Advertisement

Partnerschaftsprobleme bei Suchterkrankung im Alter: Grundlagen und Interventionen

  • Michael Vogt
Chapter
Part of the Psychotherapie: Praxis book series (ÜSÜR)

Zusammenfassung

„Ehe und Partnerschaft im Alter“ stellen bis heute ein Randthema im öffentlichen Bewusstsein dar. Dabei haben aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer Verlängerung der Lebenserwartung heute immer mehr Paare die Möglichkeit, auf eine über 50-jährige Ehegeschichte zurückzublicken, wenn sich ihre Liebe nicht vorher „verflüchtigte". So kommt es zu einer Spannung zwischen einem öffentlich bedienten Ideal, welches Modelle des gemeinsamen Älterwerdens mit einer starken gegenseitigen emotionalen Bezogenheit der Partner favorisiert, während auf der anderen Seite persönliche Lebensperspektiven und Sehnsüchte, ungleichzeitige Bedürfnisse beider Partner nach Nähe und Distanz wie auch zu bewältigende Entwicklungsaufgaben als Folge gesellschaftlicher Individualisierungstendenzen stehen. Kommen körperliche Einschränkungen oder gar Erkrankungen eines Partners hinzu, hat dies in der Regel unmittelbare Auswirkungen auf die erlebte Partnerschaftsqualität. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Paargeschichte seit längerer Zeit durch eine Abhängigkeitserkrankung dominiert wird („early-onset“) oder wenn einer der Partner im höheren Alter („late-onset“) an einer Sucht erkrankt. Aufgrund der oftmals vorliegenden Multimorbidität im Alter kommt erschwerend hinzu, dass die Entwicklung einer Suchterkrankung im sogenannten „vierten Lebensalter“, das heißt nach dem 70. /75. Lebensjahr, in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch ausgeblendet wird. Dieses Kapitel will für die Wechselwirkung einer Suchterkrankung auf die Paarbeziehung sensibilisieren und beraterische sowie therapeutische Ansatzpunkte für beteiligte psychosoziale Akteure aufzeigen.

