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Arthrolysen und Arthroplastiken des Kniegelenkes

  • G. Friedebold
Chapter
Part of the Langenbecks Archiv für Chirurgie book series (LAC)

Zusammenfassung

Ein zwar schmerzfrei bewegliches, jedoch unstabiles Kniegelenk — wie es in klassischer Ausprägung bei der tabischen Arthropathie vorliegt — ist als funktionsuntüchtig anzusehen. Da die Stabilität bei normaler Gelenkanatomie von der Intaktheit, d. h. dem Spannungszustand der Seiten- und Kreuzbänder abhängt, kommen bei ligamentärer Insuffizienz Raffungen oder plastischer Ersatz des entsprechenden Bandes in Frage. Der stärkere Gelenkschaden erfordert dagegen andere Maßnahmen. Die Beseitigung des Schmerzes und vorhandener Instabilität gelingt in zuverlässiger Weise durch Versteifung des Gelenkes. Lebensalter, Beruf, Doppelseitigkeit u. a. stellen jedoch vielfach Gegenindikationen dar. Im Einzelfall besteht daher die Notwendigkeit der Wiederherstellung eines schmerzfrei beweglichen Kniegelenkes. Entscheidend für die Art des Eingriffes ist die ligamentäre Stabilität:
  1. I.

    Bewegungseinschränkung bei voller Bandstabilität: a) ohne Schmerzen (meist posttraumatische oder postoperative Beuge- und Streckkontrakturen): Der Gelenkknorpel ist nicht oder nur unwesentlich geschädigt. In Frage kommt die Arthrolyse. Sie ist uni so erfolgreicher, je früher der Eingriff durchgeführt wird. Bei längerem Bestehen der Situation ist eine gleichseitige plastische Verlängerung der Rectussehne erforderlich. Bis zum Erreichen einer vollen aktiven Streckung kann eine langwierige Nachbehandlung notwendig werden. b) mit Schmerzen: Hier besteht bereits eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Arthrosis, deren Ursache unterschiedlich sein kann. Die alten Interpositionsplastiken mit Fettgewebe, Fascie oder Cutis sind trotz guter Einzelergebnisse im allgemeinen auf die Dauer unbefriedigend geblieben. Sie gelangen gelegentlich bei jüngeren Patienten zur Anwendung. Auch die Tibiaosteotomie zur Verlagerung der intraartikulären Druckzonen — wie am Hüftgelenk — hat sich besonders bei Achsenfehlstellungen bewährt. Bei stärkerer Schädigung des Gelenkknorpels ist der plastische Ersatz einer der beiden artikulierenden Flächen in Form der Hemialloarthroplastik erfolgversprechend. Sowohl der Ersatz der Femurkondylen als auch der isolierte Ersatz eines oder beider Tibiaplateaus durch ein geeignetes Endoprothesenmodell aus Vitallium zeitigt gute Frühresultate, die bei den posttraumatischen Schäden besser sind als bei den rheumatischen Gelenken.

     
  2. II.

    Schmerzhafte, mit Instabilität einhergehende Bewegungseinschränkung. Im Einzelfall kann bei geringerer Bandinsuffizienz die Kombination der Hemialloarthroplastik mit einer Achsenkorrektur der Tibia ausreichend sein. In Fällen schwerer Instabilität ist der totale Gelenkersatz durch ein Vitalliumscharnier vorzuziehen, dessen beide Teile in den Markhöhlen von Femur und Tibia verankert werden. Die bisherigen Erfahrungen sind ermutigend.

     

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1969

Authors and Affiliations

  • G. Friedebold
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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