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Soziales Gefüge und Raumordnung der industriellen Großstadt

  • Gunther Ipsen
  • Walter Christaller
  • Wolfgang Köllmann
  • Rainer Mackensen
Chapter
Part of the Forschungsberichte des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums Nordrhein-Westfalen book series (FWV)

Zusammenfassung

Die industrielle Großstadt, wie wir sie verstehen, ist Ort und Ergebnis des Ballungsvorganges, wie das vorangehende Kapitel ihn beschreibt. Sie ist räumlich und funktionell ein Teil der Agglomeration. Vorgänge, Gefüge und Raumordnung, die sich großräumig erkennen lassen, beruhen auf den Verhältnissen in der industriellen Großstadt.

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Literatur

  1. 5.
    Werner SOMBART, Der Begriff der Stadt und das Wesen der Städtebildung, Arch.f.Sozwiss.u.Sozpol., Tübingen 25 (1907); vgl. auch: Der moderne Kapitalismus, München-Leipzig 1928 (19o2) Bd.I, 5.127–187 und Bd.III, 5.399–423. Hier wird der Begriff zuerst im Hinblick auf die Städte als primäre und sekundäre Industriestädte entwickelt, am Modell der Großstadt dann die Durchmischung beider Elemente gezeigt, aus der die Entwicklung der modernen Industriestadt erklärt wird. Gewisse Leistungen nämlich schaffen die Lebensgrundlage für sich selbst und für weitere Leistungen, die jenen dienen. Während jener Teil also die Stadt bildet oder gründet, kann dieser nur ihm folgen, nicht aber für sich bestehen. Daraus läßt sich die Unterscheidung von Grund-und Folgeleistungen und von diesen entsprechenden gründenden und folgenden Bevölkerungsteilen und deren weitere Differenzierung ableiten. Der häufig verwendete Begriff der Primären und Sekundären für diese Leistungen und Bevölkerungsteile wird hier mit Rücksicht auf die neuerlich eingeführten, abweichend ökonomisch definierten Begriffe von Primären, Sekundären und Tertiären (vgl. FOURASTIE, Jean: Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts, Bund Verlag, Köln 1954, der für die von Colin CLARK, The Conditions of the Economic Progress, London 194o, eingeführten Begriffe umfangreiches statistisches Material vorgelegt) vermieden. (Vgl. weiter: G. IPSEN, Art. Bevölkerungslehre, Hwb.d.Grenz-und Auslandsdeutschtums, Bd. 1, S. 437 ).Google Scholar
  2. 6.
    G. GASSERT, Die berufliche Struktur der deutschen Großstädte (nach der Berufszählung 19o7), Heidelberg 1917 W. SOMBART, Arch.f.Sozwiss.u.Sozpol. 19o7Google Scholar
  3. 7.
    Vgl. Gerhard ISENBERG, Die aktuelle Problematik der Tragfähigkeit, die Grundzüge ihrer Erfassung und Auswertung zur Strukturbeurteilung in der Bundesrepublik Deutschland, in: Berichte zur Landeskunde, Bd. 32 (1954) Heft 1, S. 38–51Google Scholar
  4. 8.
    Für die Überlegung siehe z.B. G. ISENBERG, Tragfähigkeit und Wirtschaftsstruktur, Bremen-Horn, 1953Google Scholar
  5. 9.
    G. IPSEN, Art.Stadt IV, Im Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Band 9, Göttingen 1956, S. 786–9ooGoogle Scholar
  6. 10.
