Advertisement

Kurze wirtschaftliche Erholung unter Hitler (1933–1939)

  • Arie van der Hek
Chapter
  • 29 Downloads

Zusammenfassung

Im Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Seinem Kabinett gehörten nationalsozialistische und nationalkonservative Minister verschiedener Couleur an. Am 17. März 1933 berief Hitler Hjalmar Schacht zum Präsidenten der Reichsbank. Hitlers Ernennung zum Reichskanzler ging sicher zu einem Großteil auf seinen propagandistischen Ansatz sowie sein rhetorisches Talent zurück, das er dabei zur Schau stellte. Er ging systematisch auf Distanz zur „alten“ Politik und den zugehörigen Parteien der Mitte. Für den desolaten Zustand, in dem sich Deutschland befand, machte Hitler immer wieder diese Parteien verantwortlich. Gleichzeitig hatte er es auf die Bolschewisten, die Juden, die sogenannten „Plutokraten“, die marxistischen Sozialdemokraten und die Gewinner des (Ersten) Weltkriegs abgesehen. Die hatten das deutsche Volk ins Elend gestürzt. Ein radikaler Kurswechsel musste her. Die Massenarbeitslosigkeit sollte durch eine Politik zur Ankurbelung der Wirtschaft beseitigt werden. In der Außenpolitik ging es um die Wiederherstellung Deutschlands als anerkannte Großmacht. Das Unrecht der Friedensregelungen musste rückgängig gemacht werden. In Bezug auf die politische Umsetzung dieses Kurswechsels machte Hitler nur vage Andeutungen. Laut Schacht besaß die NSDAP kein ausgearbeitetes Wirtschaftsprogramm. Sorge bereitete ihm das nicht. Schacht verfolgte eine Doppelstrategie. Zu eindeutige Aussagen im Kampf um die politische Macht würden für Kritik sorgen. Mit Blick auf die Wahlen war es attraktiver, mit Diffamierungen und Versprechen auf das Volk einzuwirken und dabei auf die Abneigungen und Unsicherheiten der Wähler einzugehen. Schacht überlegte auch, dass er – wenn er mit einem Kabinett Hitler wieder in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten würde – Handlungsspielraum für die Ausgestaltung eigener Auffassungen bekäme. Seiner Einschätzung nach lag das im Bereich des Möglichen. Seine Kritik an der von den Vorgängerregierungen und vom letzten Reichsbankpräsidenten Luther geführten Deflationspolitik war bekannt. Auch mit der Überzeugung, dass es ein Kabinett Hitler geben müsste, hatte er nicht hinter dem Berg gehalten. Seine Argumentation war offensichtlich ganz einfach. Stand der NSDAP die Regierungsgewalt nicht zu? Immerhin war sie bei den Wahlen erfolgreich. Wäre eine Koalition aus NSDAP und Nationalkonservativen nicht das beste Mittel, um die bolschewistische Gefahr abzuwehren? Wäre eine solche Koalition nicht auch der beste Garant dafür, Hitler und seine Verbündeten von radikalen Umbrüchen der Wirtschaftsordnung zum Nachteil der Privatwirtschaft abzuhalten?

