  2. 2.
    Dies zeigen z.B. schon für den Jugendarrest die meist in älteren Arbeiten häufig zu findenden Versuche, ’Belastungsindices’, Verwahrlosungsmerkmale, psychophysische Dispositionen und Intelligenzniveaus zu konstruieren und sie mit kriminellem Verhalten in Beziehung zu setzen—u.a. um die ’arrestgeeigneten’ oder ’arrestwürdigen’ von den ’arrestungeeigneten’ Jugendlichen und Heranwachsenden zu unterscheiden und/oder ein Maß für die Differenzierung der Rückfallquoten zu erhalten. Vgl. dazu die in Kap 1.4 nachgewiesenen älteren Arbeiten zum Jugendarrest.Google Scholar
  3. 3.
    Als handlungstheoretischer Versuch, der allerdings nicht hinreichend expliziert wird Busch/Hartmann (1984). Zu methodologischen Problemen einer Integration kriminologischer Theorien, geleitet vom ’Paradigma’-Konzept Thomas Kuhns, Camus/Elting (1982). Vgl. auch Kerscher (1978), Lamnek (1977), Lamnek (1983).Google Scholar
  4. 4.
    Statistisches Jahrbuch 1985 S. 64; (Stand 1983), eigene Berechnungen. Der Anteil der männlichen, ledigen Jugendlichen zwischen 15 und unter 20 Jahren an allen männlichen Jugendlichen dieser Altersgruppe liegt bei 99,8%.Google Scholar
  5. 5.
    Dieser Wert entspricht annähernd dem der amtlichen Statistik. Dort liegt die Aufenthaltsdauer der meisten ausländischen Jugendlichen und Heranwachsenden 1984 bei 10–15 Jahren. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 69Google Scholar
  6. 6.
    Bei Eisenhardt (1977), S. 236 beträgt z.B. der Anteil der Arrestanten, die einen Schulabschluß haben, ’nur’ 56%.Google Scholar
  7. 7.
    Dies entspricht durchaus auch dem Bundesdurchschnitt. 1982 (Mikrozensus) betrug der Anteil von Jugendlichen im Alter von 15–20 Jahren, die über einen Hauptschulabschluß verfügen, 35,1%, die eine Lehr- oder Anlernausbildung abgeschlossen haben, 11,4%. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 351, eigene Berechnungen.Google Scholar
  8. 8.
    Dieser Anteil ist im Bundesvergleich allerdings sehr gering. Dort beträgt er 46%; eingerechnet sind in der amtlichen Statistik allerdings auch diejenigen, die keine Angaben zum Bildungsabschluß gemacht haben. Diese Zusammenfassung von Jugendlichen ohne Bildungsabschluß und ohne Angaben entspricht nicht dem methodischen Niveau der sonst sorgfältig differenzierenden amtlichen Statistik. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 351.Google Scholar
  9. 9.
    Dieser Wert entspricht in etwa dem, den Eisenhardt (1977), S. 236 erhoben hatte (39% Abbruch der Lehre). Er übersteigt erheblich die durchschnittlich erwartbare Quote. In den letzten Jahren (1979–1984) betrug die Abbruchquote bei Lehrverhältnissen in Hessen durchschnittlich 5,6%. Statistische Berichte des Hessischen Statistischen Landesamts: Auszubildende und Prüfungen 19791984.(1980–1984), S. 24–25. Auch wenn man diesen Wert—bezogen auf das Durchschnittsalter der Jugendlichen im Arrest—für drei oder vier Jahre kumuliert, bleibt er weit unter der Abbruchquote von 40% für die Arrestanten.Google Scholar
  10. 10.
    Der Anteil der Auszubildenden an der Altersgruppe der 15- bis unter 21jährigen liegt im Bundesdurchschnitt um knapp 5% höher. 1983 erreichte er 16,6%. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 62, 359; eigene Berechnungen.Google Scholar
  11. 11.