    Eine neuere holländische Arbeit führt auf der Grundlage der holländi- schen Berufszählung von 193o eine ähnliche Aufrechnung gründender und folgender Teile der Bevölkerung für die Niederlande durch: J. WINSEMIUS, Vestigingstendenzen van de Nederlandse Nijverheid up Grond van de Beroepstelling van 193o, Deel I, ‘s-Gravenhage 1949. Die Zurechnung ist, da sich die Arbeit auf das ganze Land bezieht, einfacher als bei uns. Unter Grundleistungen werden hier verstanden alle “Ursprünglichen Grundindustrien”, d.h. solche, die abhängig sind von Roh- und Hilfsmaterialien im Boden, von landwirtschaftlichen Produkten, günstiger Verkehrslage und billigen Arbeitskräften; dazu die sogenannten “Abgeleiteten Grundindustrien”, das sind solche, die abhängig sind von billiger weiblicher oder jugendlicher Arbeitskraft, von besonders ausgebildeten Facharbeitskräften, von städtischen Zentren oder von Märkten, dazu die Hilfsindustrien. Alle Versorgungsindustrien sind dann Folgeleistungen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß 51,6% der holländischen Erwerbstätigen in den Grundleistungen (incl. der abgeleiteten Industrien) tätig sind, 48,4 in den Versorgungsbetrieben. Für unsere Untersuchung kann diese Zurechnungsmethode nicht übernommen werden, weil eine städtische Einheit anderen Bedingungen unterliegt als ein Land, für das weniger nach dem Versorgungsgebiet gefragt werden kann (denn das ist auf jeden Fall das Land selbst), sondern bei dem die Zurechnung nach den Wirtschaftszweigen allein vorgenommen werden darf.Google Scholar
  7. 10.
    Fortsetzung: Eine grundsätzliche Unterscheidung von Betrieben der Grund-und Folgeleistungen versuchte in den Jahren 1946/51 eine eigens zu diesem Zweck vom Nederlands Instituut voor Volkshuisvesting en Stedebouw im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Vorbereitung der Raumordnung eingesetzte Kommission (Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, März/April 1952, abgedruckt als Rapport Commissie van Lohuizen: Stuwende en verzorgende bedrijven, Rijksdienst voor het Nationale Plan, Nota Nr. 5). Sie unterschied die Betriebe in ihrer agglomerationsbildenden oder agglomerationsfolgenden Art, also in unmittelbarem Anschluß an W. SOMBART, nach einer Untersuchung, wie weit der Absatz prinzipiell an die innerhalb einer gegebenen örtlichen Einheit (holl.Provinz) vorhandene Bevölkerung gebunden sei oder nicht. Dabei ergaben sich eine Reihe von Grenzfragen, die von der Kommission nach dem holländischen Befund entschieden werden mußten. Weil dieser nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar ist, und weil auch die dort zugrundegelegten Berufssystematiken nicht unbedingt den in der deutschen Statistik benutzten vergleichbar sind, konnte die Einteilung hier nicht unmittelbar nach den Vorschlägen der holländischen Kommission vorgenommen werden. Vielmehr setzt eine Anwendung der holländischen Untersuchungsergebnisse auf deutsche Verhältnisse eingehende Analysen der deutschen Struktur voraus, zu denen mit der vorliegenden Studie ein Beitrag geleistet werden soll.Google Scholar
  8. 11.
    Für anders entwickelte Gesellschaften ist es entsprechend zu variieren. Das Verhältnis zwischen gründenden und folgenden Teilen der Bevölkerung entspricht statt 1:1 dann 1:1 oder 1:1; vgl. dazu die genannten Untersuchungen ISENBERG’s. Mit der gesteigerten Produktivität wächst die Tragfähigkeit der Grundleistungen und damit die Menge der Folgeleistungen. Das Gesetz vom “doppelten” Stellenwert gibt durch seine Varianten den Maßstab für den Stand der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung einer Gesellschaft. Vgl. auch G. IPSEN, Art. Stadt IV, im Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Göttingen 1956Google Scholar
