Advertisement

Gender in VWL-Lehrbüchern

  • Miriam BebloEmail author
Chapter
  • 35 Downloads
Part of the Sozioökonomische Bildung und Wissenschaft book series (SOBIWI)

Zusammenfassung

In diesem Beitrag prüfe ich, ob der Vorwurf eines „fundamental androzentristischen Blicks“ in der Volkswirtschaftslehre noch immer zutreffend ist. Laut Friederike Maier (1993) behandelten frühere Einführungsbücher in die VWL überwiegend geschlechtslose Wirtschaftssubjekte und erwähnten Frauen bestenfalls als besondere Gruppe. Ist diese Diagnose noch aktuell? Basierend auf Theorie und Evidenz der psycho-linguistischen Forschung zur Wirkungsweise geschlechtlicher Sprache und Kontexte auf die wahrgenommene Geschlechter-Repräsentation – und inspiriert durch den so genannten Bechdel-Test auf frauenfeindliche Filme – untersuche ich diese Frage mit einem Gender-Test. Demnach muss eine geschlechtersensible Publikation drei Bedingungen erfüllen: 1) Die Autor*innen erkennen sprachlich an, dass es (mindestens) zwei Geschlechter gibt, 2) sie berücksichtigen relevante Lebenssituationen und thematisieren die Kategorie Geschlecht dort inhaltlich, 3) und zwar nicht nur dadurch, dass sie Geschlechterklischees reproduzieren, indem sie beispielsweise immer Männer als Referenz- und Frauen als Problemgruppe betrachten. Diesen Test habe ich auf die acht populärsten Einführungsbücher in die VWL angewendet. Das Ergebnis meiner Sichtung ist gemischt, sowohl bezüglich der verwendeten Sprache als auch bezüglich des Inhalts. Meine Schlussfolgerung ist, dass traditionelle Geschlechterrollenbilder in vielen ökonomischen Standardwerken zwar nicht mehr aktiv erzeugt, aber doch passiv geduldet werden.

Schlüsselbegriffe

Gender geschlechtersensible Sprache Geschlechterstereotype Bechdel-Test 

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Baßeler, U., Heinrich, J., & Utecht, B. (2010). Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft (19. Aufl.). Köln: Wirtschaftsverlag Bachem.Google Scholar
  2. Beblo, M. (2015). Bekommt das Wirtschaftssubjekt ein Geschlecht? In M. Beblo, A.-H. Carl, C. Gather & D. Schmidt (Hrsg.), Friederike matters – eine kommentierte Werkschau (S. 13–17). Berlin: Harriet Taylor Mill-Institut. Discussion Paper 26. http://www.harriet-taylor-mill.de/images/docs/discuss/DiscussionPaper26.pdf. Zugegriffen: 24. Juni 2019.
  3. Beblo, M., & Markowsky, E. (2016). Macht es einen Unterschied? Ein ökonomischer Blick auf die Geschlechtlichkeit von Sprache. Wirtschaftsdienst, 96 (1), 60–63.Google Scholar
  4. Bofinger, P. (2011, 2015). Grundzüge der Volkswirtschaftslehre: eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten (3./4. Aufl.). Hallbergmoos: Pearson.Google Scholar
  5. Boroditsky, L., Schmidt, L. A., & Phillips, W. (2003). Sex, syntax, and semantics. In D. Gentner & S. Goldin-Meadow (Eds.), Language in mind: Advances in the study of language and thought (S. 61–79). Cambridge, MA, US: MIT Press.Google Scholar
  6. Braun, F., Sczesny, S., & Stahlberg, D. (2005). Cognitive effects of masculine generics in German: An overview of empirical findings. Communications, 30 (1), 1–21.Google Scholar
  7. Hemmes, A. (8. November 2013). Frauen, die mit Frauen sprechen. Süddeutsche Zeitung. http://www.sueddeutsche.de/kultur/bechdel-test-in-schwedischen-kinos-frauen-die-mit-frauen-sprechen-1.1813032. Zugegriffen: 24. Juni 2019.
  8. Irmen, L. & Linner, U. (2005). Die Repräsentation generisch maskuliner Personenbezeichnungen: Eine theoretische Integration bisheriger Befunde. Zeitschrift für Psychologie, 213, 167–175.Google Scholar
  9. Krugman, P., & R. Wells (2010, 2017). Volkswirtschaftslehre (1./2. Aufl.). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.Google Scholar
  10. Maier, F. (1993). Das Wirtschaftssubjekt hat (k)ein Geschlecht! In U. Regenhard, F. Maier, & A.-H. Carl (Hrsg.), Ökonomische Theorien und Geschlechterverhältnis. Der männliche Blick der Wirtschaftswissenschaft (S. 15–39). Berlin: edition sigma.Google Scholar
  11. Mankiw, N. G., & Taylor, M. P. (2012, 2018). Grundzüge der Volkswirtschaftslehre (5./6. Aufl.). Schäffer-Poeschel: Stuttgart.Google Scholar
  12. Neubäumer, R., Hewel, B., & Lenk, T. (Hrsg.) (2011, 2017). Volkswirtschaftslehre: Grundlagen der Volkswirtschaftstheorie und Volkswirtschaftspolitik (5./6. Aufl.). Wiesbaden: Springer Gabler.Google Scholar
  13. Piekenbrock, D., & Hennig, A. (2013). Einführung in die Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomie (2. Aufl.). Heidelberg/Berlin: Springer.Google Scholar
  14. Samuelson, P. A., & Nordhaus, W. D. (2010, 2016). Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie (4./5. Aufl.). Landsberg am Lech: mi-Fachverlag / München: FinanzBuch Verlag.Google Scholar
  15. Stevenson, B., & Zlotnick, H. (2018). Representations of Men and Women in Introductory Economics Textbooks. AEA Papers and Proceedings, 108, 180–185.Google Scholar
  16. Weitz, B. O., & Eckstein, A. (2015). VWL Grundwissen (4. Aufl.). Freiburg/München: Haufe-Lexware.Google Scholar
  17. Wiese, H. (2014). Mikroökonomik: Eine Einführung (6. Aufl.). Berlin/Heidelberg: Springer.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität HamburgHamburgDeutschland

Personalised recommendations