    Vergleicht man diese Zahlen für das Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahr mit den hessischen Zahlen, so liegen die Werte fir die Arrestanten deutlich höher als die für Hessen insgesamt. Am BGJ und BVJ beteiligten sich in Hessen 1983/84 nur 3% der Altersjahrgänge der 15- bis unter 21jährigen, während der Anteil der Arrestanten an diesen Institutionen mehr als doppelt so hoch liegt. Probleme bei der Suche einer Arbeitsstelle und die Überbrückungsfunktion dieser Schulformen dürften für den höheren Anteil von Arrestanten mitverantwortlich sein. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 62 und Statistische Berichte des Hessischen Statistischen Landesamtes: Die beruflichen Schulen in Hessen, Schuljahr 1983/84. (1984), S. 17; eigene Berechnungen.Google Scholar
  12. 12.
    Zur Bedeutung von Arbeit für Jugendliche Baethge (1985)Google Scholar
  13. 13.
    Die Wechslerquote’ liegt jedoch noch deutlich unterhalb der Befunde von Eisenhardt (1977), S. 236. Dort sind es—allerdings zu günstigeren konjunkturellen Zeiten—über 50% der Arrestanten, die ihre Arbeitsstelle nicht nur zwei, sondern drei- und mehrmals gewechselt hatten.Google Scholar
  14. 14.
    Mit 53% liegt die Arbeitslosenquote erheblich höher als bei Eisenhardt (1977), S. 236, der 33% Arrestanten als arbeitslos angibt (unter anderen Bedingungen des Arbeitsmarktes). Sie ist aber auch wesentlich höher als die im Bundesdurchschnitt. Die Arbeitslosenquote der unter 20jährigen an den 18- bis unter 21jährigen (die Jahrgangsdifferenzen ließen sich aus der Statistik nicht bereinigen) liegt bei unter 10%. Statistisches Jahrbuch 1985, S. 62, S. 111.Google Scholar
  15. 15.
    Nettoeinkommen abzüglich Haushaltsbeitrag, Miete, laufende Verpflichtungen, Lebensunterhalt etc.etc.Google Scholar
  16. 16.
    So etwa für jugendliche Strafgefangene bei Hofmann/Pönitz/Herz (1975), S. 237, die sich darüber wundern, daß von “Jugendliche(n), die in einem solchen Umfang gestört sind ... noch 66,9% das Ziel der Hauptschule erreichen”. Deshalb muß dann ein Vergleich von Rechen- und Rechtschreibleistungen bei Gefangenen mit einer “Testnorm” (ebd., Anm. 84) dazu dienen, dennoch “die schlechten Schulleistungen (als) das Ergebnis der ökonomischen, sozialpsychologischen und soziokulturellen Unterschichtbedingungen sowie des Unvermögens unseres Schulsystems” (ebd., S. 238) qualifizieren zu können.Google Scholar
  17. 17.
    Entsprechende Vergleichszahlen zur Beteiligung ’normale? Jugendlicher an Vereinen, die es erlauben würden, diesen Befund zu bewerten, waren in den amtlichen Statistiken nicht zu ermitteln.Google Scholar
  18. 18.
    Statistisches Jahrbuch 1985, S. 66; eigene Berechnungen. Anzumerken ist hierbei jedoch, daß die Statistik ’Kinder’ als Familienangehörige unterhalb des vollendeten 18. Lebensjahres definiert. Für eine Einbeziehung der höheren Altersgruppen, die eine genauere Vergleichbarkeit erlauben würde, liefert die Statistik keine eigens ausgewiesenen Daten. Auch wenn zu vermuten ist, daß sich der Prozentsatz von 10,5% fir die bundesdeutschen ’unvollständigen’ Familien mit Kindern bei einer Erweiterung der Altersgruppe etwas erhöhen würde, kann jedoch kaum davon ausgegangen werden, daß er sich mehr als verdoppelt und den Wert von 24% erreicht.Google Scholar
  19. 19.
