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Referenzbereich, dosisbezogener

  • T. ArndtEmail author
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Englischer Begriff

dose-related reference range

Definition

„Derjenige Konzentrationsbereich [eines Pharmakons im Blut], der sich für eine bestimmte Dosis unter Zugrundelegung der Clearance-Daten als Mittelwert ± einfache Standardabweichung (x ± SD) ergibt“ (Haen et al. 2008).

Beschreibung

In ihm sollten sich 68,27 % der Wirkstoffkonzentrationen solcher Patienten befinden, die vergleichbar sind mit jenen, an denen die Pharmakokinetik des Medikaments in den klinischen Zulassungsstudien untersucht wurde. Dabei handelt es sich gewöhnlich um gesunde Erwachsene zwischen 18–65 Jahren ohne Komedikation, Stoffwechselerkrankungen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie ohne genetische Anomalien im Medikamentenstoffwechsel.

Abweichungen individueller Wirkstoffkonzentrationen unter gegebener Dosis vom dosisbezogenen Referenzbereich sollen „als Signal genutzt werden, um auf individuelle Veränderungen des Arzneimittelstoffwechsels aufmerksam zu werden“ (Haen et al. 2008). Dies können sein:
  • Pharmakokinetische Interaktionen mit Arznei-, Nahrungs- und Genussmitteln, z. B. durch Induktion des Medikamentenabbaus bei Komedikationen

  • Genetische Polymorphismen als Ursache für langsame oder schnelle Metabolisierer

  • Abnormale Leber- und/oder Nierenfunktion, z. B. durch Alter und/oder Erkrankung

  • Mangelnde Compliance des Patienten, z. B. unregelmäßige oder nicht rezeptkonforme Dosierung

  • Blutentnahmen außerhalb des pharmakokinetischen Fließgleichgewichts („steady state“), z. B. nicht unmittelbar vor der nächsten Dosis („Talspiegel“), sondern nach der Dosis („Spitzenkonzentration“)

  • Probennahmefehler, z. B. Entnahme aus dem Infusionszugang mit Eintrag des Wirkstoffs aus der Infusionslösung in die Blutprobe oder z. B. Verwendung von Gelröhrchen mit Adsorption des Analyten am Gel

  • Präanalytikfehler, z. B. falsche Probenaufbewahrung mit Abbau des Analyten oder Aufkonzentrierung der (offenen) Probe durch Verdunstung

  • Analysenfehler

Die Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP) listet in u. g. Quelle u. a. für ca. 80 Psychopharmaka sog. C/Dlow- und C/Dhigh-Faktoren [ng/mL/mg] auf, aus denen durch Multiplikation mit der individuellen Medikamentendosis [mg] die untere und obere Grenze [ng/mL] des dosisabhängigen (individuellen) Referenzbereiches berechnet werden kann.

Mit dem Konzept der dosisbezogenen Referenzbereiche sollen die im therapeutischen Drug Monitoring ( Therapeutisches Drug Monitoring) erhaltenen Informationen umfassender ausgewertet und besser für die Therapie des Patienten genutzt werden, um nicht nur, wie bisher üblich, die Lage des Messergebnisses in Bezug auf den therapeutischen Bereich zu bewerten, sondern auch um Hinweise auf eine möglicherweise anormale Pharmakokinetik zu erhalten.

Literatur

  1. Haen E, Greiner C, Bader W, Wittmann M (2008) Wirkstoffkonzentrationsbestimmungen zur Therapieleitung. Ergänzung therapeutischer Referenzbereiche durch dosisbezogene Referenzbereiche. Nervenarzt 79:558–566CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar
  2. Hiemke C et al (2012) AGNP-Konsensus-Leitlinien für therapeutisches Drug-Monitoring in der Psychiatrie: Update 2011*. Psychopharmakotherapie 19:91–122. *Übersetzung von Pharmacopsychiatry 2011 44:195–235Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Bioscientia Institut für Medizinische Diagnostik GmbHIngelheimDeutschland

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