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Longitudinalbeurteilung

  • A. M. GressnerEmail author
  • O. A. Gressner
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Englischer Begriff

longitudinal judgement

Definition

Sie erfolgt durch Betrachtung der zeitlichen Abfolge (Zeitreihen) spezifischer Analysenergebnisse eines Individuums (eines Patienten).

Beschreibung

Es gibt 2 Arten der medizinischen Beurteilung von Analysenergebnissen:
  • Transversalbeurteilung

  • Longitudinalbeurteilung

Bei der Longitudinalbeurteilung wird das aktuelle Analysenergebnis x1 mit den diesbezüglichen früheren Ergebnissen (x2–xn) desselben Patienten verglichen, die während einer längeren Beobachtungszeit gewonnen worden sind. Die Streuung der Analysenergebnisse einer Messgröße von demselben Individuum ist wesentlich geringer als die Streuung der Ergebnisse eines alters- und geschlechtsentsprechenden Referenzintervalls ( Referenzintervall), was zur Definition individueller Referenzwerte ( Referenzwert) geführt hat. In diesem Falle ist der Patient ein eigenes  Referenzindividuum. Die Longitudinalbeurteilung ermöglicht die Erkennung sich langsam entwickelnder Veränderungen des Stoffwechsels früher als die Transversalbeurteilung. Voraussetzungen der Longitudinalbeurteilung sind:
  • Das analytische System muss während der ganzen Beurteilungszeitspanne unverändert sein.

  • Kontinuierliche Maßnahmen der Qualitätssicherung zur Erkennung systematischer Fehler und Trends müssen durchgeführt werden.

  • Mögliche Einflussgrößen müssen ausgeschlossen oder zumindest standardisiert sein, z. B. standardisierte Blutentnahmebedingungen.

  • Bedingungen der Präanalytik müssen normiert sein.

  • Die der Longitudinalbeurteilung unterworfenen Ergebnisse sollten aus demselben Laboratorium stammen, da die Streuung der Ergebnisse aus verschiedenen Laboratorien auch bei kontrollierter gleicher Analysenmethodik etwa doppelt so groß ist, wie die Streuung von Tag zu Tag in einem Laboratorium.

Für die Longitudinalbeurteilung von 2 Analysenergebnissen (x1, x2) ist die kritische Differenz ( Differenz, kritische) oder das  Konfidenzintervall zu berücksichtigen: Zwei Analysenergebnisse x1 und x2 sind unter analytischen Gesichtspunkten signifikant verschieden, wenn der Absolutbetrag ihrer Differenz größer ist als die kritische Differenz. Die Ergebnisse x1 und x2 sind unter analytischen Gesichtspunkten signifikant verschieden, wenn sich deren Vertrauensbereiche nicht überdecken.

Eine eingeschränkte Form der generellen Longitudinalbeurteilung ist der  Delta-Check, bei dem ein Vergleich eines aktuellen Messwertes(-ergebnisses) mit den Vorwerten der gleichen Messgröße, erstellt mit der gleichen analytischen Methode, vorgenommen wird.

Literatur

  1. Stamm D, Büttner J (1995) Beurteilung Klinisch-Chemischer Analysenergebnisse. In: Greiling H, Gressner AM (Hrsg) Lehrbuch der Klinischen Chemie und Pathobiochemie, 3. Aufl. Schattauer Verlag, StuttgartGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Labor Dr. Wisplinghoff BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Labor Dr. Wisplinghoff KölnKölnDeutschland

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