    Um den Fragebogen nicht zu fein zu differenzieren, die Interviewsituation nicht zu komplizieren, besonders aber wegen des Primärinteresses der Untersuchung am Vollzug wurde auf die Erhebung weiterer Informationen zur Wohnsituation, etwa die Art—Mietwohnung, Wohnblock oder Eigentum -, die Lage—ländlich, Stadtrand oder Zentrum, Hochhausgebiet oder niedrig bebautes Siedlungsgebiet—o.ä. verzichtet.Google Scholar
  20. 20.
    Statistische Berichte des Hessischen Statistischen Landesamtes: Gebäude und Wohnungen in Hessen im April 1978. (1981), S. 12; eigene Berechnungen. Demzufolge leben in 55,1% der Wohnungen 0,5 Personen pro Raum, und in nur noch 33% der Wohnungen leben 0,9 Personen pro Raum.Google Scholar
  21. 21.
    Ähnliche Werte auch bei Eisenhardt (1977), S. 234. Bei den Angaben zur sozialen Entwicklung der Arrestanten, die sich auf die Zeit nach dem 12. bzw. 14. Lebensjahr beziehen, ist der Anteil von ’keine Angaben’ relativ hoch. Dies resultiert daraus, daß dieser Lebensabschnitt in der ursprünglichen Fassung des Fragebogens nicht berücksichtigt war und als zusätzliche Frage eingefügt wurde, nachdem ein größerer Teil von Befragungen bereits durchgeführt worden war. Da man jedoch in jeder Hinsicht von einer Normalverteilung der Arrestanten im Laufe eines Jahres ausgehen kann, können die Arrestanten, die dann schließlich zu ihrer sozialen Situation nach dem 12. bzw. 14. Lebensjahr befragt wurden, als repräsentative Stichprobe gelten.Google Scholar
  22. 22.
    Süssmuth in Speck/Wehle (Hrsg.), Bd. I, (1970), S. 619 zum Fehlen des Vaters als “nachteiliger Faktor für die Persönlichkeitsentwicklung”.Google Scholar
  23. 23.
    Dieses einfache Berechnungsverfahren gibt freilich nicht präzise den Prozentanteil geschiedener Ehen der letzten Jahrzehnte an. Dies läßt schon die Konstanzunterstellung nicht zu. Es veranschaulicht aber wenigstens näherungsweise die Differenz zwischen einer ’normalen’ und der ’abweichenden’ Verteilung. Für die zugrundegelegten Zahlen Statistisches Jahrbuch 1985, S. 80 (Stand 1983); eigene Berechnungen.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. etwa Kupffer (1977). Eckensberger (1971).Google Scholar
  25. 25.
    Diese Anteile liegen aber deutlich unterhalb derer, die Eisenhardt (1977), S. 235 ermittelt hat. Nach seinen Erhebungen sind “17% der Jugendlichen ... in einem Kinderheim gewesen, 14% in FEH und 7% in FE (Heimen); 10% waren in einem Jugendwohnheim.”Google Scholar
  26. 26.
    Fast identische Werte ergeben sich bei Eisenhardt (1977), wenn man sie nach der Tabelle S. 231 berechnet. Der Begriff der ’Großfamilie’ als “Familien mit fünf und mehr Kindern”, den er im Text so definiert (S. 235), dürfte zu eng gefaßt sein und die Grenze zu sehr nach oben verschieben.Google Scholar
  27. 27.
    Statistisches Jahrbuch 1985, S. 66: Mehrpersonenhaushalte in 1000 (Stand April 1982); eigene Berechnungen.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Eisenhardt (1977), S. 235: Arbeiter 34%, Facharbeiter 42%, Angestellte und Beamte 15%. Die Differenz zu Eisenhardt wird noch prägnanter, wenn man bei der Prozentuierung die Werte für die Kategorie ’kein Vater/Mutter, weiß nicht’ unberücksichtigt läßt.Google Scholar
  29. 29.