Literatur

  1. Albers, W. (1976). Finanzpolitik in der Depression und der Vollbeschäftigung. In Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876–1975. Frankfurt a. M.Google Scholar
  2. Clavert, F. (2006). Hjalmar Schacht. Financier et diplomat 1930–1950. Strassbourg.Google Scholar
  3. Ebi, M. (2004). Export um jeden Preis, die deutsche Exportförderung von 1932–1938. Stuttgart.Google Scholar
  4. Glasemann, H. G. (2013). Deutschlands Anleihen 1924–1945. Berlin.Google Scholar
  5. Hansmeyer, K.-H., & Caesar, R. (1976). Kriegswirtschaft und Inflation (1936–1948). In Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876–1975. Frankfurt a. M.Google Scholar
  6. Hirschfeld, H. M. (1959). Herinneringen uit de jaren 1933–1939. Amsterdam/Brüssel.Google Scholar
  7. Hoffer, W. (1975). Der Nationalismus. Dokumente 1933–1945. Frankfurt a. M./Hamburg.Google Scholar
  8. Irmler, H. (1976). Bankenkrise und Vollbeschäftigungspolitik. In Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876–1975. Frankfurt a. M.Google Scholar
  9. James, H. (1986). The German slump: Politics and economics, 1924–1936. Oxford.Google Scholar
  10. Klemann, H. A. M. (o. J.). German Dutch monetary relations 1871–1939. Rotterdam.Google Scholar
  11. Klemann, H. A. M., & Kudryashov, S. (2012). Economic history of Nazi-occupied Europe 1939–1949. London.Google Scholar
  12. Klug, A. (1993). The German buy back, 1932–1939. A cure for overhang? Princeton.Google Scholar
  13. Kopper, C. (2006). Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier. München/Wien.Google Scholar
  14. Kopper, C. (2016). Das Ministerium Schacht und sein Einfluss. In A. Ritschl (Hrsg.), Das Reichswirtschaftsministerium in der NS-Zeit. Berlin.Google Scholar
  15. Louis, W. R. (1971). Colonial Appeasement, 1936–1938. Revue Belge de Philologie et d’Histoire, 49(4), 1175–1191.CrossRefGoogle Scholar
  16. Meijer, H. G. (1949). Economisch Technische Verschijnselen, Inleiding tot de Organisatie en Techniek van de Handel. Purmerend.Google Scholar
  17. Papadia, A., & Schioppa, C. A. (2014). Foreign debts and secondary markets. Lessons from interwar Germany. London/Brüssel.Google Scholar
  18. Petzina, D. (2010). Autarkiepolitik im Dritten Reich. Der nationalsozialistische Vierjahresplan. Berlin.Google Scholar
  19. Reich, I. (1997). Carl Friedrich Goerdeler. Ein Oberbürgermeister gegen den NS Staat. Köln.Google Scholar
  20. Ritschl, A. (2002). Deutschlands Krise und Konjunktur, Binnenkonjunktur, Auslandsverschuldung und Reparationsprobleme. Zwischen Dawesplan und Transfersperre, 1924–1934. Berlin.Google Scholar
  21. Ritschl, A. (2003). Hat das Dritte Reich wirklich eine ordentliche Beschäftigungspolitik betrieben. Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 44(1), 125–140.CrossRefGoogle Scholar
  22. Schacht, H. (1932). Grundsätze deutscher Wirtschaftspolitik. Oldenburg.Google Scholar
  23. Schacht, H. (1934a). Erklärung zur deutschen Transferfrage vor dem Zentralausschuß der Reichsbank am 14.06.1934. Berlin: Reichsbank.Google Scholar
  24. Schacht, H. (1934b). Nationalsozialistische Bankreform. Berlin.Google Scholar
  25. Schacht, H. (1934c). Eilsener Vortrag. Das internationale Schulden- und Kreditproblem. Berlin.Google Scholar
  26. Schacht, H. (1934d). Über das deutsche Transferproblem. Berlin.Google Scholar
  27. Schacht, H. (1935). Deutschland und die Weltwirtschaft. München.Google Scholar
  28. Schacht, H. (1936). Vortrag auf der Hundertjahrfeier des Vereins für Geographie und Statistik zu Frankfurt am Main. Berlin.Google Scholar
  29. Schacht, H. (1938). „Finanzwunder“ und „Neuer Plan“. Vortrag vor dem Wirtschaftsrat der Deutschen Akademie. Berlin.Google Scholar
  30. Schacht, H. (1949). Abrechnung mit Hitler. Berlin/Frankfurt a. M.Google Scholar
  31. Schacht, H. (1953). 76 Jahre meines Lebens. Bad Wörishofen.Google Scholar
  32. Schacht, H. (1966). Magie des Geldes. Düsseldorf/Wien.Google Scholar
  33. Schmidt, H., & Stern, F. (2010). Unser Jahrhundert, Ein Gespräch. München.Google Scholar
  34. Strauss, W. (1936). Die Zusatzausfuhr mit Hilfe von Bonds und Scrips. Leipzig.Google Scholar
  35. Wochenbericht Nr. 41 (1936). Berlin: Institut für Konjunkturforschung.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  • Arie van der Hek
    • 1
  1. 1.EeldeNiederlande

Personalised recommendations