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§ 3 Fehlende Rechtfertigung tatbestandsmäßigen Verhaltens

  • Georg Freund
  • Frauke Rostalski
Chapter
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Wir haben gesehen, dass Strafe als missbilligende Reaktion auf einen Verhaltensnormverstoß zweck- und wertrational nur zu legitimieren ist, wenn ein solcher Verhaltensnormverstoß als personale Fehlleistung tatsächlich vorliegt. Bei den Überlegungen zur Tatbestandsmäßigkeit des Verhaltens hatten wir deshalb konsequenterweise solche Verhaltensweisen als nicht tatbestandsmäßig ausgeschieden, die mit Blick auf das speziell in Frage stehende Rechtsgut schon im Grundsätzlichen rechtlich nicht zu beanstanden sind oder bei denen bereits mit Blick auf die allgemeine Handlungsfreiheit des Art. 2 I GG keine rechtliche Verhaltensmissbilligung angezeigt ist. Kann über ein Verhalten ein grundsätzliches tatbestandliches Missbilligungsurteil gefällt werden, dann ist damit über das für eine Bestrafung erforderliche personale Verhaltensunrecht noch nicht abschließend entschieden. Denn das grundsätzliche Missbilligungsurteil z. B. über ein tatbestandmäßiges Tötungs-, Körperverletzungs- oder Sachbeschädigungsverhalten steht unter Vorbehalt: Das Verhalten kann gerechtfertigt sein. Für diesen Fall ist die Rechtsfolge der Bestrafung verfehlt. Außerdem ist zu beachten, dass ein tatbestandsmäßig-rechtswidriges Verhalten in seinem Gewicht zu gering sein kann, um die gravierende Rechtsfolge der Bestrafung zu tragen. Das vorhandene personale Verhaltensunrecht muss dafür hinreichend gewichtig sein.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Georg Freund
    • 1
  • Frauke Rostalski
    • 2
  1. 1.Fakultät für RechtswissenschaftenUniversität MarburgMarburgDeutschland
  2. 2.Institut für Strafrecht und StrafprozessrechtUniversität zu KölnKölnDeutschland

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