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Die Brennstoffe der Verbrennungskraftanlagen

  • Hugo Güldner

Zusammenfassung

Für den Betrieb der Verbrennungsmotoren kommen technisch nur solche Brennstoffe in Frage, die sich mit der erforderlichen Menge Luft schnell und gründlich mischen, ohne zu heftigen Spannungssprung sicher entzünden und frei von schäd-lichen Rückständen verbrennen lassen. Daneben hängt ihre Verwendbarkeit wirtschaftlich von der Ausbeutefähigkeit und den Wärmepreisen der einzelnen Arten ab. Diesen Voraussetzungen entsprechen die Brenngase am vollkommensten; sie sind unser erstes Treibmittel und werden dort, wo sie den Motoranlagen nicht anderweitig gebrauchsfertig geboten werden (als Natur-, Leucht- oder Industriegas usw.) für diese aus geeigneten festen Brennstoffen eigens erzeugt. Danach kommen, erst durch den Gleichdruckmotor für größere Leistungen wirtschaftlich gemacht, die Brennöle, deren motorischen Ausnützung eine Umwandlung aus dem flüssigen in den dampf- oder nebelartigen Zustand vorauszugehen hat. Zwischen der Urbeschaffenheit der Brennstoffe und ihrem endlichen Verwendungszustande liegt also ein Umwandlungsvorgang, der sich entweder ganz unabhängig von der Motoranlage oder in einem dieser angefügten Zubehör oder schließlich im Motor selbst vollziehen kann. Beispiele dieser drei Erzeugungsarten sind das (Steinkohlen-)Leuchtgas, das (Generator-)Kraftgas und der Erdöldampf. Erfolgt die Umwandlung außerhalb der Verbrennungsmaschine, so verursacht sie allgemein durch Wärme- oder Stoffverluste und unmittelbare Unkosten eine Verteuerung des spezifischen Wärmepreises des betreffenden Brennmaterials; letzteres hat mithin in seiner Urform immer den billigsten Wärmepreis, und unter sonst gleichen Umständen würde folglich die direkte Ausnutzung in diesem Zustande am wirtschaftlichsten sein. Im Motorbetriebe ist dies nur bei flüssigen Brennstoffen möglich.