  9. 12.
    Bergbau und Schwerindustrie bilden, der Art der Ruhrindustriestadt gemäß, die Grundlagen des städtischen Lebens. 195o gehörten 21,3% aller Erwerbstätigen der Wirtschaftsabteilung Bergbau/Steine und Erden/Energiewirtschaft und 22,9% der Wirtschaftsabteilung Eisen-und Metallgewerbe an. (Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Bundesrepublik gehörten 4,5% aller Erwerbstätigen zur Wirtschaftsabteilung 1 (Bergbau/Steine und Erden/Energiewirtschaft) und 11,5% zur Wirtschaftsabteilung 2 (Eisen-und Metallgewerbe); Stat.Jahrbuch BRD 1953, Tab. VII/A/1, S.110 ff.). 33,2% aller Beschäftigten arbeiteten in Großbetrieben (mit über 1.000 Beschäftigten) der genannten Wirtschaftsabteilungen.Google Scholar
  10. 13.
    Eingemeindungen: 1905: Körne; 1914: Dorstfeld, Huckarde, Deusen, Rahm, Wischlingen, Lindenhorst, Eying, Kemminghausen; 1918: Brackel, Wambel; 1928: Hörde, Rest des Landkreises Dortmund (22 Gemeinden); 1929: Ostteil des Landkreises Hörde. Vgl. H. HELLGREWE, Dortmund als Industrie-und Arbeiterstadt, 1951, S. 52, Anm. 91Google Scholar
  11. 14.
    Zum Vergleich: Zur Wirtschaftsabteilung Bergbau gehören in Bövinghausen 0,525 aller Erwerbspersonen, im gesamten Stadtviertel Nordwest o,511 und im Stadtviertel Südwest nur o,378Google Scholar
  12. 15.
    Statistische Jahrbücher Deutscher Gemeinden; neuester Stand: Mitteilungen der Industrie-und Handelskammer Dortmund, 2.1.1955, S. 6o. Der hier verwandte Begriff der Siedlungsflächen enthält im Sinne der amtlichen Bodennutzungserhebung die Summe der bebauten Flächen, der Verkehrsflächen, der privaten Parks und Gärten (unter o,5 ha Wirtschaftsfläche), der Spiel-und Sportplätze, Friedhöfe und öffentlichen Parks, die öffentlichen Gewässer und das Öd-und Unland. Der Begriff jst abgeleitet und erläutert in der Arbeit: G. IPSEN und K. WEICHSELBERGER, Bevölkerungsverteilung und LandbedarfGoogle Scholar
  13. 16.
    Die Arbeitskapazität wird am Verhältnis der Arbeitsplätze zu den wohnhaften Erwerbspersonen gemessen (Beschäftigte je 1,00 Erwerbspersonen). Der Ausdruck steht behelfsweise statt des aussagekräftigeren der Ortsbeschäftigung (Erwerbspersonen minus Auspendler (Fortsetzung s. S. 85)Google Scholar
  14. 16.
    Fortsetzung: je 1,00 wohnhafte Erwerbspersonen überhaupt), der nur für Gebiete gebildet werden kann, für die Pendler gezählt werden. Dafür ist das Gemeindegebiet kleinste Zähleinheit. Der Ausdruck der Arbeitskapâzität verdeckt den ausgeglichenen Berufsverkehr, der an der Ortsbeschäftigung sichtbar gemacht werden kann. Gerade dadurch bezeichnet die Arbeitskapazität jedoch auch einen Grenzwert für die Möglichkeit, den Berufsverkehr z.B. mit Hilfe der Siedlungsplanung zu drosseln. Nur der sich aufhebende Berufsverkehr in Gegenrichtungen oder im Ringausgleich kann bis zu einem gewissen Grade zum Verschwinden gebracht werden. Die Ungleichung zwischen Erwerbspersonen und Arbeitsplätzen eines Gebietes dagegen entsteht aus der im engen Raume notwendigen und sich immer erneut produzierenden Ungleichung zwischen den Berufswünschen der zweiten und weiteren Erwerbspersonen eines