Advertisement

Keramische Industrie

  • Franz Koelsch
Chapter

Zusammenfassung

Die Herstellung von Töpfereiwaren ist eines der ältesten Zeichen menschlicher Kulturtätigkeit; unser Wissen hierüber geht zurück bis in die frühe Steinzeit. Die rohen Urformen vervollkommneten sich allmählich, in der Hallstadtperiode finden wir bereits auf der Töpferscheibe gedrehte, mit glänzendem Überzug versehene und bemalte Tongefäße. Bleiglasuren waren schon im 12. Jahrhundert bekannt. Das Grundmaterial ist der Ton (Aluminiumsilicat, kieselsaures Aluminiumhydroxyd usw.), ein Verwitterungsprodukt des Feldspats oder spathaltiger Gesteine, welches mit zahlreichen Verunreinigungen durchsetzt ist. Der Ton wird geschlämmt, gereinigt, zerkleinert und mit entsprechenden Zusätzen versehen; diese z. T. körperlich anstrengende Arbeit wird heute nur im Kleinbetrieb noch durch Menschenkraft vorgenommen (Treten, Schaufeln); größere Betriebe besorgen dies mechanisch. Das Formen der Gefäße erfolgt auch heute noch von Hand auf der Töpferscheibe, wobei in Kleinbetrieben das horizontallaufende Schwungrad von dem davorsitzenden Töpfer mit den Füßen in Bewegung gesetzt wird, während größere Betriebe heute mechanischen Antrieb eingerichtet haben. Die gefertigten Töpferwaren werden erst an der Luft getrocknet, dann mit Glasur überzogen, endlich gebrannt. Die Glasur ist eine leicht schmelzbare Glasmasse, bestehend aus Quarz, Sand, Lehm u. dgl. mit einem Flußmittel, evtl. mit Farbzusatz (Metalloxyde). Als Flußmittel erfreuen sich die Bleiverbindungen wegen ihrer leichten Schmelzbarkeit und Billigkeit der größten Beliebtheit. Die Glasurbestandteile werden feinst gemahlen, mit Wasser angerührt und durch Eintauchen oder Begießen auf den getrockneten Tongegenstand gebracht; seltener wird das trockene Auftragen in Pulverform vorgenommen Beim Brennen (bei etwa 700 bis 800° für 1–11/2 Tage) bildet sich dann ein Überzug von Blei-Aluminium-Silicat.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bogner: Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnisse bei den Porzellanarbeitern in Deutschland, insbesondere im Bezirk Selb-Rehau i. Bayern. Dtsch. Vierteljahrsschr. f. öff. Gesundheitspfl. Bd. 41. 1909.Google Scholar
  2. Chyzer, B.: Tiber die im ungarischen Tonwarengewerbe vorkommenden Bleivergiftungen. Schriften d. ungar. Vereinig. f. gesetzl. Arbeiterschutz Heft 1. Jena: Fischer 1908.Google Scholar
  3. Harms u. Holtzmann: Zur Frage der Staubeinwirkung auf die Lungen der Porzellanarbeiter. Tuberkulose-Bibliothek, Beiheft z. Zeitschr. f. Tuberkul. Heft 10. Leipzig: J. A. Barth 1923.Google Scholar
  4. Hauck: Die Bekämpfung der Bleivergiftungen in der keramischen Industrie. Wien: Österr. Ges. f. Arbeiterschutz 1913.Google Scholar
  5. Kauf, I.: Der Stand der Bleivergiftungen in den gewerblichen Betrieben Preußens. Arch. f. soz. Hyg. Bd. 6, H. 1, S. 1–29.Google Scholar
  6. Koelsch, F.: Keramische Industrie. In Grotjahn u. Kaup: Handb. d. soz. Hyg., S. 564–580. Leipzig 1912.Google Scholar
  7. Koelsch, F.: Porzellanindustrie und Tuberkulose. Brauers Beitr. z. Klinik d Tuberkul. Bd. 42. 1919.Google Scholar
  8. Koelsch, K.: Berufskrankheiten bei Porzellanarbeitern. Zentralbl. f. Gewerbehyg. 1920, H. 3.Google Scholar
  9. Koelsch, K.: Zur Frage der Staubeinwirkung auf die Lungen der Porzellanarbeiter. Zeitschr. f. Tuberkul. Bd. 39, H. 2. 1923.Google Scholar
  10. Leymann: Die Gesundheitsverhältnisse der Arbeiter der keramischen Industrie und besonders der Porzellanarbeiter. Zentralbi. f. Gewerbehyg. 1915, H. 6–9.Google Scholar
  11. Rambousek U. Gintel: Zur Frage der Bleigefahr in der Keramik. Concordia 1911, Nr. 14.Google Scholar
  12. Rössle, R.: 1 ber die Tuberkulose der Staubarbeiter, im besonderen im Porzellangewerbe. Beitr. z. Klin d Tuberkul. Bd. 47, H. 2. 1921.Google Scholar
  13. Schreber, B.: Hygiene der keramischen Industrie. Weyls Handb. d. Hyg. 2. Aufl., Bd. Vii.Google Scholar
  14. Thiele: Keramische Industrie und Tuberkulose. Zeitschr. f. Tuberkul. Bd. 34, H. 3 u. 4. 1921.Google Scholar
  15. Thieme: Die Porzellan-und Steingutindustrie vom Standpunkt des Arbeiter- und Nachbarnschutzes und die Maßnahmen zur Bekämpfung von Gefahren. Zentralbl. f. Gewerbehyg. 1921, H. 5.Google Scholar
  16. Vollrath, L.: Die Tuberkulosesterblichkeit der Porzellanarbeiter Thüringens. Beitr z Klinik d. Tuberkul. Bd. 47, H. 2. 1921.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Franz Koelsch
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

Personalised recommendations