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Literatur

  1. 1).
    Z. Ver. deutsch. Ing. 1900, Seite 669.Google Scholar
  2. 1).
    Ich unterlasse nicht, anschließend hieran auf eine sehr beachtenswerte Arbeit von A. Schevemann über die „Verfügbaren Energiemengen der Weltwirtschaft“ (Monatsschrift Technik und Wirtschaft 1911, Nr. 8–10) hinzuweisen, die an Hand von geographischen Kärtchen eine schöne 1. bersicht über die wichtigsten Fundorte der motorischen Brennstoffe gibt.Google Scholar
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    Fritz W. Lürmann rechnet in Stahl und Eisen 1911, Seite 914 und 916 mit 0,375 Pfg./cbm Selbstkosten für Hochofen-Giehtgas und 2,5 Pfg./cbm für Koksofengas.Google Scholar
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    Hüttenkoks ist vorzuziehen, weil er weniger Sehlacken bildet, langsamer abbrennt, spezifisch schwerer ist und einen etwas höheren Heizwert hat.Google Scholar
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    Analyse des betreffenden Anthrazits siehe Z. Ver. deutsch. Ing. 1896, Seite 350, des Gases Z. Ver. deutsch. Ing. 1895, Seite 1540.Google Scholar
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  9. 1).
    Die Firma En. THarsEN-München gibt für ihre bekannten „Zentrifugal-Gegenstrom-Gaswascher“ folgende Garantiezahlen an: Kraftbedarf 1–2% der Gasmaschinenleistung; Wasserverbrauch 1–1,5 ltr auf 1 cbm Gas; Reinheitsgrad 0,02–0,03 g Staub in 1 cbm Gas.Google Scholar
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    Die größte deutsche Naturgasquelle wurde 1910 beim Bohren nach Wasser in Neuengamme bei Hamburg angeschnitten; das Gas ist fast reines Methan und steht unter einem Drucke von 24 at. Man beginnt jetzt, die Ergiebigkeit durch Dampf kesselbeheizung zu erproben.Google Scholar
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    Das erwähnte Naturgas von Neuengamme hat keine wesentlich andere Zusammensetzung als z. B. das von Pittsburg, nämlich 91,5% 0114, 2,1% andere schwere Kohlenwasserstoffe, 1,5% 0, cv5% CO, + N.Google Scholar
  13. 1).
    Darin liegt auch ein Schutz gegen eine zufällige Entstehung von zündfähigen Gemischen in den Rohrleitungen, Gasometern usw. Trotzdem werden bei planmäßiger Ausnutzung der Naturgase, die seit einigen Jahren von der Petroleumindustrie ebenso eifrig als bei den Hochofengasen in den Hüttenwerken betrieben wird, entsprechende Sicherheitseinrichtungen vorgesehen.Google Scholar
  14. 1).
    Auf die ständige Brennstofffrage: Welche Treiböle sind in Gleichdruck-(Diesel-) Motoren verwendbar und welche Eigenschaften bedingen die Verwendbarkeit! gibt PAUL RIEPPEL gestützt auf umfassende Versuche folgende Auskunft: „Für die Beurteilung der Brauchbarkeit eines Oles sind die Werte: spezifisches Gewicht, Viskosität, Flammenpunkt, Brennpunkt und Heizwert belanglos. Von grundlegender Bedeutung ist dagegen der Wasserstoffgehalt, woraus sich ein Schluß auf das Vorhandensein gewisser Mengen von Fettkohlenwasserstoffen bzw. aromatischen Kohlenwasserstoffen vermuten läßt. Die Selbstzündung und Verbrennung erfolgen um so sicherer, je geeigneter das Öl zur Ölgasbildung ist, d. h. je größer die Ausbeute an Ölgas bei verhältnismäßig niedrigem Druck und geringer Temperatur ist. Steinkohlenteeröle bedürfen zur Ölgasbildnng einer größeren Wärmezufuhr oder längerer Zeit als Braunkohlenteeröle.“ (Seite 32 in Heft 55 der Mitteilungen über Forschungsarbeiten.) Die Versuche wurden 1907/08 durchgeführt; die erst nach dieser Zeit erprobte Ausnutzung von schwerbrennenden Ölsorten mit Hilfe von Zündöl bleibt darin noch unberücksichtigt.Google Scholar
  15. 1).
    In Rußland und Galizien Masut, rein russisch auch Ostatki, in Rumänien Pa k u r a genannt.Google Scholar
  16. 2).
    Cnter Entflammungspunkt ist diejenige Temperatur verstanden, bei welcher das Öl beginnt, brennbare Dämpfe zu entwickeln. Zündet man diese Dämpfe an, so brennen sie anfangs oberhalb des Ölspiegels ab, ohne die Flüssigkeit zu entzünden; erst von der sogenannten Entzündungstemperatur an entströmen dem Ole so viel Dämpfe, daß auf der Oberfläche eine ständige Flamme erhalten wird, die Flüssigkeit selbst also verbrennt. Hieraus ergibt sich, daß der Entzündungspunkt immer (um 5 bis 25°) höher liegt, als der Flammpunkt. Die Zähflüssigkeit (Viskosität) gibt in Englergraden (nach dem Viskosimeter von Engler bezeichnet) das Verhältnis der Ausflußzeiten, bezogen auf diejenige des Wassers als Einheit an. Ein 01 von beispielsweise 3° Engl. gebraucht also dreimal soviel Zeit, -durch einen bestimmten Lochquerschnitt frei abzufließen, als unter gleichen Verhältnissen (Temperatur, Druck) dieselbe Raummenge Wasser. Treiböle von mehr als 5° Engl. Zähflüssigkeit sind für den Motorbetrieb nur dann verwendbar, wenn man sie durch reichliche Anwärmung (bis 80° C) leichtflüssiger gemacht hat.Google Scholar
  17. 1).
    Die sog. Verbandsformel ist vollständig: H..= 81 C + 290 (H - 8) + 25S - 6W WE/kg, worin also noch Schwefel (S) und Wasser (W) berücksichtigt wird. Siehe „Regeln für Leistungsversuche“ im Praktisch. Anhang.Google Scholar
  18. 2).
    Als Leuchtöl (Lampenpetroleum) dürfen nach den in Deutschland und Österreich-Ungarn geltenden Bestimmungen nur solche Destillate benutzt werden, die im Asrrschen Petroleumprüfer einen Entflammungspunkt von mindestens 21° (bezogen auf 760 QS) aufweisen.Google Scholar
  19. 1).
    Zahlenausweis hierfür enthält die Doktorschrift von Kurt Neumann, „Untersuchung des Arbeitsprozesses im Fahrzeugmotor“, Seite 40; auszugsweise veröffentlicht in der Z. d. Ver. deutsch. Ing. 1909, Seite 371.Google Scholar
  20. 1).
    tuber den Einfluß der Schwere und Siedetemperatur von Benzin auf die Lagerung und Verzollung siehe Praktisch. Anhang.Google Scholar
  21. 1).
    Begriff der. Zähflüssigkeit (Viskosität) und motorische Zähflüssigkeitsgrenze nach Seite 458 unten.Google Scholar
  22. 2).
    Größere Braunkohlen-Schwelereien sind in Deutschland nur im sächsisch-thüringischen Gebiet. und in Messel bei Darmstadt ansässig.Google Scholar
  23. 1).
    Vgl. Mitteilungen über Forschungsarbeiten Heft 55, Seite 9 u. f.Google Scholar
  24. 2).
    L. Schmitz, Die flüssigen Brennstoffe, Seite 69.Google Scholar
  25. 1).
    Die Erzeugung wird allein in Deutschland für das Jahr 1912 zu 500 000 tons angegeben.Google Scholar
  26. 2).
    Deutsche Teerprodukten-Vereinigung G. m. b. H. in Essen.Google Scholar
  27. 1).
    Vgl. Stahl und Eisen 1911, Seite 1512.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1914

Authors and Affiliations

  • Hugo Güldner
    • 1
  1. 1.Vorstand der Güldner-Motoren-Gesellschaft in AschaffenburgAschaffenburgDeutschland

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