Haushaltes und der Zusammensetzung der Arbeitsmöglichkeiten. Diese sind im engeren Raume meist einseitig und können nicht alle Berufswünsche erfüllen. Die zweiten und weiteren Erwerbspersonen der Haushalte müssen ihren Arbeitsplatz deshalb häufig andernorts suchen. Der dadurch entstehende Berufsverkehr ist unvermeidlich und wird sich - auch wenn durch planenden Eingriff vorübergehend eine Gleichung hergestellt würde - immer wieder von selbst erzeugen. Ihn mißt der Ausdruck der Arbeitskapazität. Nur wenn Erwerbspersonen gleichen Berufs in gegenläufiger Richtung am Berufsverkehr teilnehmen, kann dieser durch Austausch der Wohnung oder des Arbeitsplatzes behoben werden. Zu den Begriffen und zum folgenden vergleiche G. IPSEN, Erloschener Bergbau, Zeitschrift für Raumforschung und Raumordnung 1953, S. 141. Die Ziffern für Dortmund siehe hier, Seite 89Google Scholar
  15. 17.
    vgl. dazu Kap. 2, S. 17, dieses Kap. S. 67 u. 88 und besonders Kap. 6, S.124: der tägliche Berufsverkehr ist weitgehend im sozialen Gefüge begründet und läßt sich nicht beliebig reduzieren Forschungsberichte des Wirtschafts-und Verkehrsministeriums Nordrhein-Westfalen Wohnbau zunehmend sein Recht. Das Stichjahr 195o weist den Zustand vorübergehender Ungleichung auf. Das damalige Verhältnis der Verteilung der wohnhaften Erwerbspersonen zu den Arbeitsplätzen zeigen für die wichtigsten Wirtschaftsabteilungen die Karten VI-IX. Ehe wir an ihnen das “Tagbild” des Standortes mit dem “Nachtbild” des Wohnorts vergleichen, sei auf dieses noch ein Blick geworfen.Google Scholar
  16. 18.
    vgl. hier Seite 8o Forschungsberichte des Wirtschafte-und Verkehrsministeriums Nordrhein-WestfalenGoogle Scholar
  17. 19.
    vgl. entsprechende Verhältnisse im Aachener Raum, dazu Kap. 2, S. 17, hier S. 67 und 85, und die dort zitierte Arbeit G. IPSEN, Erloschener Bergbau, Raumforschung und Raumordnung 1953, Seite 142Google Scholar
  18. o. und 21. siehe nächste Seite Forschungsberichte des Wirtschafts-und Verkehrsministeriums Nordrhein-WestfalenGoogle Scholar
  19. o. Anteile der Erwerbspersonen an allen Einwohnern (Wohnbevölkerung = 1,00)Google Scholar
  20. 21.
    Beschäftigte im Vergleich zu allen Erwerbspersonen des Stadtviertels (Erwerbspersonen insgesamt = 1,00. Die Ziffer der Arbeitskapazität gibt an, welcher Teil der Erwerbspersonen keinen Arbeitsplatz im gleichen Stadtviertel zu finden vermag oder - wenn sie 1,00 überschreitet - welcher Teil im Vergleich zu den hier ansässigen Erwerbspersonen hinzukommen muß, um die vorhandenen Arbeitsplätze zu besetzen. Die Wirklichkeit der Ortsbeschäftigung liegt durch den Austausch von Erwerbspersonen im Berufsverkehr unter den angegebenen Meßziffern. Vergleiche dazu hier Seite 42 und Seite 84 Anm. 16Google Scholar
  21. 22.
    vgl. Seite 56 ff.Google Scholar
  22. 23.
    Wilhelm BREPOHL, Der Aufbau des Ruhrvolkes im Zuge der Ost-West-Wande- rung, Recklinghausen 1948; vgl. insbes. Karte 1 (S.9) und S. 33–116Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1957

Authors and Affiliations

  • Gunther Ipsen
    • 1
  • Walter Christaller
    • 1
  • Wolfgang Köllmann
    • 1
  • Rainer Mackensen
    • 1
  1. 1.SozialforschungsstelleUniversität MünsterDortmundDeutschland

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