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Das Agrarsystem in Deutschland 2010 bis 2020 – die gesellschaftliche Seite

  • Ulrich Hampicke
Chapter

Zusammenfassung

Wie schon im Kap. 1 angesprochen, blickt das Landvolk in Mitteleuropa auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Das mittelalterliche Feudalwesen enthielt eine gewisse Gerechtigkeit derart, dass die Abhängigkeit zwischen „oben“ und „unten“ wechselseitig war. Die einfachen Leute waren unfrei und hatten den Landesherrn zu versorgen, dieser jedoch hatte die Aufgabe, sie in gefährlichen Zeiten zu schützen, und die Zeiten waren oft gefährlich. Während relativ kurzer Zeiträume und in bestimmten Regionen konnten Bauern auch wirtschaftliche und persönliche Vorteile erringen, aber das war nicht von Dauer. Über Jahrhunderte hinweg änderten sich die Machtstrukturen auf dem Lande meist zugunsten der Herrenschicht. Grafen, Rittergutsbesitzer und andere drehten an den Stellschrauben der Agrarverfassung stets in der Richtung, dass aus noch relativ selbstständigen Bauern Hörige aller Abstufungen wurden und dass jene immer weniger Rechte behielten. Sie hatten Spann- und Frondienste zu leisten, mussten immer größere Teile ihrer eigenen Ernte abgeben, bekamen zu hören, was sie alles nicht mehr durften, wie ohne Erlaubnis zu heiraten, ihr Land zu vererben oder gar zu verkaufen, nicht einmal durften sie den Herrschaftsbezirk verlassen. Das Jagdvergnügen der Adligen wurde in heute unbegreiflich rücksichtsloser Weise ausgeübt; Zerstörungen auf den Feldern der Bauern interessierten nicht. Kam Krieg, zündeten die Landsknechte das Getreide auf dem Feld an, bis niemand mehr etwas zu essen hatte.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.LS für LandschaftsökonomieUniversität GreifswaldGreifswaldDeutschland

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