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Nitrit im Urin

  • W. G. Guder
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Englischer Begriff

nitrite reaction in urine; Griess’s examination

Definition

Nachweis von Kationen der untersalpetrigen Säure (Nitrite) mit Teststreifen auf der Basis der Griess-Reaktion ( Griess-Test) mit Sulfanilamid zu einem Diazoniumion, das mit Tetrahydrobenzoliumquinolin (THBCH) zu einem roten Diazofarbstoff umschlägt.

Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination

Nitrit entsteht aus Nitrat durch Reduktion mit in vivo einem nur in pathogenen Mikroorganismen vorkommenden Enzym Formiat-Nitrat-Reduktase. Nitrit stellt das Endprodukt dieser Reaktion dar und wird im Urin ausgehäuft.

Funktion – Pathophysiologie

Nitrat wird üblicherweise mit der (pflanzlichen) Nahrung aufgenommen und zum kleineren Anteil im Stoffwechsel des Menschen gebildet, sodass es im Urin physiologischerweise in einer Konzentration von ca. 1–2 mmol/L vorhanden ist. Bei Besiedlung der ableitenden Harnwege mit nitratreduzierenden gramnegativen Bakterien (z. B. E. coli, Klebsiella/Enterobacter, Pseudomonas spp., Proteus/Morganella-Gruppe), nicht aber von grampositiven pathogenen Keimen (Enterococcus spp., Staphylococcus spp., Streptococcus spp.) wird Nitrit während der Inkubation in der Blase angehäuft.

Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen

Mittelstrahlurin nach 3–4 Stunden Speicherung in der Blase (optimal erster Morgenurin).

Analytik

Teststreifenmethode basiert auf der Griess-Reaktion, die in der Variante nach Griess-Ilosvay aus 0,3 % Sulfanilsäure in 5 mol/L Essigsäure und Lösung von α-Naphthylamin in 5 mol/L Essigsäure besteht, die vor Gebrauch zu gleichen Teilen gemischt werden. Dieses Gemisch wird zu gleichen Teilen einer Urinprobe zugesetzt. Bei positiver Reaktion entsteht in Sekunden eine charakteristische Rotfärbung. Beim Teststreifenverfahren wird bei positiver Reaktion das Testfeld je nach verwendetem Streifen rosa bis rotviolett. Diese Reaktion basiert auf der Diazoreaktion mit 1,2,3,4-Tetrahydrobenzoquinolin.

Referenzbereich – Erwachsene

Negativ.

Referenzbereich – Kinder

Negativ.

Indikation

Im Rahmen der Basisuntersuchung mit Teststreifen zum Ausschluss und zur Bestätigung eines klinischen Verdachts auf Infektion der ableitenden Harnwege.

Interpretation

Eine sofort auftretende Färbung deutet auf eine Besiedlung des Urins mit gramnegativen Keimen hin. Die diagnostische Spezifität ( Spezifität, diagnostische) des positiven Befunds ist hoch (>90 %), während der negative Befund eine Infektion nicht ausschließt. Die Beurteilung kann nur gemeinsam mit klinischen Symptomen und dem gleichzeitig verwerteten Testfeld für Leukozyten eine Aussage über 80 %ige Sensitivität ( Sensitivität, diagnostische) ergeben.

Diagnostische Wertigkeit

Der Test hat nur im positiven Fall eine diagnostische Bedeutung. Falsch positive Befunde entstehen bei grob verunreinigten Urinen und längerer Aufbewahrung des Urins bei Raumtemperatur (>6 Stunden).

Literatur

  1. Hallmann L (1980) Klinische Chemie und Mikroskopie, 11. Aufl. Georg Thieme Verlag, StuttgartGoogle Scholar
  2. Kouri T, Fogazzi G, Gant V, Hallander H, Hofmann W, Guder WG (2000) European urinalysis guidelines. Scand J Clin Lab Invest 60(Suppl 231)Google Scholar
  3. Nicholas DJD, Nason A (1957) Determination of nitrate and nitrite. In: Colowick SP, Kaplan NO (Hrsg) Methods in Enzymology, Bd III. Academic, New York, S 981–984Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • W. G. Guder
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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