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Zum Verhältnis von Sozialer Arbeit und Religion

Ein Beitrag aus handlungstheoretischer Perspektive
  • Matthias NauerthEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Religion unterliegt in unserer modernen Gesellschaft einer komplexen Umformung. Während einerseits ein institutioneller Bedeutungsverlust von Religion beschrieben werden kann, scheint sie zugleich auf neuerliche Weise zum Bezugspunkt individueller und kollektiver Anerkennungsforderungen sowie Sinnsuchbewegungen zu werden und zeigt beharrliche Präsenz (vgl. z. B. Beck 2008, Habermas 2009, Hellemanns 2010, Koschorke 2013, Berger u. a. 2013.) Das ist erstaunlich, weil die allseits anerkannte Säkularisierungstheorie in den letzten Jahrzehnten eine andere Prognose nahelegte. Die hier implizierte, im Grunde atheistische Annahme war, dass die eigentlichen Ursachen von Religion soziale Verelendung, fehlende Bildung oder staatlichem Despotismus seien. Dem entsprechend würde es zu einer Säkularisierung in dem Maße kommen, wie sich in modernen Gesellschaften Sozialstaat, Aufklärung und Demokratie durchsetzen.

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  1. 1.HamburgDeutschland

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