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Theoretical Sampling als triangulatives Element in der empirischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Marginalisierung – Forschungspraktische Überlegungen

  • Stella RügerEmail author
Chapter
Part of the Studien zur Schul- und Bildungsforschung book series (SZSBF, volume 76)

Zusammenfassung

Obwohl bereits Ansätze vorhanden sind, die das Theoretical Sampling als ein triangulatives Element sowohl der klassischen als auch der postmodernen Grounded Theory Methodologie denken, wurden die daraus folgenden Auswirkungen für die Forschungspraxis bisher nicht thematisiert. Daran anknüpfend steht im folgenden Beitrag die Bedeutung des triangulativen Vorgehens im Theoretical Sampling für die Datenerhebung und speziell die Auswahl eines ersten Analysefalls im Fokus. Dies geschieht am Beispiel meines Promotionsprojekts und der darin angestrebten Triangulation verschiedener Perspektiven auf gesellschaftliche Marginalisierung. Diskutiert werden drei Aspekte: 1) Die Vorteile der postmodernen gegenüber der klassischen Grounded Theory Methodologie in Bezug auf die Fallauswahl, 2) die Bedeutung der Problematik des Sprechen-Über im Rahmen der Triangulation von Perspektiven sowie 3) die Herausforderungen der Forschungspraxis. Im Anschluss an alle drei Diskussionspunkte lassen sich unterschiedliche Auswahlentscheidungen begründen. Anhand der Triangulation verschiedener Perspektiven wird somit deutlich, dass bereits die Planungsphase des Theoretical Sampling bestimmte Entscheidungen erfordert, die im Forschungsprozess reflektiert und transparent gemacht werden müssen.

Schlüsselwörter

Qualitative Forschung Grounded Theory Methodologie Theoretical Sampling Marginalisierung Sprechen-Über Forschungspraxis 

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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Martin-Luther-Universität Halle-WittenbergHalleDeutschland

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