Literatur

  1. Antonovsky, A. (1979). Health, stress and coping. San Francisco: Jossey-Bass.Google Scholar
  2. Ascheraden, C., Gellert, R., & Hagenbuch, F. (2007). Sucht im Alter: Die stille Katastrophe. https://www.aerzteblatt.de/archiv/54098/Sucht-im-Alter-Die-stille-Katastrophe. Zugegriffen: 09.03.2018.
  3. Boesch, E. E. (1980). Kultur und Handlung: Einführung in die Kulturpsychologie. Bern: Huber.Google Scholar
  4. Buber, M. (1997). Das dialogische Prinzip (8. Aufl.). Heidelberg: Lambert.Google Scholar
  5. Buchebner-Ferstl, S. (2002). Die Partnerschaft als Ressource bei kritischen Lebensereignissen am Beispiel der Pensionierung. Working Paper des Österreichischen Instituts für Familienforschung. www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CCEQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.oif.ac.at%2Ffileadmin%2OEIF%2FWorking_Paper%2Fwp_19_partnerschaft_pensionierung.pdf&ei=uSVTVdqaJcSrswHSsYHoBA&usg=AFQjCNExjAkOP_z-077vC99Lzu7-kY9vyw&sig2=HDurMeDOnWvJhoczrQkTXQ&bvm=bv.93112503,d.bGg&cad=rja. Zugegriffen: 09.03.2018.
  6. Bundesärztekammer (2007). Medikamente – schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit. Leitfaden für die ärztliche Praxis. www.bundesaerztekammer.de/downloads/LeitfadenMedAbhaengigkeit.pdf. Zugegriffen: 09.03.2018
  7. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (2005). Fünfter Bericht der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Potentiale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen. Berlin.Google Scholar
  8. Burman, B., & Margolin, G. (1992). Analysis of the association between marital relationships and health problems: An interactional perspective. Psychological Bulletin, 112, 39–63.CrossRefPubMedGoogle Scholar
  9. Bündnis 90/Die Grünen im Bayrischen Landtag (Hrsg.). (2001). Sucht auf Rezept. Probleme Medikamentenabhängigkeit. Reader zur Anhörung. München.Google Scholar
  10. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2012). Substanzbezogene Störungen im Alter. Informationen und Praxishilfen. Bramsche: Rasch.Google Scholar
  11. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2013). Medikamentenabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe, Band 5. Bad Oeynhausen: Kunst- und Werbedruck.Google Scholar
  12. Droller, H. (1964). Some aspects of alcoholism in the elderly. The Lancet, 2, 137–139.CrossRefGoogle Scholar
  13. Fooken, I., & Lind, I. (1996). Scheidung nach langjähriger Ehe im mittleren und höheren Lebensalter. Band 113 der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Stuttgart: Kohlhammer.Google Scholar
  14. Friedan, B. (1995). Mythos Alter. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  15. Gahleitner, S., & Pauls, H. (2013). Biopsychosoziale Diagnostik als Voraussetzung für eine klinisch-sozialarbeiterische Interventionsgestaltung: Ein variables Grundmodell. In S. B. Gahleitner, G. Hahn, & R. Glemser (Hrsg.), Psychosoziale Diagnostik (S. 61–77). Köln: Psychiatrie Verlag.Google Scholar
  16. Glaeske, G. (1996). Beruhigt bis zum Ende: Die Arzneimitteltherapie für ältere Menschen. Sucht aktuell, 3, 5–9.Google Scholar
  17. Goldbrunner, H. (1994). Masken der Partnerschaft. Mainz: Grünewald.Google Scholar
  18. Goldbrunner, H. (2001). Wenn der Horizont sich weitet –Ältere Paare – eine Chance für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung. In: Bundesverband der Kath. Ehe-, Familien- und Lebensberater (Hrsg.), Blickpunkt Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Ausgabe 6, S. 6–16. www.bv-efl.de/fachz/bp6.htm. Zugegriffen: 09.03.2018.
  19. Jone, H. (1953). Katholische Moraltheologie. Paderborn: Schöningh.Google Scholar
  20. Karl, F. (1993). Die Älteren – Zur Lebenssituation der 55–75-jährigen. Eine Studie der Institute Infratest Sozialforschung (2. Aufl.). Bonn: Sinus und Horst Becker.Google Scholar
  21. Klann, N., & Hahlweg, K. (1987). Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Besuchsmotive und Bedarfsprofile: Ergebnisse einer empirischen Erhebung. Freiburg: Lambertus.Google Scholar
  22. Klann, N. (2002). Institutionelle Beratung – ein erfolgreiches Angebot. Von den Beratungs- und Therapieschulen zur klientenorientierten Intervention. Feldstudie zur Ergebnisqualität in der Partnerschafts- und Eheberatung. Freiburg: Lambertus.Google Scholar