    Vergleichszahlen ähnlicher Tendenz etwa bei Feltes (1981a), S. 309 (mit allerdings starken regionalen Differenzen besonders für München) und bei Pfeiffer (1981), S. 42. Ein Vergleich mit Eisenhardt (1977) ist nicht möglich, da dort nicht ’Delikte’, sondern ’Haupt’- und ’Neben’-delikte erhoben wurden, im Text nur auf ’Hauptdelikte’ Bezug genommen wird, zugleich aber weder eine Bestimmung dessen, was ein ’Hauptdelikt’ sei, noch dessen Abgrenzung von ’Nebendelikten’ angegeben wird. Insgesamt erfährt das Thema ’Delikte’ bei Eisenhardt eine wenig genaue und eher periphere Behandlung. Vgl. auch ebd. S. 276Google Scholar
  30. 30.
    Ähnliche regionale Differenzen für diese Delikte zeigen sich auch bei den Untersuchungen von Pfeiffer (1981) und Feltes (1981a).Google Scholar
  31. 31.
    Für den bundesdeutschen Vergleich s. Statistisches Bundesamt: Fachserie 10, Reihe 3, 1983, S. 100, eigene Berechnungen. Für einen Vergleich wurden jedoch aus der Untersuchung für die Jugendarrestanstalt Gelnhausen diejenigen Straftaten, die nicht per Urteil unmittelbar zu einem Arrest geführt haben, herausgerechnet, da in der amtlichen Statistik nur Verurteilungen, nicht aber die Arrestverhängung auf dem Beschlußwege gezählt werden. Die Tab. 45 gibt deshalb unter der Rubrik ’eigene Erhebungen’ nur die Urteile wieder.Google Scholar
  32. 32.
    Berücksichtigt man die Ergebnisse von Pfeiffer (1981) und Feltes (1981a), die für die Arrestanstalten Oberbayern, München, Kaufungen und Hamburg bei Verkehrsdelikten im Durchschnitt ebenfalls auf ca. 30% der Arrestverurteilungen kommen, dann bleibt doch immer noch ein Erklärungsbedarf für die erhebliche Differenz zum Bundesdurchschnitt.Google Scholar
  33. 33.
    Jede einzelne Prozentzahl gibt den Anteil der positiven Nennungen an; die Differenz zu 100% bezeichnet den Anteil der negativen Nennungen; aufgrund von Mehrfachnennungen übersteigt die Spaltensumme 100%Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. Anm. zu Tab. 46Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. Anm. zu Tab. 46Google Scholar
  36. 36.
    Der relativ hohe Anteil von arbeitslosen Jugendlichen, die erst in der Zukunft ein Verfahren wegen Diebstahls erwarten, belegt noch nicht das Gegenteil. Die Angaben zu offenen Verfahren sind Selbstangaben und, wie bereits angedeutet, nicht unbedingt als sachlich eindeutig zu werten.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. Anm. zu Tab. 46Google Scholar
  38. 38.
    Dazu Lüders (1984), Kiefl/Lamnek (1983)Google Scholar
  39. 39.
    Daß dies bei arbeitslosen Jugendlichen nicht zutrifft, könnte damit zusammenhängen, daß sie dem Gericht eher kurzfristige Arbeitsperspektiven plausibel machen können und, um diese nicht zu gefährden, mit der Verhängung von Jugendarrest vorsichtiger umgegangen wird.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. z.B. Ostendorf (1983), S. 576Google Scholar
  41. 41.
    Auch die Ergebnisse der Untersuchungen von Pfeiffer (1981), S. 38 und Feltes (1981a), S. 309 ergeben—allerdings ohne, daß dieses Frage im Zusammenhang mit dem Sanktionsverhalten der Gerichte ausführlicher diskutiert wird—ähnliche, nur wenig geringere Werte. Mit Ausnahme von Hamburg, wo ’nur’ 25% der Arrestanten vorher noch kein Verfahren hatten, liegt der Anteil von Arrestanten ohne Vorverfahren bei den übrigen untersuchten Arrestanstalten bei durchschnittlich 47%.Google Scholar
  42. 42.
    Pfeiffer (1983), S. 17 f.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Edwin Keiner

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