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Die Theorie der sozialen Entscheidungen

  • Anatol Rapoport
Chapter
Part of the Physica Paperback book series (PHPA)

Zusammenfassung

Jede soziale Organisationsform zwingt die Individuen dazu, gewissen sozialen Entscheidungen Folge zu leisten, selbst wenn diese den Interessen, Neigungen und Wünschen der Individuen selbst widersprechen. In autokratischen Organisationsformen werden die für alle verbindlichen Entscheidungen durch den Autokraten getroffen. In allen anderen Formen findet ein gewisser Prozeß kollektiver Entscheidungen statt. Explizite, diesen Prozeß bestimmende Regeln werden zweifellos niedergelegt, um teure Verzögerungen oder zersetzende Kontroversen, paralysierende Entscheidungs-losigkeit oder Kämpfe um Macht und Einfluß einzuschränken, die andernfalls durch die Verschiedenheit der Ansichten und Interessen hervorgerufen würden. In der Tat werden explizite Regeln kollektiver Entscheidungen schon dann erforderlich, wenn eine große Anzahl von Individuen, die einander fremd sind, am Entscheidungsprozeß teilnehmen. Deshalb sind formale Verfassungen, Gesetze und ähnliches immer in nicht-autokratischen Organisationsformen wenigstens impliziert. Im wesentlichen handelt es sich dabei um Vereinbarungen, die im abstrakten (und daher neutralen) Kontext festgelegt wurden, um im konkreten (und daher parteiisch interpretierten) Kontext entscheiden zu können, wie Unstimmigkeiten zu lösen sind.

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Literatur

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    Eine auszugsweise englische Übersetzung dieses Briefes ist bei Farquharson [1969] zu finden.Google Scholar
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    Die ursprüngliche Formulierung des Unmöglichkeitstheorems befindet sich bei Arrow [1951]. Wir folgen hier im wesentlichen der Darstellung durch Luce/Raiffa [1957].Google Scholar
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    „Veränderungen zugunsten von x“ bedeutet folgendes: Falls für einige i in der ursprünglichen Ordnung xD i y gilt, dann gilt in der veränderten Ordnung xD i y; falls die ursprüngliche Ordnung (math) oder yD i x ist, dann ist die veränderte Ordnung (math) xD i y. Google Scholar
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    Fishburn schreibt: „Wenn ... soziale Entscheidung von nicht verfügbaren Alternativen abhängen kann, welche von ihnen sollen dann berücksichtigt werden? Denn bei einer Menge nicht verfügbarer Alternativen kann x eine verfügbare soziale Entscheidung sein, während y ≠ x die soziale Entscheidung sein könnte, wenn bestimmte andere nicht verfügbare Alternativenmengen Y zugeordnet wären. Also verursacht die Einführung nicht verfügbarer Alternativen, die soziale Entscheidungen beeinflussen können, Mehrdeutigkeiten im Auswahlverfahren, die durch das Bestehen auf der Unabhängigkeitsbedingung zumindest verringert, wenn nicht ganz beseitigt werden können.“ [Fishburn, S. 7].Google Scholar
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    Dieses und die folgenden Beispiele wurden von Fishburn [1973] übernommen.Google Scholar
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    Als Autor vom berühmten Märchen Alice in Wonderland.Google Scholar
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    Falls dies eine gewöhnliche Wahl mit vier Kandidaten wäre, bei der die Wähler einen Kandidaten wählen, dann hätte b sicherlich gewonnen, da er eine absolute Majorität der Stimmen erhalten hätte.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1980

Authors and Affiliations

  • Anatol Rapoport

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