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Berufliche Stigmata

  • B. Chajes
Chapter

Zusammenfassung

Die Ausübung vieler Berufe bedingt eine mehr oder minder auffällige und nachweisbare Beeinflussung der Gesundheit der Berufstätigen. Die umfangreiche Literatur auf dem Gebiete der Gewerbekrankheiten zeigt ja, in welchem Maße die Gesundheit von der Berufstätigkeit abhängt. Nun braucht aber die Berufsarbeit durchaus nicht immer zu krankhaften Erscheinungen zu führen. In zahlreichen Fällen zeigen die in einem bestimmten Berufe tätigen Individuen gewisse körperliche Merkmale — Stigmata —, die durch die bestimmte Berufstätigkeit bedingt sind, ohne an sich pathologisch zu sein Immerhin weisen sie charakteristische Eigenschaften auf, die sich regelmäßig oder häufig finden und so für den Kenner gewisse Rückschlüsse auf den Beruf der untersuchten Person gestatten. Wichtig ist ferner, daß die beruflichen Stigmata fast nie eine Funktionsbehinderung bedingen, sondern im Gegenteil — es sei nur auf die Schwielenbildungen hingewiesen — die Ausübung der beruflichen Arbeit erleichtern. In vielen Fällen ist jedoch eine Abgrenzung der beruflichen Stigmata von beruflichen Erkrankungen kaum scharf durchführbar; die Rhagaden- und Exkoriationsbildung bei Klempnern u. a. bildet z. B. einen Übergang von den Stigmata zu den Beruf serkrankungen. Auch gewisse Veränderungen des Skeletts, z. B. der Wirbelsäule, wie geringe Kyphoskoliosen, X-Beine usw., stehen oft auf der Grenze zwischen Stigma und Berufserkrankung. Hierher gehören auch gewisse Deformierungen der Finger, die sich bei Korbflechtern finden; TELEKY beschrieb bei diesen Arbeitern Einbuchtungen der Mittelphalangen der Finger der linken Hand vom Halten der Form herrührend, während die Finger der rechten Hand infolge Anziehens des Geflechtes ulnarwärts geneigt sind. Die kleinen Finger beider Hände sind leicht gekrümmt. Auch bei Schneidern ist der rechte kleine Finger vielfach in Beugekontraktur. Die beruflichen Stigmata können entweder vorübergehender Natur sein, d. h. sie schwinden wieder, wenn das betreffende Individuum seinen Beruf aufgibt, oder sie bleiben dauernd wahrnehmbar. Für die Entstehung der beruflichen Stigmata kommen eine Reihe verschiedener Ursachen in Frage: mechanische (Druck, Zug, Reibung usw.), chemische (Einwirkung von Säuren usw.), thermische (Kälte, Wärme), ferner die Einwirkungen von Licht und Elektrizität. Nicht alle Individuen reagieren auf die erwähnten Reize in gleicher Weise; man muß daher das Vorhandensein einer gewissen individuellen Disposition annehmen.

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Literatur

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  5. Bei BLASCRKO und OPPENHEIM finden sich ausführliche Literaturangaben, so daß an dieser Stelle auf weitere Angaben verzichtet wird.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • B. Chajes
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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