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Protein-C-Resistenz, aktivierte

  • T. StiefEmail author
  • P. Kiefer
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Synonym(e)

 APC-Resistenz;  APCR

Englischer Begriff

APC resistance

Definition

Dahlbäck beschrieb im Jahr 1993 erstmals eine Resistenz von aktiviertem Faktor 5 (F5a) gegen aktiviertes Protein C (APC=PCa), die dazu führt, dass nach Zusatz von PCa zu Plasma sich die plasmatischen Gerinnungszeiten (z.B. die APTT) geringer als erwartet verlängern. Gleichzeitig geht diese APC-Resistenz (APCR) mit einem erhöhten familiären Thromboserisiko einher.

Beschreibung

In etwa 95 % der Fälle ist die APCR auf eine Punktmutation (Austausch Guanin zu Adenin) in der DNA-Sequenz des  Gerinnungsfaktor V (F5) an Position 1691 bedingt, die in einem Aminosäureaustausch (Arg506 zu Gln) an der Spaltstelle des APC resultiert und damit F5 resistent gegenüber der proteolytischen Aktivität von APC werden lässt. Diese Mutation wird nach der niederländischen Stadt Leiden Faktor-V-Leiden-Mutation genannt. Die Vererbung ist autosomal dominant. Weitere Ursachen einer APCR können eine Mutation an einer weiteren Spaltungsstelle des FV für APC sein. Der Austausch von Arg306 zu Thr (FV-Mutation Cambridge) ist mit einer geringeren Thromboseneigung belastet. Der Austausch Arg306 zu Gly (FV-Mutation Hong Kong) ist nicht mit einer APCR assoziiert. Die Inaktivierung des normalen FV erfolgt hauptsächlich durch Spaltung an der Position Arg506 mit weiteren Spaltungen an den Positionen Arg306 und Arg679.

Homozygote Faktor-V-Leiden-Mutationsträger haben ein bis zu 80-fach höheres Thromboserisiko, das Thromboserisiko von heterozygoten Trägern ist immer noch siebenmal höher als das der Gesunden. In der europäischen Normalbevölkerung beträgt die Prävalenz für die heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutation im Mittel 4 % (in Griechenland bis 15 %). Einnahme von Ovulationshemmern und Schwangerschaft bedeuten für Frauen mit einer heterozygoten Faktor-V-Leiden-Mutation ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko.

Die Bestimmung der APCR erfolgt mit einer Variante des aPTT. Durch das Vorverdünnen der Patientenprobe in FV-Mangelplasma wird eine hohe Spezifität und Sensitivität für Faktor-V-Leiden-Mutation erreicht. Die APC-Resistenz wird als Ratio angegeben:

APCR = Gerinnungszeit (aPTT) mit APC/Gerinnungszeit (aPTT) ohne APC

Der Test ist für Faktor-V-Leiden-Mutationen spezifisch. Bei APCR-Ratio >2,0 lässt sich eine Faktor-V-Leiden-Mutation ausschließen. Bei Werten zwischen >1,5, aber <2,0 liegt wahrscheinlich eine heterozygote Mutation vor.

Wenn eine APCR festgestellt wurde, sollte eine Gentypisierung erfolgen. Die Methoden zum Nachweis der Faktor-V-Leiden-Mutation basieren z.B. auf PCR-Amplifikation der entsprechenden Genregion. Kommerziell verfügbare Kits für die Genotypisierung Thrombophilie-assoziierter Mutationen stehen für den LightCycler zur Verfügung.

Literatur

  1. Chitolie A, Lawrie AS, Mackie IJ et al (2001) The impact of oral anticoagulant therapy, factor VIII level and quality of factor V-deficient plasma on three commercial methods for activated protein C resistance. Blood Coagul Fibrinolysis 12:179–186CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Laboratoriumsmedizin und PathobiochemieKrankenhaus der Philipps-UniversitätMarburgDeutschland
  2. 2.DortmundDeutschland

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