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Agrarrecht 4.0 – Digitale Revolution in der Landwirtschaft

  • Ines HärtelEmail author
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Zusammenfassung

Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft verändert in überdurchschnittlich wachsendem Maß und mit hoher Intensität auch die Landwirtschaft. Diese hat bereits in den letzten Jahrzehnten auch dank hoher Technisierungsgrade erhebliche Ertragssteigerungen erreichen und so Ernährungssicherung garantieren können. Die hohe Produktivität zeigt sich darin, dass ein Landwirt 1900 etwa 4, 1949 rund 10 und heute (bei weniger Fläche) rund 155 Menschen ernährt – bei steigender Bevölkerungszahl. Die Digitalisierung der Landwirtschaft führt diesen wachsenden Produktivitätsprozess auf erweiterter, innovativer Technologiebasis fort und gestaltet zugleich den land- und ernährungswirtschaftlichen Bereich gegenüber früher tiefgreifend um. Differenziertere, effektivere und zielgenauere Agrarproduktion, Qualitätssteigerung und höhere Erträge von Nahrungsgütern im Tier- und Pflanzensektor, geringere Umweltbelastung und sparsamerer Ressourceneinsatz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, betriebliche Effizienzsteigerung im Zeit-, Kosten- und Managementbereich, ökonomische und soziale Sicherung der Landwirte sowie bessere Transparenz für Handel und Verbraucher sind Ziele, die durch die Digitalisierung differenziert vorangebracht werden. Die Durchdringung mit Informations- und Kommunikationstechnologien dritter Ordnung im Agrarsektor führt sukzessive zu einer neuartigen Verbindung von bäuerlicher Erfahrung, landwirtschaftlichem Unternehmertum und digitaltechnologischer Kompetenz in der umfassenden „Infosphäre“ als fortentwickeltem agrarischem „Onlife“ – die ununterscheidbar zusammengewachsene Offline- und Online-Welt (siehe Floridi 2015, S. 67). Bauernregeln und Algorithmen, menschliche Intelligenz und künstliche Intelligenz, das Auge des kundigen Landwirts und das ausgelagerte „Auge“ über GPS, Wissenschaftsbasierung und Praxiserfahrung – all dies wird gewissermaßen eine neue Synthese bilden in einer künftigen – Agrar- und Lebensmittelbereich umfassenden – integrierten digitalen Ernährungswirtschaft. Bereits jetzt gehört die Landwirtschaft zu den am umfassendsten digitalisierten Sektoren, wobei im smarten Digital Farming die Anwendung in spezifischen Bereichen und Einzelfällen noch vorherrschend ist. Dabei kommt im Landwirtschaftssektor die ganze Bandbreite unterschiedlicher Digitaltechnologien zum Einsatz, die in ständiger Weiterentwicklung (Becaming, Permanent-Updates) begriffen sind. Zu nennen sind vor allem Computing/PC, Online-Technologien/Internet, Satellitentechnik/GPS, Data Mining und Big Data, Cloudtechnik, Ansätze der Künstlichen Intelligenz (KI), Robotik, Sensortechniken, Drohnen (unbemannte Luftfahrzeuge), Erweiterte Realität (AR) und Virtuelle Realität (VR), Blockchain, Mobiles Bezahlen, Mobiltechnologien wie Smartphone und Tablet, aber damit verbunden auch Apps, Trackingsysteme, Scorings, Chatbots und Social-Web verbindungen. Diese Digitaltechnologien verschiedener Ausrichtung, Ausprägung und Reifegrade kommen in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Produktionssegmenten zum Einsatz, stehen in der Erprobung oder sind als Prototypen vorhanden.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Europa-, Umwelt-, Agrar- und Ernährungswirtschaftsrecht; Forschungsstelle für DigitalrechtFrankfurt (Oder)Deutschland

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