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Organische Kohlenstoffverbindungen – eine erste Übersicht

  • Horst BannwarthEmail author
  • Bruno P. Kremer
  • Andreas Schulz
Chapter

Zusammenfassung

Bis in das 17. Jh. war es üblich, die in der Natur vorkommenden Stoffe entsprechend ihrer Herkunft als mineralische, pflanzliche und tierische Substanzen zu unterscheiden. Im 18. Jh. grenzte man die mineralischen Stoffe als „unorganisierte Körper“ von den „organisierten Körpern“ aus Pflanzen oder Tieren ab. Erst im 19. Jh. ersetzte man den Begriff „Körper“ durch Substanz oder Verbindung und nannte die stofflichen Komponenten organismischer Herkunft konsequenterweise „organische Verbindungen“. Heute ist es nicht nur in den Medien fallweise üblich, von „chemischen Substanzen“ zu sprechen, was allerdings einen Pleonasmus darstellt.

Erst in der fortgeschrittenen Neuzeit begann man damit, auch bestimmte Stoffe aus natürlichen Verbindungsgemischen organismischer Herkunft gezielt zu isolieren und möglichst rein darzustellen. Der schwedische Chemiker und Apotheker Karl Wilhelm Scheele (1742–1786) gewann beispielsweise reine Citronensäure, Weinsäure, Milchsäure und Oxalsäure aus üblichen Lebensmitteln und versuchte, ihre Zusammensetzung durch Verbrennung mit anschließender Analyse von Art und Menge der Verbrennungsprodukte zu bestimmen. Die meisten dieser aus der Natur bzw. aus Organismen gewonnenen Verbindungen bestanden, wie sich aus diesen frühen Ergebnissen überraschend ergab, aus nur wenigen Elementen in relativ unübersichtlichen, damals noch weitgehend unverstandenen Massenverhältnissen. Der schwedische Chemiker Jöns Jakob Berzelius (1779–1848) stellte erstmals einige gemeinsame Merkmale dieser Stoffe heraus, darunter geringe Wärmebeständigkeit und Brennbarkeit, und nannte sie „organisch“, weil sie allesamt aus Lebewesen stammten und nach damaliger Einschätzung auch nur von lebenden Systemen aufgebaut werden können. Damit war das Teilgebiet der Organischen Chemie begründet. Aber schon 1828 leitete der deutsche Chemiker Friedrich Wöhler (1800–1882) einen Paradigmenwechsel ein, als er aus der anorganischen Verbindung Ammoniumisocyanat (NH4OCN) die als organisch aufgefasste Substanz Harnstoff (H2N–CO–NH2, Diamid der Kohlensäure) herstellte. Damit fiel erstmals die bis dahin als grundsätzlich empfundene Schranke zwischen anorganischer und organischer Chemie, zumal in der Folgezeit immer häufiger organische Verbindungen aus anorganischen oder auch auf synthetischem Wege hergestellt wurden – bereits im Jahre 1845 beispielsweise die Essigsäure aus ihren Elementen C, H und O.

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Authors and Affiliations

  • Horst Bannwarth
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  • Bruno P. Kremer
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  • Andreas Schulz
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  1. 1.FrechenDeutschland
  2. 2.WachtbergDeutschland
  3. 3.Universität zu KölnKölnDeutschland

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