Advertisement

DRG oder Markt? Zum Ambivalenzdruck im deutschen Krankenhauswesen

  • Ingo BodeEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Der Beitrag diskutiert Entwicklungen im deutschen Krankenhauswesen mit Blick auf die dort auftretenden Vermarktlichungsdynamiken. Er beschreibt, wo Marktanreize zum Tragen kommen und wie diese auf den Energiehaushalt der Einrichtungen und ihres Personals einwirken. Eine zentrale Beobachtung ist die einer permanenten Ambivalenz im Arbeitskörper der Kliniken und ihrem Umfeld. Die Quintessenz lautet, dass dies die Mentalitäten im Krankenhaussektor nach und nach verändert. Bezüglich der gemeinhin mit der Einführung der DRGs in Verbindung gebrachten Pathologien wird dafür plädiert, bei der Problemanalyse stärker auf die ‚wettbewerbspolitische‘ Steuerung des Sektors abzustellen – weil ansonsten ein Burnout ganzer Arbeitsorganisationen droht.

Schlüsselwörter

Krankenhaus Markt Gesundheitspolitik Personal Folgenabschätzung 

Literatur

  1. Augurzky, B., Krolop, S., Pily, A., Schmidt, C. M., & Wuckel, C. (2017). Krankenhaus Rating Report 2017. Essen: RWI.Google Scholar
  2. Bähr, C. (2008). Privatisierungswelle deutscher Kliniken. In O. Everling (Hrsg.), Rating im Health-Care-Sektor: Schlüssel zur Finanzierung von Krankenhäusern, Kliniken, Reha-Einrichtungen (S. 10–21). Wiesbaden: Gabler.Google Scholar
  3. Bär, S. (2011). Das Krankenhaus zwischen ökonomischer und medizinischer Vernunft. Krankenhausmanager und ihre Konzepte. Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  4. Bode, I. (2010). Die Malaise der Krankenhäuser. Leviathan, 38, 189–211.CrossRefGoogle Scholar
  5. Bode, I. (2013). Processing institutional change in public service provision. The case of the German hospital sector. Public Organization Review, 13, 323–339.CrossRefGoogle Scholar
  6. Bode, I. (2016). Stress durch rekursive Ambivalenz, oder: Warum und wie das Krankenhauswesen mutiert. In I. Bode & W. Vogd (Hrsg.), Mutationen des Krankenhauses. Soziologische Diagnosen in organisations- und gesellschaftstheoretischer Perspektive (S. 253–279). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  7. Bode, I., Lange, J., & Märker, M. (2013). Qualitätsagenda im Krankenhauswesen. Eine diffuse Agenda und reichlich Ambivalenz. Sozialer Fortschritt, 62, 293–299.CrossRefGoogle Scholar
  8. Bode, I., Lange, J., & Märker, M. (2017). Caught in organized ambivalence – Institutional complexity and its implications in the German hospital sector. Public Management Review, 19, 501–517.CrossRefGoogle Scholar
  9. Braun, B., Buhr, P., Klinke, S., Müller, R., & Rosenbrock, R. (2010). Pauschalpatienten, Kurzlieger und Draufzahler – Auswirkungen der DRGs auf Versorgungsqualität und Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Bern: Huber.Google Scholar
  10. Crojethovic, M., Gütschow, S., Krüger, C., Stender, T., & Elkeles, T. (2014). Veränderungspotenziale in Krankenhausorganisationen. Formalität und Informalität in nordostdeutschen Krankenhäusern. Gießen: Psychosozial-Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  11. Dittmann, H. (2017). Das Wettbewerbsziel der deutschen Krankenhauspolitik – Eine ordnungsökonomische Einordnung. Perspektiven der Wirtschaftspolitik, 18, 159–173.CrossRefGoogle Scholar
  12. Fölsch, U., Märker-Hermann, R., Schumm-Draeger, E., Frey, P. M., Müller-Quernheim, N., Stüber, J., Weber, E., Broglie, M., & Kapitza, T. (2014). Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung. Konfliktpotenzial im Krankenhaus – Die Zusammenarbeit zwischen ärztlicher und kaufmännisch-wirtschaftlicher Leitung. Deutsche Medizinische Wochenschrift, 139, 726–734.CrossRefGoogle Scholar
  13. Funder, M. (2011). Soziologie der Wirtschaft. Eine Einführung. München: Oldenbourg.CrossRefGoogle Scholar
  14. Gerlinger, T., & Reiter, R. (2017). Gesundheitspolitik. In R. Reiter (Hrsg.), Sozialpolitik aus politikfeldtheoretischer Perspektive (S. 228–274). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  15. Greef, S. (2015). Die Transformation des Marburger Bundes. Vom Berufsverband zur Berufsgewerkschaft. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  16. Hardering, F. (2018). Sinnvolle Arbeit unter Druck? Markterfordernisse, Widerständigkeit und die Verteidigung von Handlungsautonomie im Gesundheitssektor. In U. Bohmann, S. Börner, D. Lindner, J. Oberthür, & A. Stiegler (Hrsg.), Praktiken der Selbstbestimmung. Zwischen subjektivem Anspruch und institutionellem Funktionserfordernis (S. 3–24). Wiesbaden: Springer VS.CrossRefGoogle Scholar