  23. Kiecolt-Glaser, J. K., Malarky, W. B., Chee, M., Newton, T., Cacioppo, J. T., Mao, H.-Y., & Glaser, R. (1993). Negative behavior during marital conflict is associated with immunological down-regulation. Psychosomatic Medicine, 55, 395–409.CrossRefPubMedGoogle Scholar
  24. Körkel, J., & Kruse, G. (2000). Mit dem Rückfall leben. Abstinenz als Allheilmittel? Bonn: Psychiatrie-Verlag.Google Scholar
  25. Kröger, C., Wilbertz, N., & Klann, N. (2003). Wie wirksam ist Ehe-, Familien- und Lebensberatung? Ergebnisqualitätssicherung in den katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen. Essen: Eigenverlag.Google Scholar
  26. Kunisch, M., & Schulz, A. (2011). Beratungs- und Unterstützungsangebote für ältere Menschen und ihre Angehörigen. In S. Kraus, & C. Zippel (Hrsg.), Soziale Arbeit für alte Menschen. Ein Handbuch (2. Aufl.). Frankfurt am Main: Mabuse.Google Scholar
  27. Melchinger, H., Schnabel, R., & Wyns, B. (1992). Verordnungspraxis von Medikamenten mit Abhängigkeitspotential. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  28. Motel-Klingebiel, A., Wurm, S., & Tesch-Römer, C. (Hrsg.) (2010) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS). Stuttgart: KohlhammerGoogle Scholar
  29. Pauls, H. (2004). Klinische Sozialarbeit – Grundlagen und Methoden psycho-sozialer Behandlung. Weinheim, München: Juventa.Google Scholar
  30. Petzold, H. G. (1993). Integrative Therapie. Modelle, Theorien und Methoden für eine schulenübergreifende Psychotherapie. Paderborn: Junfermann.Google Scholar
  31. Radebold H. (1992). Psychodynamik und Psychotherapie Älterer. Berlin: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  32. Rauchfleisch, U. (2006). Psychoanalytische Sozialarbeit mit dem bifokalen Behandlungsmodell. Klinische Sozialarbeit, 2(3), 4–7.Google Scholar
  33. Rosenmayr, L. (1996). Neue Beziehungen für Altern, Familienbeziehungen und Lebenslauf. In: Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung (Hrsg.), Beratung auf neuen Wegen (S. 49–61). Stuttgart: Kohlhammer.Google Scholar
  34. Statistisches Bundesamt (2009). Datenreport 2006 in Zusammenarbeit mit WZB und ZUMA. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland (Bd. 544). Wiesbaden: SFG Servicecenter Fachverlage.Google Scholar
  35. Vogt, M. (1998). Und immer voller Zärtlichkeit – Partnerschaft im Alter. Kevelaer: Butzon & Bercker.Google Scholar
  36. Vogt, M. (2001). Partnerschaft als neues Aufgabenfeld psychosozialer Beratung. Freiburg: Lambertus.Google Scholar
  37. Vogt, M. (2006). Partnerschaftliche Herausforderungen im dritten Lebensalter. In: Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. (Hrsg.), Die BAGSO Nachrichten, 15(1), 10–14.Google Scholar
  38. Vogt, M. (2007). Zwischen Hoffen und Bangen – Partnerschaftsberatung im Alter. In T. Friedrich-Hett (Hrsg.), Positives Altern (S. 95–111). Bielefeld.Google Scholar
  39. Vogt, M. (2009). Beziehungskrise Ruhestand – Paarberatung für ältere Menschen (2. Aufl.). Freiburg: Lambertus.Google Scholar
  40. Vogt, M. (2014). Partnerschaft und Partnerschaftsberatung im Alter. In: M. Vogt (Hrsg.), Lebens- und Bedarfslagen im Alter (S. 81–110). Augsburg: Ziel Verlag.Google Scholar
  41. Wietkamp, W. (2008). Suchterkrankung in Klerus und Orden. Überarbeiteter Vortrag vom 28. 10. 2008 bei der KSA im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz für Personalverantwortliche aus den Bistümern und Ordensgemeinschaften, KSA Hamm.Google Scholar
  42. Wilbertz, N. (2011). Ehe-, Familien- und Lebensberatung 2020 – Die Zukunft der EFL in sich wandelnder Gesellschaft. Sonderdruck der Fachzeitschrift „Blickpunkt EFL-Beratung“. www.katholische-eheberatung.de/fileadmin/pdf/BP_27_Sonderdruck_EFL2020.pdf. Zugegriffen: 09.03.2018.
  43. Willi, J. (1991). Was hält Paare zusammen. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  44. Wolter, D. K. (2011). Sucht im Alter – Altern und Sucht. Grundlagen, Klinik, Verlauf und Therapie. Stuttgart: Kohlhammer.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Fakultät Soziale Arbeit und GesundheitHochschule für angewandte WissenschaftenCoburgDeutschland

Personalised recommendations