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Kunstseide-Industrie

  • H. Gerbis
Chapter

Zusammenfassung

Wird eine sirupdicke Lösung von Cellulose. mittels feinster Düsen in ein Bad gespritzt, das die Lösung sofort erstarren läßt, so werden aus den Flüssigkeitsstrahlen Fäden von gewisser Festigkeit, die aufgewickelt, versponnen und gezwirnt werden können. Löst man Dinitrocellulose in einem Gemische von Alkohol und Äther auf, so erstarren die hieraus gebildeten Fäden infolge rascher Verdunstung der Lösungsmittel auch schon an der Luft. Es beruht also die Herstellung von Kunstseide (Glanzstoff) darauf, eine Lösung von Cellulose herzustellen und sie in feinsten Strahlen in ein Erstarrungsbad zu spritzen (Fällbad), dann die gewonnenen Fäden nach entsprechender Zwischenbehandlung wie natürliche Fäden zu verarbeiten. Während Graf von Chardonnet zunächst. Dinitrocellulose herstellte, sie in einer Alkohol-Äthermischung auflöste und durch Düsen unter hohem Drucke in ein Wasserbad (Naßverfahren) oder in Luft ausspritzte (Trockenverfahren), danach den Dinitrocellulosefaden in Bädern von Schwefelnatrium (oder Schwefelammonium) zu Cellulose reduzierte (denitrierte) und mit Hypochlorit bleichte, vermeiden die neueren Verfahren den Umweg der Nitrierung und Denitrierung, der das Verfahren teuer und sehr feuergefährlich machte, und gehen von der unnitrierten Cellulose aus. Es wird entweder Baumwolle in Kupferoxydammoniak gelöst und in Fällbäder von verdünnter Schwefelsäure gepreßt, oder die Cellulose (hier auch Holzcellulose) wird zuerst in Natronlauge, dann in Schwefelkohlenstoff gelöst (Xanthogenat, xanthogensaures Natron). und in eine Fällungsflüssigkeit von Schwefelsäure mit verschiedenen Zusätzen. gespritzt (Viscoseverfahren). Durch Einwirkung von Essigsäureanhydrid und Eisessig auf Cellulose in der Kälte unter Mitwirkung eines Katalysators erhält man ein Cellulosetriacetat, das in Eisessig, Chloroform und C2H2C14 (Tetrachloräthan) sich lösen und zu glasklaren Fäden formen läßt. Die Acetatseide ist zur Zeit weit teurer als andere Kunstseiden, doch werden ihr große Vorzügenachgerühmt Bei der Fabrikation erheischen die verwendeten Chemikalien besondere Vorsichtsmaßregeln.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • H. Gerbis
    • 1
  1. 1.ErfurtDeutschland

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