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Verarbeitung von Lumpen (Hadern)

  • Adolf Thiele
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Zusammenfassung

Unter Lumpen (Hadern) versteht man Abfälle und Reste (Überbleibsel) von gebrauchten und ungebrauchten Kleidungs- und ähnlichen Stücken, insbesondere Web- und Wirkwaren, die in der Industrie wiederum als Rohstoffe verarbeitet und verwertet werden. War es früher hauptsächlich oder fast allein die Papiermacherei, die Lumpen in großen Massen verwendete, so ist es heute, wo einmal das Papier im wesentlichen aus Holz- und Strohfaser hergestellt wird, und andererseits die wirtschaftliche Not zu höchster Sparsamkeit zwingt, besonders die Herstellung von Kunstwolle und deren Erzeugnisse, von Putz- und Polsterwolle u. dgl., die neben der Papier- und Pappenfabrikation der Lumpen in großen Mengen bedarf. War die Bevölkerung früher leicht geneigt, schnell ein abgebrauchtes Kleidungs- oder Wäschestück abzulegen, so hat sich heute der Verbrauch bis zur letzten Faser sozusagen zwangsläufig durchgesetzt, d. h. die endgültigen Reste sind noch abgebrauchter und schmutziger als früher. Besonders bedenklich ist die doch übrigens verbotene Wiederverwendung von Watte, Lumpen u. dgl. aus Krankenhäusern und Kliniken, die früher gang und gäbe war (Günther). Vom hygienischen Standpunkt aus ist jeder Gegenstand, der von einem anderen Menschen schon einmal in Gebrauch genommen ist, für den eigenen Bedarf zu beanstanden, es sei denn, daß gründliche Reinigungsmaßnahmen (u. U. Entseuchung) mit ihm vorher vorgenommen sind. Darnach richtet sich auch die Beurteilung der Lumpen vom gewerbehygienischen Standpunkt in erster Linie. Die Lumpen müssen nämlich, abgesehen von ihrem Einsammeln im Klein- und Großhandel, vor der endgültigen Verwendung als Rohstoff nach ihrem Herkommen und Urstoffen gesondert (sortiert), d. h. verlesen werden.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Adolf Thiele
    • 1
  1. 1.DresdenDeutschland

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