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Das Frankfurter Bleiprojekt

Maßnahmen zur Einhaltung des Grenzwertes für Blei im Trinkwasser
  • W. Hentschel
  • A. Karius
  • U. Heudorf
Chapter

Zusammenfassung

Durch die am 3.11.1998 vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaft über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch muß eine Absenkung des Bleigrenzwertes in Deutschland von derzeit 0,040 mg/I auf 0,025 mg/I bis spätestens zum Jahr 2003 und auf 0,010 mg/I bis spätestens zum Jahr 2013 erfolgen. Da in Frankfurt a.M. bekannt war, daß noch ca. 7800 Liegenschaften mit bleihaltigen Hausinstallationen ausgestattet sind, wurde ab 1997 im Stadtgesundheitsamt das „Blei-Projekt“ gestartet, mit dem eine Untersuchung und ggf. erforderliche Sanierung aller betreffenden Häuser binnen max.zehn Jahren ab 1996 unter dem Aspekt der Kostendeckung durchgesetzt werden soll. Pro untersuchtem Haus wurden mehrere Proben entnommen, μm das Stagnationsproblem adäquat zu berücksichtigen.

In 50% der von uns untersuchten Wohnungen, unter denen sich auch Hausinstallationen ohne Bleileitungen befanden, wurde der ab dem Jahr 2013 geltende Grenzwert von 0,010 mg/I bereits erreicht. Bei einer nur aus bleihaltigen Hausinstallationen bestehenden Stichprobe ist aufgrund unserer Daten zu erwarten, daß dieser Wert sogar deutlich überschritten würde. Der Mittelwert der Leitungsproben nach 3 Stunden Stagnation überschreitet mit 0,034 mg/I den ab dem Jahr 2003 geltenden Grenzwert von 0,025 mg/I klar. Aus der Fachdiskussion ist bekannt, daß sich die zukünftigen Grenzwerte nicht mit Aufbereitungsmaßnahmen wie Phosphatierung u.ä. einhalten lassen werden, sondern daß der Austausch der Bleileitungen gegen Leitungen aus geeigneten Werkstoffen der einzig in Frage kommende Sanierungsweg ist. Auch mit Innenbeschichtungen arbeitende Sanierungstechniken können derzeit nicht empfohlen werden. Schon die Festsetzung des Trinkwasser-Grenzwertes für Blei von zunächst 0,025 mg/l ab dem Jahr 2003 bedeutet daher, daß nahezu jede bleihaltige Hausinstallation bis dahin durch vollständiges Austauschen der Bleirohre saniert werden muß. In jedem Fall gilt dies für die Einführung des Parameterwertes von 0,010 mg/l ab dem Jahr 2013, was faktischen einem Verbot von Bleileitungen gleichkommt.

Aus den gegebenen Fristen und den hier gemachten Erfahrungen hinsichtlich der benötigten Bearbeitungszeiten ist die Erkenntnis abzuleiten, daß ein Vollzug der Trinkwasserverordnung ohne ein möglichst auf klare europaweite Rechtsvorschriften gegründetes Verbot in den meisten betroffenen Bundesländern, Kreisen und kreisfreien Städten nicht möglich sein wird und somit die seitens der die Bundesrepublik Deutschland als EG-Mitgliedsstaat eingegangenen Verpflichtung zur Einhaltung des Parameterwertes für Blei nicht erfüllt werden kann. Ein Verbot für Bleileitungen würde die Einhaltung des Parameterwertes ermöglichen, Rechtsklarheit sowohl für die Verbraucher als auch für die Eigentümer von Hausinstallationen bringen, erhebliche Mittel für Untersuchungsund Verwaltungskosten einsparen lassen, die ohnehin unumgängliche Sanierung von bleihaltigen Hausinstallationen für die Eigentümer besser planbar machen sowie Rechtsstreitigkeiten über die Interpretation von Meßwerten vermeiden.

Schlüsselwörter

Trinkwasser Bleileitungen 

The Frankfurt Lead-Project. Measures to meet the limit value for lead in drinking water

Summary

On 3.11.1998 the Drinking Water Directive passed the European Parliament. This new directive will lower the current limit value for lead in Germany from 0,040 mg/l to 0,025 mg/l in 2003 and to 0,010 mg/l in 2013. Since there are still around 7800 premises with plumbing-systems containing lead-pipes in Frankfurt, the Stadtgesundheitsamt started the „Frankfurt Lead-Project“ in 1997. Aim of the project was the investigation and, if necessary, the order to exchange all concerned plumbing systems. The owners of the buildings are liable to a fee for these measures of the local public health service, thus covering of the costs should be attainable. Within the project 3 to 5 water probes from each concerned building were sampled, to take the stagnation-problem into account. The drinking water of 50% of the investigated flats reached the EG-parametric value of 0,01 mg/l, which has to be transferred into national law from 2013 on the latest. Houses with plumbing-systems not containing lead were part of this sample. A sample of houses with only lead containing plumbing systems would result in considerably higher values. The mean lead-concentration after a stagnation-period of 3 hours was 0,034 mg/l and therefore significantly exceeded the EG-parametric value of 0,025 mg/l. Experts agree that the future EG-parametric values can not be met with special water treatments, but only by replacement of lead pipes by pipes composed of other suitable materials. Even pipe-coating techniques can not be recommended at this time.

To our experience the new EG-parametricvalue for lead of 0,025 mg/l, which has to be transferred into national law by the european member states from 2003 on, will require the sanitation of nearly every house with a lead-containing plumbing system. All the more so because the EG-parametric-value of 0,10 mg/l will become effective from 2013 on, what factually equals a prohibition of lead-pipes.

Considering the time given by the EG-Drinking Water Guideline and the experience reported here we conclude that compliance with the new EG-parametric values would not be possible for most of the German cities and communities having a lead-pipe problem. It is foreseeable therefore, that the Federal Republic of Germany will have to face complaints for non-compliance with the parametric value from the European Commission. Based on the experiences with the lead-project we would recommend the prohibition of lead pipes whithin domestic distribution systems as an appropriate measure to achieve compliance with the parametric value for lead. Such a prohibition would make it possible to meet the parametric value for lead, create a reliable legal situation for both consumers and owners of the concerned plumbing systems, save considerable expenses for staff and laboratory tests, make the exchange of lead-containing installations easy to plan and would avoid conflicts about the interpretation of monitoring results.

Key words

Drinking water Lead pipes 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1999

Authors and Affiliations

  • W. Hentschel
    • 1
  • A. Karius
    • 1
  • U. Heudorf
    • 1
  1. 1.Stadt Frankfurt am MainStadtgesundheitsamtFrankfurt am MainDeutschland

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