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Baukunst und technische Künste

  • F. Reuleaux
Part of the Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien book series (BEGI)

Zusammenfassung

Wie uns die Einleitung zeigte, war es zunächst das dringende Bedürsnis des Körpers nach Schuú vor den Unbilden der Witterung und vor den Angriffen andrer Menschen sowie der Tiere, welches den Menschen zu Errichtung eines Obdachs, zu Anlegung einer Kleidung antrieb, das Bedürsnis, die Nahrung zum Munde zu führen, statt gleich dem Tiere mit dem Munde die Nahrung zu nehmen, und ferner das Bedürfnis, sich Nahrung aufzubewahren, was den Menschen zu Erzeugung von Gefößen veranlaßte. Wenn ihn nun auch solchergestalt zunächst nur rein körperliche, ja fast tierische Bedürfnisse zum Nachdenken, zur Arbeit und zur Vereinigung zwangen, so war damit immerhin die Bahn eröffnet, die ihn zu geistiger Ausbildung führen mußte. Die im Kampfe um das Dasein, in der Arbeit für Erfüllung der nöchstliegenden leiblichen Bedürfnisse eintretende Erweckung geistigen Lebens mußte begleitet sein vom Erwachen höherer, seelischer Bedürfnisse. Jedem Menschen ist ja außer Verstand und Willen auch Phantasie gegeben, und eine der hauptsächlichsten, schon bei jedem Kinde und ähnlich bei Erwachsenen auf der Kindheitsstufe der Kultur erscheinenden Äußerungen der Phantasie ist der Trieb, zuerst sich, dann ober seine Umgebungen zu verschönen. Selbst in der uns vollständig geschmacklos, ja abscheulich erscheinenden Verunstaltung einzelner Körperteile, in der grassesten Tättowierung des ganzen Körpers bei den Halbwilden erkennt der aufmerksame unbefangene Forscher eine Bethätigung des Schönheitssinnes neben der Absicht, die Feinde zu erschrecken.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1884

Authors and Affiliations

  • F. Reuleaux

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