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Weiteres über Chromosomen und Vererbung

  • Richard Goldschmidt
Chapter
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 2)

Zusammenfassung

Wir sahen soeben, daß die Mendelspaltung ihre Ursache darin hat, daß die mendelnden Erbfaktoren ihren Sitz in den Chromosomen haben und daher der Verteilung der Chromosomen während der Reifeteilung folgen müssen. Wir sahen ferner, daß die Spaltungsgesetze für mehrere gleichzeitig und unabhängig voneinander mendelnde Erbfaktoren darauf beruhen, daß jedes dieser Faktorenpaare seinen Sitz in einem anderen Chromosom hat. Daraus folgte mit zwingender Notwendigkeit, daß es bei einem Organismus nur so viele unabhängig spaltende mendelnde Erbfaktoren geben kann, als es Chromosomenpaare gibt. Damit ist nun aber nicht gesagt, daß es überhaupt nur so viele Erbfaktoren geben könne. Tatsächlich ist das Gegenteil wohlbekannt. So kennen wir von dem Lebewesen, dessen Vererbung am genauesten studiert ist, der kleinen Taufliege, bereits über 500 Erbeigenschaften, davon jede einzelne sich nach Mendels Gesetzen vererbt. Und doch besitzt diese Fliege nur vier Chromosomen-paare. So kennen wir von viel benutzten Versuchstieren und Versuchspflanzen wie Ratten, Mäusen, Meerschweinchen, Kaninchen, Hühnern, spanischen Wicken, Löwenmäulchen, Mais eine viel größere Zahl von mendelnden Eigenschaften, als Chromosomenpaare vorhanden sind. So wissen wir auch vom Menschen, daß die Zahl der Erbeigenschaften, deren mendelndes Verhalten mehr oder minder genau bekannt ist, eine sehr viel größere ist, als die Zahl der Chromosomenpaare, nämlich 24. So ist denn der Schluß unabweislich, daß in jedem Chromosom viele mendelnde Erbfaktoren gelegen sein müssen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1933

Authors and Affiliations

  • Richard Goldschmidt
    • 1
  1. 1.Kaiser Wilhelm-Institut für BiologieBerlin-DahlemDeutschland

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