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Die graphischen Künste in vereinigter Anwendung auf die Herstellung von Wertpapieren

  • F. Reuleaux
Part of the Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien book series (BEGI)

Zusammenfassung

Wir musterten im Vorhergehenden eine ganze Reihe grapischer und vervielfältigender Künste und Methodem, wie sie sich im Laufe der Zeiten vom ersten rohen Holzschnitt an, nach und nach zu immer größerer Vervollkommnung emporgearbeitet haben. In bestimmten Fällen verbinden sich selbst mehrere Künste zur Vollendung eines und desselben Werkes. Dies findet namentlich statt auf dem Felde des Wertpapierdrucks, wo es sich nicht nur darum handelt, schöne Druckerzeugnisse hervorzubringen, sondern hauptsächlich solche, deren täuschende Nachahmung möglichst unausführbar ist. Auf diesem Gebiete wollen wir noch eine kurze Umschau halten, nachdem wir uns über einiges bisher nur beiläufig Berührte etwas mehr verbreitet haben werden. Zuvörderst müssen wir dazu noch einige Maschinen, welche in den verschiedenen graphischen Künsten mitwirken, mit ihren eigentümlichen Leistungen etwas näher ins Auge fassen, da durch sie gerade viel genauere Zeichnungen hervorgebracht werden können als durch die menschliche Hand. Es ist ferner aber auch noch ein Künstler von Fleisch und Bein zu erwähnen, dessen geschickte Hand bei einer Menge von feineren Druckerzeugnissen mit thätig ist, der Graveur, welcher, obwohl dem Kupferstecher darin verwandt, daß auch er den Grabstichel in Metall gut zu führen wussen muß, doch ein wesentlich andres Arbeitsfeld hat als jener, Sein Arbeitsmaterial ist vor allem das Messing, dann aber auch der Stahl. Erhabene und vertiefte messingene Platten und Stempel für allerlei Zwecke gehen aus seinen Händen hervor und er liefert unter anderm die Mittel zu den verschiedenen Prägedrucken. Vertiefte Prägungen, wie sie uns auf Bücherdeckeln und verschiedenen Lederwaren, teils mit, teils ohne Gold gedruckt, so häufig begegnen, sind mit Messingplatten gedruckt, auf denen das Muster erhaben ausgearbeitet ist und wie eine Drucktype, nur stärker, wirkt. Das Umgekehrte findet statt für erhabene Verzierung, welche häufig auf Briefpapier, Karten, Warenetiketten u. dergl. in der Luxuspapierfabrikation Anwendung findet, entweder ganz für sich in Weiß oder in Verbindung mit Farben-, Gold- oder Bronzedruck. Die zugehörigen Platten arbeitet der Graveur großenteils durch Einschlagen mittels Hammers und Punzen in die Tiefe; bei vielen Arbeiten, namentlich da, wo größere Flächen wegzunehmen sind, leistet auch die Bohrmaschine gute Dienste. Die Punzen sind stählerne Griffel verschiedener Stärke, entweder mit zugerundetem, glattem Ende, oder solche, die an diesem Ende gleich eine Figur, das oft wiederkehrende Motiv einer Verzierung u. dergl., eingraviert tragen. Beim Abdruck solcher Platten ist eine besondere Vorkehrung nötig, damit das gewünschte Relief erhalten werde, d. h. das Bild ebenso über die Papierfläche heraustrete, wie es im Metall vertieft liegt. Man richtet zu diesem Zwecke den Deckel der Presse dergestalt zu, daß er in einer anfangs weichen Masse eine vollkommen erhabene Gegenplatte der Form aufnimmt. Eine solche weiche aufnehmende Fläche kann beispielsweise erzeugt werden durch Ubereinanderkleben verschiedener Papierbogen mittels Kleister in Vermischung mit Kreide. Erst nachdem diese Zurichtung des Deckels trocken und hart geworden, kann gedruckt werden, und es läßt sich denken, wie das feuchte Papier, welches den Druck empfangen soll, in die Vertiefungen der Platte hineingetrieben wird und die ihm so gewaltsam aufgedrungene Modelung auch durch das Trockenwerden nicht verliert. Für den Wertpapierdruck. liefert der Graveur oder der Stempelschneider die sogenannten Trockenstempel, die früher namentlich bisweilen eine sehr kunstvolle Ausführung zeigten.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1884

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  • F. Reuleaux

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