  17. Hartweg, H.-R., Proff, M., Elsner, C., Kaestner, R., Agor, K., & Beivers, A. (Hrsg.). (2018). Aktuelle Managementstrategien zur Erweiterung der Erlösbasis von Krankenhäusern. Mit innovativen Versorgungsansätzen zur Erlösoptimierung. Wiesbaden: Springer Gabler.Google Scholar
  18. Hien, W. (2017). „Man geht mit einem schlechten Gewisse nach Hause.“ Krankenhausarbeit unter Ökonomisierungsdruck. Widersprüche, 145, 71–81.Google Scholar
  19. Ingerfurth, S., Andersson, F. O., & Willems, J. (2018). Entrepreneurship im Krankenhaussektor. In M. A. Pfannstiel, P. Ca-Cruz, & C. Rasche (Hrsg.), Entrepreneurship im Gesundheitswesen. Unternehmensgründung – Geschäftsideen – Wertschöpfung (S. 53–67). Wiesbaden: Springer Gabler.CrossRefGoogle Scholar
  20. Iseringhausen, O. (2016). Dekompensation der Klinik? Beobachtungen von Prozessen zwischen Medizin und Management. In I. Bode & W. Vogd (Hrsg.), Mutationen des Krankenhauses. Soziologische Diagnosen in organisations- und gesellschaftstheoretischer Perspektive (S. 103–142). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  21. Keßel, S. (2015). Loyalitätswettbewerb in der Patientenversorgung. Wahrgenommene Dienstleistungsqualität als Determinante der Patientenloyalität. Wiesbaden: Springer Gabler.Google Scholar
  22. Kiffman, M. (2017). Competition policy for health care provision in Germany. Health Policy, 121, 119–125.CrossRefGoogle Scholar
  23. Kühn, H. (1995). Gesundheitspolitik ohne Ziel: Zum sozialen Gehalt der Wettbewerbskonzepte in der Reformdebatte. In H.-U. Deppe, H. Friedrich, & R. Müller (Hrsg.), Qualität und Qualifikation im Gesundheitswesen (S. 11–35). Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  24. Manzei, A., & Schmiede, R. (Hrsg.). (2014). 20 Jahre Wettbewerb im Gesundheitswesen Theoretische und empirische Analysen zur Ökonomisierung von Medizin und Pflege. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  25. Märker, M., & Turba, H. (2016). „Pyrrhussieg“ einer Grenzstellenprofession? Sozialarbeit im Krankenhaus unter Wettbewerbsbedingungen. In I. Bode & W. Vogd (Hrsg.), Mutationen des Krankenhauses. Soziologische Diagnosen in organisations- und gesellschaftstheoretischer Perspektive (S. 185–206). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  26. Marrs, K. (2008). Arbeit unter Marktdruck. Die Logik der ökonomischen Steuerung in der Dienstleistungsarbeit. Berlin: Sigma.CrossRefGoogle Scholar
  27. Messer, M., & Reilley, J. T. (2015). Qualitätsberichte als Vermittlungsinstanz im Wettbewerb zwischen Krankenhäusern. Patienten als rationale Akteure. Berliner Journal für Soziologie, 25, 61–81.CrossRefGoogle Scholar
  28. Rau, F., Roeder, N., & Hensen, P. (Hrsg.). (2009). Auswirkungen der DRG-Einführung in Deutschland. Standortbestimmung und Perspektiven. Stuttgart: Kohlhammer.Google Scholar
  29. Reifferscheid, A., Pomorin, N., & Wasem, J. (2016). Pflegerische Versorgungsdefizite in deutschen Krankenhäusern. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung von Krankenhaus-Leitungspersonen. Das Gesundheitswesen, 78, 97–102.CrossRefGoogle Scholar
  30. Schimank, U., & Volkmann, U. (2017). Das Regime der Konkurrenz: Gesellschaftliche Ökonomisierungsdynamiken heute. Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  31. Schönbach, K.-H. (2015). Wettbewerb in einem korporatistischen System. Gesundheit & Gesellschaft Wissenschaft, 15(3), 24–30.Google Scholar
  32. Senf, K. (2018). Wie Schwarz-Rot punkten will. Gesundheit & Gesellschaft, 21(3), 20–25.Google Scholar
  33. Sens, B., Wenzlaff, P., Pommer, G., & van der Hardt, H. (2010). DRG-induzierte Veränderungen und ihre Auswirkungen. Medizinische Versorgungsforschung, 3, 27–32.Google Scholar
  34. Vogd, W., Feißt, M., Molzberger, K., Ostermann, A., & Slotta, J. (2018). Entscheidungsfindung im Krankenhausmanagement. Zwischen gesellschaftlichem Anspruch, ökonomischen Kalkülen und professionellen Rationalitäten. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  35. Wehkamp, K.-H., & Naegler, H. (2017). Ökonomisierung patientenbezogener Entscheidungen im Krankenhaus. Eine qualitative Studie zu den Wahrnehmungen von Ärzten und Geschäftsführern. Deutsches Ärzteblatt, 114, 797–804.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.KasselDeutschland

Personalised recommendations