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Schreibkunst und Schrift

  • F. Reuleaux
Part of the Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien book series (BEGI)

Zusammenfassung

Der englische Reisende Mariner wurde im Jahre 1806 von Finow, dem Könige der im Großen Ozean gelegenen Tonga-Inseln, gefangen gehalten und hat brieslich Landsleute, die dort zufällig gelandet waren, Schritte zu seiner Befreiung zu thun. Dieses Schreiben ward jedoch abgefangen und Finow überbracht. Leúterer hatte weder von der Schreibkunst je etwas gehört, noch ein Schriftstück in den Händen gehabt; als er nun erfuhr, daß man auf solche Weise entfernten Personen, unbeschränkt durch Ort und Zeit, lautlose Mitteilungen machen könne, wollte er anfangs an dieses Wunder nicht glauben. Er nahm den Brief immer und immer wieder in die Hand, aber das Papier sagte ihm nichts; er dachte dann eine Weile stillschweigend nach, doch sein Nachdenken gab ihm nicht die mindeste Aufklärung. Endlich ließ er Mariner holen und befahl ihm, etwas zu schreiben. Dieser fragte, was er schreiben sollte. „Schreib mich“, antwortete Finow. Mariner schrieb sogleich seinen Namen nach englischer Weise: „Feenow“, und sprach ihn laut aus. Finow ließ nun einen andern Engländer holen, der von diesem Gespräch noch nichts wußte, und indem er Mariner den Rücken wenden und anderswohin sehen hieß, gab er dem Kommenden das Papier und fragte ihn, was darauf stehe. Dieser sprach sogleich laut: „Finow“. Hierauf riß ihm der König hastig das Blatt aus der Hand, sah es mit dem größten Erstaunen an, drehte es um und um und untersuchte es an jedem Flecke. Dann rief er: „Das sieht weder mir ähnlich, noch irgend jemand anderm! Wo sind meine Augen? Wo ist mein Kopf? Wo meine Beine? Wie ist Euch möglich, zu wissen, daß ich das bin?“ Drei bis vier Stunden lang beschätigte er Mariner, indem er ihn die Namen einer Menge von Personen, von Orten und von Sachen ausschreiben ließ und das Aufgeschriebene immer einem andern gab, daß dieser es 1ese.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1884

Authors and Affiliations

  • F. Reuleaux

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